Aluminium 6262: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungen
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Umfassender Überblick
Legierung 6262 gehört zur 6xxx-Serie der Aluminiumlegierungen, die Aluminium-Magnesium-Silizium-basiert sind und als wärmebehandelbare, ausscheidungshärtende Legierungen klassifiziert werden. 6262 unterscheidet sich von den üblichen 6xxx-Legierungen durch kontrollierte Kupferzugaben sowie kleine Mengen zerspanungsfördernder Bestandteile (wie Blei, Bismut oder Zinn) in vielen handelsüblichen Varianten, um die Zerspanbarkeit zu verbessern und gleichzeitig das Grundverhalten der 6xxx-Familie beizubehalten.
Die Härtebildung bei 6262 erfolgt primär durch Lösungsglühen gefolgt von Abschrecken und künstlichem Altern (Ausscheidungshärtung), wobei Mg2Si- sowie Mg-Si-Cu-haltige Ausscheidungen gebildet werden, die Streck- und Zugfestigkeit erhöhen. Wesentliche Merkmale sind ein moderat bis hoher Festigkeitsgrad für eine 6xxx-Legierung, gute Zerspanbarkeit (besonders bei blei-/bismutmodifizierten Varianten), akzeptable Korrosionsbeständigkeit sowie angemessene Umformbarkeit und Schweißbarkeit im Vergleich zu anderen wärmebehandelbaren Legierungen.
Branchen, die 6262 häufig verwenden, sind unter anderem die Automobil- und Transporttechnik (zerspante Bauteile und Armaturen), Hydraulik und Fluidtechnik (Ventile, Verbinder), industrielle Maschinenbauanwendungen (Wellen, Gehäuse) sowie einige luftfahrttechnische Metallbauteile, bei denen gleichzeitig Zerspanbarkeit und moderate Festigkeit gefordert sind. Konstrukteure wählen 6262, wenn ein ausgewogenes Verhältnis aus hoher Zerspanbarkeit, wärmebehandelbarer Festigkeit und akzeptabler Korrosionsbeständigkeit gewünscht wird und eine leichter zerspanbare Legierung als 6061/6063 bei dennoch ausscheidungshärtbarer Basis gesucht wird.
6262 wird oft gegenüber zerspanungsoptimierten 2xxx- oder 7xxx-Legierungen bevorzugt, wenn Korrosionsbeständigkeit und bessere Schweißbarkeit gefordert sind, sowie gegenüber 1xxx/3xxx/5xxx-Kaltumformlegierungen, wenn eine höhere Festigkeit durch Wärmebehandlung oder bessere Maßhaltigkeit nach dem Altern gewünscht ist. Die Wahl fällt häufig zugunsten von 6262 aus, wenn nach der Zerspanung hohe Maßgenauigkeit und Oberflächenqualität entscheidend sind, ohne auf die Vorteile einer 6xxx-Ausscheidungshärtung verzichten zu müssen.
Zustandsvarianten
| Zustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch | Ausgezeichnet | Ausgezeichnet | Vollständig geglüht; beste Umformbarkeit und Duktilität; weichster Zustand. |
| H14 | Niedrig–Mittel | Mittel | Gut | Gut | Kaltverfestigt oder durch Umformen entspannt; für begrenzte Umformvorgänge eingesetzt. |
| T5 | Mittel | Mittel | Gut | Gut | Aus der Formgebung gekühlt und künstlich gealtert; üblich bei Strangpressprodukten und Bauteilen mit moderater Festigkeit. |
| T6 | Mittel–Hoch | Mittel–Niedrig | Ausreichend | Gut | Lösungsglühen und künstliches Altern; typischer Konstruktionszustand mit ausgewogenem Verhältnis von Festigkeit und Zähigkeit. |
| T651 | Mittel–Hoch | Mittel–Niedrig | Ausreichend | Gut | Lösungsglühen, ausscheidungshärten durch Dehnung entspannt und künstlich gealtert; verbesserte Maßhaltigkeit für die Zerspanung. |
| H32 | Mittel | Mittel | Gut | Gut | Kaltverfestigt und stabilisiert; verwendet für umgeformte Bauteile mit Spannungsentspannung. |
Der Zustand hat entscheidenden Einfluss auf die erreichbare mechanische Leistung und den Fertigungsprozess. O- und H-Zustände begünstigen Umformung und Kaltverformung, während T-Zustände (T5, T6, T651) bevorzugt werden, wenn höhere Festigkeit, Härte und Maßhaltigkeit nach der Zerspanung gefordert sind.
