Aluminium 6020: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungen
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Umfassender Überblick
Die Legierung 6020 gehört zur 6xxx-Serie der Aluminiumlegierungen, welche Aluminium‑Magnesium‑Silizium (Al‑Mg‑Si) wärmebehandelbare Legierungen sind. Die Familie der 6xxx-Legierungen zeichnet sich durch die Ausscheidungshärtung mit Mg2Si aus; 6020 ist so formuliert, dass es eine ausgewogene Kombination aus Extrusionsleistung, moderater Festigkeit und guter Oberflächenqualität bietet, und liegt damit im Anwendungsbereich neben Legierungen wie 6060 und 6063.
Wesentliche Legierungselemente in 6020 sind Silizium und Magnesium als das Härtungspaar, ergänzt durch kontrollierte Anteile von Eisen, Kupfer, Mangan, Chrom sowie Spurenelemente (Titan oder Zirkonium in einigen Walzwerksvarianten), um die Gefügestruktur zu steuern und die Verarbeitung zu verbessern. Die Härtung wird primär durch die Lösungsglühtemperatur, Abschrecken und künstliches Altern (Ausscheidungshärtung) erreicht, wobei die Endeigenschaften in einigen Zuständen durch Kaltumformung weiter modifiziert werden können.
Wichtige Merkmale von 6020 sind eine moderate bis gute Festigkeit für eine umformbare Legierung, gute Korrosionsbeständigkeit in atmosphärischer Umgebung, hervorragende Extrudierbarkeit und Oberflächenqualität sowie generell gute Schweißbarkeit bei geeigneter Auswahl der Zusatzwerkstoffe. Die Umformbarkeit und Oberflächenqualität machen sie besonders attraktiv für komplexe Extrusionen oder profilierte Formstücke sowie dort, wo eine Kombination aus Oberflächenfinish und Maßstabilität gefordert wird.
Typische Anwendungsbereiche für 6020 sind extrudierte Karosseriestrukturprofile im Fahrzeugbau, architektonische Profile, leichte maritime Konstruktionen sowie bestimmte Elektronikgehäuse, wo extrudierte oder profilierte Sektionen mit moderater Festigkeit und gutem kosmetischem Finish benötigt werden. Ingenieure bevorzugen 6020 gegenüber höherfesten 6xxx-Legierungen, wenn bessere Extrudierbarkeit, Oberflächenoptik oder Maßtoleranzen bei Extrusion und Endbearbeitung im Vordergrund stehen, und gegenüber nicht wärmebehandelbaren Legierungen, wenn eine mittlere Festigkeitssteigerung durch Alterung erwünscht ist.
Zustandsvarianten
| Zustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch (20–30%+) | Hervorragend | Hervorragend | Vollständig geglüht, ideal für starke Verformung |
| T1 | Niedrig–Moderat | Moderat | Sehr gut | Sehr gut | Vom Warmumformen abgekühlt mit natürlicher Alterung |
| T4 | Moderat | Moderat–Hoch | Sehr gut | Sehr gut | Geglüht und natürlich gealtert |
| T5 | Moderat–Hoch | Niedriger | Gut | Gut | Vom Warmumformen abgekühlt und künstlich gealtert |
| T6 | Hoch | Niedriger (6–15%) | Mäßig–Gut | Gut | Geglüht und künstlich gealtert auf Höchstfestigkeit |
| T651 | Hoch | Niedriger (6–15%) | Mäßig–Gut | Gut | Nach dem Lösungsglühen durch Dehnen spannungsarm geglüht |
Die Zustände beeinflussen stark das mechanische Verhalten und das Umformverhalten. Geglühte Zustände (O) und natürlich gealterte Zustände (T4) bieten die beste Dehnbarkeit und werden für starke Umformungen bevorzugt, während künstlich gealterte Zustände (T5, T6) höhere Zug- und Streckfestigkeiten auf Kosten der Dehnung liefern.