Für zerspante Bauteile mit engen Maßtoleranzen und höherer Festigkeit wird häufig T651 bevorzugt, da die Dehnungsnachbehandlung Verzerrungen bei nachfolgenden Zerspan- und Wärmebehandlungsschritten reduziert. Konstrukteure müssen Umformbarkeit (zum Vorteil von O/H-Zuständen) gegen Endfestigkeit und Dauerfestigkeit (zum Vorteil von T-Zuständen) abwägen.
Chemische Zusammensetzung
| Element | % Bereich | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Si | 0,6–1,0 | Bildner der Magnesium-Silizium-Matrix; entscheidend für die Ausscheidungshärtung (Mg2Si). |
| Fe | max. 0,35 | Seitenelement; höhere Werte senken Duktilität und Korrosionsbeständigkeit. |
| Mn | 0,05–0,40 | Steuert die Kornstruktur und kann Festigkeit sowie Korrosionsbeständigkeit verbessern. |
| Mg | 0,4–0,8 | Legierungselement zur Bildung von Mg2Si-Ausscheidungen mit Si. |
| Cu | 0,2–0,8 | Erhöht die erreichbare Festigkeit und verändert die Alterungskinetik; mäßiger Einfluss auf Korrosionsbeständigkeit. |
| Zn | max. 0,15 | Geringfügig; meist keine gezielte Zugabe. |
| Cr | max. 0,10 | Kornfeiner und Dispersoidbildner; verbessert Zähigkeit und Rekristallisationsbeständigkeit. |
| Ti | max. 0,10 | Kornfeiner in Guss- und einigen warmgewalzten Formen. |
| Andere (Pb/Bi/Sn) | Spuren, typischerweise 0,01–0,35 jeweils, falls vorhanden | In zerspanungsoptimierten Varianten zur Verbesserung des Spanbruchs und der Werkzeugstandzeit; bei hohen Mengen schädlich für das Schweißen. |
Die Legierungszusammensetzung ist so ausgelegt, dass eine ausscheidungshärtbare Mg-Si-Grundlage vorliegt, die durch moderate Kupferzugaben zur Einstellung von Festigkeit und Alterungsverhalten modifiziert wird. Zerspanungsfördernde Elemente (Blei, Bismut, Zinn) werden in einigen Handelsqualitäten zur Verbesserung der Spanbildung und Oberflächenqualität beim Zerspanen verwendet. Spurenelemente wie Cr und Mn wirken als Dispersoidbildner und Kornfeiner, um die Mikrostruktur während der Wärmebehandlung zu stabilisieren.
Das Verhältnis zwischen Mg und Si ist besonders wichtig: Es steuert das Volumen und die Verteilung der Mg2Si-Ausscheidungen und damit die maximal erreichbare Festigkeit und das Alterungsansprechen. Kupfer beeinflusst sowohl die Spitzenfestigkeit als auch die Korrosionscharakteristik und muss im Hinblick auf gewünschte Schweißbarkeit und Umgebungsbedingungen ausbalanciert werden.
Mechanische Eigenschaften
Das Zugverhalten von 6262 ist stark vom Zustand abhängig. Im geglühten (O) Zustand zeigt die Legierung eine hohe Dehnung, niedrige Streckgrenze und relativ geringe Zugfestigkeit, was sie gut formbar macht. Nach Lösungsglühen und künstlichem Altern (T6/T651) steigen Streck- und Zugfestigkeit deutlich aufgrund der kontrollierten Ausscheidung von Mg2Si- und Kupferphasen, während die Dehnung entsprechend abnimmt.
Streck- und Zugfestigkeiten reichen typischerweise von niedrigen Werten im geglühten Zustand bis zu moderat hohen Werten im Spitzenalterungszustand; Streckgrenzen in T6/T651 sind für viele Struktur- und Zerspanbauteile geeignet. Die Härte korreliert mit dem Zustand: Material im geglühten Zustand ist weich und erreicht niedrige Werte auf der Brinell- oder Vickers-Skala, während T6-Behandlungen die Härte deutlich erhöhen und so Verschleiß- und Bearbeitungsverhalten unter bestimmten Bedingungen verbessern.
Die Dauerfestigkeit von 6262 wird beeinflusst durch Oberflächenqualität, Zustand und Restspannungen; das peak-gealterte Material zeigt höhere Dauerfestigkeit für eine gegebene Spannung, allerdings weisen Aluminiumlegierungen keine echte Dauerfestigkeitsgrenze auf und die Lebensdauer muss für den erwarteten Lastbereich charakterisiert werden. Die Blech- oder Profilstärke wirkt auf das mechanische Verhalten: Dünne Bauteile altern schneller und können ein abweichendes Abschreckverhalten im Vergleich zu dickeren Abschnitten zeigen, was eine genaue Kontrolle der Wärmebehandlungsparameter und Abschreckgeschwindigkeiten für gleichmäßige Eigenschaften erfordert.
| Eigenschaft | O/Weichgeglüht | Wesentlicher Zustand (z. B. T6/T651) | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit | ~110–160 MPa | ~300–350 MPa | Werte für T6/T651 hängen von exakter Zusammensetzung und Alterungsprozess ab; mittlerer Bereich für 6xxx-Legierungen. |
| Streckgrenze | ~40–90 MPa | ~240–300 MPa | Streckgrenze steigt nach Lösungsglühen und Auslagerung deutlich an. |
| Dehnung | ~15–25 % | ~8–14 % | Dehnung nimmt mit zunehmender Festigkeit ab; Brucharten bleiben duktil. |
| Härte (HB) | ~35–60 HB | ~85–120 HB | Härte variiert mit dem Zustand und wird häufig zur Überwachung des Alterungszustands verwendet. |
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Hinweise |
|---|---|---|
| Dichte | 2,70 g/cm³ | Typisch für gewalzte Aluminiumlegierungen; günstiges Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. |
| Schmelzbereich | ~555–650 °C | Legierungselemente verschieben Solidus/Liquidus gegenüber reinem Al (660 °C); exakte Grenzwerte den Spezifikationen entnehmen. |
| Wärmeleitfähigkeit | 135–165 W/m·K | Niedriger als bei reinem Al, aber dennoch gut für Wärmeableitung geeignet. |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~24–34 %IACS | Durch Legierung reduziert; niedriger als bei technisch reinem Aluminium. |
| Spezifische Wärmekapazität | ~0,90 J/g·K (900 J/kg·K) | Typisch für Aluminiumlegierungen; nützlich für Berechnungen der thermischen Trägheit. |
| Thermische Ausdehnung | ~23–24 µm/m·K (20–300 °C) | Typischer Ausdehnungskoeffizient für Aluminiumlegierungen; wichtig für verschraubte/verbundene Baugruppen und Dichtungsdesign. |
6262 bewahrt die günstigen physikalischen Eigenschaften von Aluminium: niedrige Dichte, gute Wärmeleitfähigkeit und vorteilhafte spezifische Wärmekapazität für viele Aufgaben im thermischen Management. Thermische und elektrische Leitfähigkeiten liegen aufgrund der Legierungselemente unter denen von hochreinem Aluminium, bleiben jedoch für viele Anwendungen zur Wärmeableitung oder als Leiter, bei denen auch mechanische Leistung gefordert ist, ausreichend.