Für Extrusionen und Strukturprofile ist die Wahl des Zustands ein Kompromiss zwischen den endgültigen mechanischen Anforderungen und den nachgelagerten Umform- oder Fügevorgängen; T6/T651 werden für Festigkeit und Maßstabilität gewählt, während O oder T4 zur Maximierung der Umformbarkeit und Minimierung von Rissbildung beim Umformen bevorzugt werden.
Chemische Zusammensetzung
| Element | Prozentbereich | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Si | 0,3–0,9 | Hauptlegierungselement für die Ausscheidung von Mg2Si |
| Fe | 0,2–0,7 | Verunreinigung; kontrolliert zur Erhaltung der Extrudierbarkeit und Zähigkeit |
| Mn | 0,0–0,15 | Spurenelement, verbessert das Korngefüge bei Anwesenheit |
| Mg | 0,3–0,7 | Verbindet sich mit Si zur Bildung härtender Ausscheidungen |
| Cu | 0,0–0,15 | Meist minimal; erhöht Festigkeit, kann jedoch Korrosionsbeständigkeit vermindern |
| Zn | 0,0–0,2 | Typischerweise niedrig; hohe Werte sind nicht beabsichtigt |
| Cr | 0,0–0,1 | Mikrolegierung zur Kornkontrolle und Begrenzung der Rekristallisation |
| Ti | 0,0–0,05 | Kornfeinungsmittel bei Guss- und Extrusionsrohlingen |
| Andere | Rest Al; Gesamtanteil anderer Elemente ≤ 0,15 | Kleine Zusatz- und Verunreinigungsanteile wie Zr, V je nach Walzwerksverfahren |
Der Si- und Mg-Gehalt bestimmt das Volumen und die Zusammensetzung der Mg2Si-Ausscheidungen, welche das Härtungsverhalten bei künstlichem Altern festlegen. Niedrige Fe- und Cu-Gehalte sind wichtig, um Korrosionsbeständigkeit und Oberflächenqualität zu bewahren, während Cr- und Ti-Zusätze zur Kornsteuerung beim Gießen und Extrudieren verwendet werden.
Da die Zusammensetzungsgrenzen je nach Norm und Walzwerk variieren, sollten für exakte Grenzwerte finale Werkstoffzeugnisse herangezogen werden; geringe Unterschiede bei Mg und Si verändern die Alterungskinetik und Höchsteigenschaften maßgeblich.
Mechanische Eigenschaften
Das Zugverhalten von 6020 entspricht typisch dem mittelfesten Charakter der 6xxx-Legierungen: Im künstlich gealterten Zustand (T6/T651) zeigt sie erhöhte Streck- und Zugfestigkeiten bei reduzierter Dehnung im Vergleich zu geglühten Zuständen. Die Legierung zeigt einen relativ linearen elastischen Bereich, gefolgt von moderater Verfestigung vor dem stabilen Einschnürungsbeginn; die Ermüdungsfestigkeit wird von Oberflächenzustand und Restspannungen aus Extrusion und Alterung bestimmt.
Streckgrenze und Dehnung variieren stark mit dem Zustand und der Querschnittsdicke; dünne Extrusionen und Bleche in T6 können höhere Streckgrenzen, aber geringere Zähigkeit als dickere Platten oder geglühte Sektionen aufweisen. Die Härte korreliert mit dem Grad der künstlichen Alterung und steigt typischerweise von niedrigen Werten im O-Zustand auf deutlich höhere Brinell- oder Vickershärten im T6-Zustand, was die Ausscheidungshärtung widerspiegelt.
Die Ermüdungsbeständigkeit ist empfindlich gegenüber Oberflächenfinish, Bearbeitungsmarken und Schweißqualität; sie lässt sich oft durch Oberflächenbehandlungen und gezielte Konstruktion zur Vermeidung von Spannungskonzentrationen verbessern. Dicke Querschnitte kühlen beim Abschrecken langsamer ab, was zu geringerem Übersättigungsgrad und abgeschwächtem Alterungseffekt führt, sodass leicht reduzierte Höchstfestigkeiten gegenüber dünneren Teilen mit identischen Wärmebehandlungszyklen resultieren.