Konstrukteure müssen die relativ hohe thermische Ausdehnung im Vergleich zu Stählen berücksichtigen: unterschiedliche Ausdehnung in Mischbaugruppen kann Spannungen an Verbindungsstellen und Befestigungen verursachen. Die Schmelz- und Solidusbereiche beeinflussen zudem die Prozessfenster beim Schweißen und Löten und müssen bei thermischer Bearbeitung beachtet werden.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Übliche Zustände | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,4–6 mm | Homogen; Dicke beeinflusst Alterungsreaktion | O, H14, T5, T6 | Verwendet für gestanzte oder bearbeitete Bleche und kosmetische Bauteile. |
| Platte | 6–50+ mm | Dicke Querschnitte erfordern kontrolliertes Abschrecken für gleichmäßigen T6-Zustand | O, T6, T651 | Schwere Bauteile und bearbeitete Blöcke; langsames Abkühlen kann Spitzenwerte mindern. |
| Strangpressprofil | Verschiedene Querschnitte | Gute Festigkeit in T5/T6 nach Alterung | T5, T6, T651 | Komplexe Profile für Struktur- und Gehäusebauteile. |
| Rohr | Außendurchmesser variabel, Wandstärke variabel | Festigkeit skaliert mit Zustand und Wandstärke | O, T5, T6 | Verwendet für Hydraulikhülsen, Strukturrohre und bearbeitete Rohrteile. |
| Stab/Rundstahl | Durchmesser 3–200 mm | Gängig für gedrehte und bearbeitete Bauteile | O, T6, T651 | Bevorzugt bei Drehteilen mit engen Toleranzen; einspanfähige Varianten oft in Stabform erhältlich. |
Verarbeitungseigenschaften variieren je nach Bauteildicke und Querschnittskomplexität: dünnes Blech altert anders und erreicht Zielwerte schneller als dicke Platte. Strangpressprofile benötigen kontrollierte Abkühlung sowie optimierte Lösungsglüh- und Auslagerungszyklen für Querschnittdicken, um Übergangslagerung oder weiche Kerne zu vermeiden. Stab- und Rundformen von frei bearbeitbarem 6262 sind weit verbreitet für großvolumige Drehbearbeitungen, bei denen Spanbruch und Standzeit der Werkzeuge Priorität haben.
Die Anwendungsgebiete unterscheiden sich je nach Form: Blech und Platte eignen sich für Bleche und Umformteile; Strangpressprofile ermöglichen integrierte Profile und Führungsschienen; Stab/Rundstahl sowie Rohr werden hauptsächlich für bearbeitete Armaturen, Wellen und Hydraulikkomponenten verwendet. Die Auswahl des Zustands und der Vorbehandlung ist entscheidend, um Verzug bei der nachfolgenden Bearbeitung zu minimieren.
Äquivalente Legierungen
| Norm | Legierung | Region | Hinweise |
|---|---|---|---|
| AA | 6262 | USA | Aluminium Association-Bezeichnung; Basisreferenz für kommerzielle Spezifikationen. |
| EN AW | 6262 | Europa | EN-Bezeichnung entspricht meist der AA-Nummerierung für diese gewalzte Legierung; Lieferantenzertifikate prüfen. |
| JIS | — | Japan | Keine direkte eins-zu-eins JIS-Bezeichnung; 6262 wird typischerweise als Speziallegierung behandelt und funktional mit JIS-Äquivalenten der 6xxx-Familie verglichen. |
| GB/T | — | China | Nicht immer als genormte Legierung vorhanden; chinesische Werke liefern 6262 meist unter firmeneigenen oder AA-kompatiblen Spezifikationen. |
Obwohl AA 6262 und EN AW-6262 kommerziell meist als gleichwertige Bezeichnungen behandelt werden, können nationale Normen und Zertifizierungspraxis in zulässigen Spuren- und Verunreinigungselementen differieren. In einigen Regionen gibt es kein exaktes JIS- oder GB/T-Äquivalent, sodass Hersteller entweder AA/EN-konformes Material liefern oder eine eng verwandte 6xxx-Legierung wie 6061/6063 mit Hinweisen zu Bearbeitbarkeitsunterschieden angeben.
Ingenieure, die im Ausland beschaffen, sollten Werkstoffzeugnisse anfordern und das Vorhandensein sowie die Grenzwerte von zerspanungsfördernden Elementen (Pb, Bi, Sn) sowie Abweichungen im Cu-Gehalt prüfen, da diese kleinen Unterschiede die Zerspanbarkeit, Schweißbarkeit und Korrosionsverhalten maßgeblich beeinflussen können.
Korrosionsbeständigkeit
6262 bietet eine gute atmosphärische Korrosionsbeständigkeit, typisch für Legierungen der 6xxx-Serie, bedingt durch die Bildung einer schützenden Aluminiumoxidschicht. In mild korrosiven Umgebungen ist das Material ohne spezielle Beschichtungen akzeptabel einsetzbar, jedoch können Legierungselemente (insbesondere Kupfer) die Beständigkeit leicht gegenüber nahezu reinem Al sowie gegenüber den Al-Mg-Legierungen der 5xxx-Serie reduzieren. Regelmäßige Beschichtungen, Eloxieren oder Lackieren sind bei Außenanwendungen üblich, um die Lebensdauer zu verlängern und ästhetische Anforderungen zu erfüllen.
In maritimen oder chloridreichen Umgebungen ist 6262 allgemein für Innenbauteile und einige Außenteile geeignet, jedoch nicht so korrosionsbeständig wie speziell für Meerwasser konzipierte Al-Mg-Legierungen (5xxx-Serie). Spaltkorrosion und Lochfraß stellen in chloridehaltigen Umgebungen Risiken dar, besonders dort, wo galvanische Kontakte mit edleren Materialien vorliegen oder Oberflächenschäden den Oxidschutz entfernen.
Die Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion (SCC) in 6262 ist im Vergleich zu kupferreicheren 2xxx-Legierungen in der Regel gering, doch bei kombinierter Zugbeanspruchung und korrosiver Umgebung besteht ein gewisses Risiko. Galvanische Wechselwirkungen sollten vermieden werden: Bei Verbindung mit Edelstahl oder Kupferlegierungen kann das Aluminium bei fehlender Isolierung beschleunigt korrodieren. Im Vergleich zu anderen Legierungsfamilien bietet 6262 ein ausgewogenes Korrosionsverhalten, das für viele allgemeine Ingenieuranwendungen geeignet ist, jedoch Schutzmaßnahmen bei starken maritimen oder chemischen Belastungen erfordert.
Fertigungseigenschaften
Schweißbarkeit
6262 lässt sich mit gängigen Schmelzschweißverfahren wie MIG und TIG gut schweißen, wobei die Schweißbarkeit vom Gehalt und der Art zerspanungsfördernder Elemente abhängt. Varianten mit Blei/Bismut sind schwieriger porenfrei zu schweißen und neigen zu Heißrissbildung; diese Legierungen werden oft vermieden, wenn Schweißnähte erforderlich sind. Es sollten Füllwerkstoffe verwendet werden, die mit 6xxx-Legierungen kompatibel sind (z. B. 4043 oder 5356, je nach Fügeanforderung), und Weichzonen-Erweichung berücksichtigt werden. Nach dem Schweißen können Wärmebehandlungen oder lokale Bearbeitungsspielräume nötig sein.
Zerspanbarkeit
Die Zerspanbarkeit ist ein wesentlicher Vorteil vieler handelsüblicher 6262-Varianten – insbesondere jener mit kontrollierten Pb/Bi/Sn-Zusätzen – und bietet verbesserte Spanbrechung, Oberflächengüte und Werkzeugstandzeit im Vergleich zu Standard-6xxx-Legierungen. Typische Bearbeitbarkeitswerte übertreffen die von 6061 und kommen leichter bleihaltigen, zerspanbaren Legierungen nahe. Hartmetallwerkzeuge sind bei moderaten Schnittgeschwindigkeiten mit steifer Fixierung empfohlen, um Schwingungen zu vermeiden. Kühlschmierstoffe, Spanabfuhr und passende Werkzeuggeometrie sind für dauerhaft hohe Produktivität und Oberflächenqualität unerlässlich.
Umformbarkeit
Die Umformbarkeit ist im weichgeglühten (O) oder leicht kaltverfestigten Zustand am besten; Biegeradien sollten den üblichen Aluminiumrichtlinien folgen (Innen-Biegeradius ≥ Materialdicke bei mäßig duktilen Zuständen). Kaltumformen erhöht die Festigkeit durch Kaltverfestigung, aber 6262 ist primär für Bauteile gedacht, die nach der Wärmebehandlung zerspant werden, statt für stark umgeformte Teile. Für Anwendungen mit erheblicher Umformung und anschließender Festigkeit empfiehlt sich die Umformung im O-Zustand, gefolgt von Lösungsglühen und Auslagern, sofern Geometrie- und Verzugsanforderungen dies zulassen.
Schweißverhalten bei Wärmebehandlung
Als wärmebehandelbare Legierung spricht 6262 auf Lösungsglühen, Abschrecken und künstliches Altern an, um Ausscheidungsphasen zu bilden, die eine erhöhte Festigkeit gewährleisten. Das Lösungsglühen wird typischerweise bei Temperaturen im Bereich von etwa 520–540 °C durchgeführt, wobei die löslichen Phasen vollständig aufgelöst werden. Anschließend erfolgt ein schnelles Abschrecken, um die Lösungsstoffe in übersättigter fester Lösung zu stabilisieren. Das (künstliche) Altern wird bei erhöhten Temperaturen (üblich sind etwa 160–185 °C) durchgeführt, um Mg2Si- und Cu-veränderte Phase abzuscheiden; Alterungszeiten und -temperaturen werden ausgewählt, um T5-, T6- oder Zwischenstufen der Festigkeit zu erzielen.
Die Temperübergänge hängen von der Abkühlrate und dem Alterungsprogramm ab: T5 gilt, wenn Bauteile nach der Bearbeitung abgekühlt und anschließend künstlich gealtert werden, ohne dass eine vorherige Lösungsglühen stattgefunden hat; T6 umfasst ein explizites Lösungsglühen und Abschrecken vor dem Altern und erreicht höhere Höchstfestigkeiten. T651 bezeichnet Lösungsglühen, Spannungsabbau durch Dehnen und künstliches Altern, was die Maßhaltigkeit bei bearbeiteten Bauteilen verbessert. Überalterung verringert die Höchstfestigkeit, kann jedoch Zähigkeit und Korrosionsbeständigkeit verbessern; eine sorgfältige Prozesskontrolle ist daher entscheidend, um die Konstruktionsanforderungen zu erfüllen.
Für das nicht wärmebehandelbare Verhalten (relevant für H-Serien Varianten) wird die Festigkeitssteigerung durch Kaltverfestigung und kontrollierte Dehnung erreicht; das Glühen bringt das Material in den weichen O-Zustand zurück, um weitere Umformungen oder Nachbearbeitungen zu ermöglichen. Glühzyklen müssen kontrolliert werden, um übermäßiges Kornwachstum zu vermeiden, das die mechanischen Eigenschaften verschlechtern würde.
Hochtemperatureigenschaften
6262 verliert mit steigender Temperatur zunehmend an Festigkeit; die nutzbare Strukturfestigkeit bleibt für Dauerbetrieb üblicherweise bis etwa 100–120 °C erhalten, darüber hinaus sinken Streckgrenze und Zugfestigkeit deutlich. Kurzfristige Exposition gegenüber höheren Temperaturen ist möglich, kann aber die Überalterung beschleunigen und die Lebensdauer unter zyklischer Belastung reduzieren. Die Oxidation von Aluminiumlegierungen ist im Allgemeinen selbstbegrenzend durch eine schützende Aluminiumschicht, aber bei erhöhten Temperaturen kann sich dieser Überzug in reaktiven Umgebungen ausdehnen und abplatzen, was den Schutz mindert.
Thermische Belastung beeinflusst zudem die wärmebeeinflusste Zone (WBZ) an Schweißnähten; es kann zu lokaler Erweichung und Kornwachstum der Ausscheidungen kommen, wenn die Temperaturen innerhalb des Altersbereichs während des Betriebs oder der Fertigung überschritten werden. Für Anwendungen mit dauerhaft erhöhten Temperaturen sollten speziell für hohe Temperaturbeständigkeit ausgelegte Legierungen und Temperzustände gewählt oder Konstruktionssicherheitsfaktoren angesetzt werden, um Festigkeitsverluste zu kompensieren. Die Kriechfestigkeit bei hohen Temperaturen ist im Vergleich zu Hochtemperaturelegierungen begrenzt und muss bei belasteten Langzeitanwendungen bewertet werden.
Anwendungsgebiete
| Branche | Beispielkomponente | Warum 6262 verwendet wird |
|---|---|---|
| Automobilbau | Bearbeitete Halterungen, Ventilkörper | Ausgezeichnete Zerspanbarkeit und ausreichende T6-Festigkeit für Strukturbauteile |
| Schiffbau | Beschläge, Verbindungselemente (geschützte Bereiche) | Gute Korrosionsbeständigkeit und Bearbeitbarkeit für komplexe Bauteile |
| Luft- und Raumfahrt | Kleine Beschläge, Aktuatoren | Günstiges Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht und gute Bearbeitbarkeit für präzise Komponenten |
| Hydraulik / Fluidtechnik | Ventile, Verteiler, Kolben | Freizerspanbare Varianten ermöglichen komplexe Innengeometrien und saubere Oberflächen |
| Industriemaschinenbau | Wellen, Buchsen, Gehäuse | Bearbeitbarkeit kombiniert mit wärmebehandelbarer Festigkeit reduziert Zykluszeit und Kosten |
| Elektronik | Kleine Wärmeverteiler, Gehäuse | Wärmeleitfähigkeit und geringes Gewicht, wenn elektrische Leitfähigkeit zweitrangig ist |
6262 eignet sich besonders für Bauteile, die sowohl enge Maßtoleranzen aus der Bearbeitung als auch die erhöhte Festigkeit durch Ausscheidungshärtung erfordern. Die freizerspanbaren Varianten erlauben hohe Durchsatzraten beim Drehen und Fräsen und bewahren dabei eine akzeptable Korrosions- und mechanische Leistung. Konstrukteure schätzen die ausgewogene Eigenschaftskombination für Komponenten, bei denen Kosten, Fertigungsfreundlichkeit und Einsatzanforderungen zusammenkommen.
Auswahlhinweise
Bei der Wahl von 6262 empfehlen wir die Legierung für Bauteile mit überlegener Zerspanbarkeit im Vergleich zu Standard-6xxx-Legierungen, die dennoch von der Ausscheidungshärtung zur Erzielung nützlicher Festigkeiten profitieren. Freizerspanbare Versionen reduzieren Bearbeitungszeiten und Werkzeugverschleiß gegenüber 6061/6063, jedoch ist die Schweißbarkeit eingeschränkt und bei Anwesenheit von Pb/Bi/Sn ist mit Porosität zu rechnen.
Im Vergleich zu technisch reinem Aluminium (1100) handelt es sich bei 6262 um einen Kompromiss bezüglich elektrischer und thermischer Leitfähigkeit sowie Umformbarkeit zugunsten deutlich höherer Festigkeit und verbesserter Bearbeitbarkeit. Gegenüber kaltverfestigten Legierungen wie 3003 oder 5052 bietet 6262 eine höhere wärmebehandelbare Festigkeit, jedoch eine etwas geringere Korrosionsbeständigkeit in stark chloridbelasteten Umgebungen. Im Vergleich zu den gängigen 6xxx-Legierungen wie 6061/6063 kann 6262 bessere Bearbeitbarkeit bei ähnlicher oder geringfügig niedrigerer Höchstfestigkeit bieten; wählen Sie 6262, wenn Zerspanbarkeit und Maßhaltigkeit nach der Bearbeitung wichtiger sind als die maximal erreichbare Zugfestigkeit.
Zusammenfassung
Die Legierung 6262 bleibt ein relevantes Werkstoff für den Ingenieurbereich, wenn die Kombination aus wärmebehandelbarer Festigkeit, ausgezeichneter Zerspanbarkeit und angemessener Korrosionsbeständigkeit gefragt ist. Die gezielte Zusammensetzung und die Tempervarianten machen sie zur praktischen Wahl für präzisionsbearbeitete Komponenten in den Branchen Automobil, Hydraulik, Industrie und Luftfahrt, bei denen Fertigungsfreundlichkeit und mechanische Leistung im Einklang stehen müssen.