| Eigenschaft | O/Glühen | Wichtiger Zustand (T6/T651) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit | ~120–180 MPa | ~180–260 MPa | Bereich abhängig von Querschnitt, Alterungsschema und Lieferantensteuerung |
| Streckgrenze | ~40–90 MPa | ~140–220 MPa | Streckgrenze steigt deutlich nach Lösungsglühen und künstlichem Altern |
| Dehnung | 20–35% | 6–15% | Zähigkeit sinkt mit steigendem Festigkeitsniveau |
| Härte | ~30–50 HB | ~60–95 HB | Härte nimmt mit Ausscheidungsvolumen und Alterungszeit zu |
Die angegebenen Werte sind typische Bereichswerte für gängige kommerzielle Produktformen; konkrete Lieferantendatenblätter und Normen geben genaue zertifizierte Werte für spezifische Zustände und Querschnitte an.
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Dichte | 2,70 g/cm³ | Typisch für Al‑Mg‑Si-Legierungen; Grundlage für Gewichtskalkulationen |
| Schmelzbereich | ~555–650 °C | Solidus und Liquidus abhängig von begleitenden Elementen; für genaue Werte Norm konsultieren |
| Wärmeleitfähigkeit | ~140–170 W/m·K (20 °C) | Niedriger als bei reinem Aluminium durch Legierungselemente; Dicke und Zustand haben geringe Effekte |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~30–45 %IACS | Moderate Leitfähigkeit; reduziert gegenüber handelsüblichem reinem Aluminium |
| Spezifische Wärmekapazität | ~880–900 J/kg·K | Nahe an reinem Aluminium; geringe Abhängigkeit von Legierung |
| Wärmeausdehnung | 23–24 µm/m·K (20–100 °C) | Typische lineare Wärmeausdehnung für Aluminiumlegierungen |
Physikalisch bietet 6020 die leichten Eigenschaften und relativ hohen thermischen bzw. elektrischen Leitfähigkeiten, wie sie für Aluminiumlegierungen typisch sind, mit moderaten Einbußen gegenüber reinem Aluminium durch Streuungseffekte und Ausscheidungen. Wärmeleitung und Ausdehnung sind wichtige Auslegungsgrößen in wärmeempfindlichen Baugruppen; 6020 verhält sich ähnlich wie andere 6xxx-Legierungen in thermomechanischen Systemen.
Schmelzbereich und Solidustemperaturen sind relevant für Schweiß- sowie Guss- und Lötprozesse; eine sorgfältige Steuerung der Wärmeeinbringung und Abkühlraten beim Schweißen ist erforderlich, um lokale Überalterung oder Erweichungen im Wärmeeinflussbereich (WEA) zu vermeiden.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Übliche Zustände | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,5–6,0 mm | Gut, temperaturabhängig | O, T4, T6 | Verwendet für Verkleidungen und geformte Bauteile |
| Platte | >6 mm bis 50 mm | Niedrigere maximale Festigkeit in dicken Sektionen | O, T4, T6 | Dicke Sektionen können reduzierte Auslagerungseffizienz zeigen |
| Strangpressprofil | Dünnwandig bis große komplexe Profile | Gut, Strangpressbedingungen steuern die Eigenschaften | O, T5, T6, T651 | Weit verbreitet für Architektur- und Automobilprofile |
| Rohr | Ø10 mm–500 mm | Ähnlich wie Strangpressprofile; Wandstärke beeinflusst Eigenschaften | O, T4, T6 | Häufig für tragende Strukturen und Fluidführung |
| Stab/Rundstahl | Ø2 mm–200 mm | Zerspanbare Formen; Eigenschaften variieren mit Querschnitt | O, T4, T6 | Verwendet für bearbeitete Bauteile und Befestigungen |
Bleche und dünne Strangpressprofile ermöglichen schnelle Abschreckung und effiziente Auslagerung, was höhere Spitzfestigkeiten als sehr dicke Platten erreicht. Die Strangpressbearbeitung beeinflusst durch Schmelzchemie, Werkzeugauslegung und Kühlstrategie die Mikrostruktur im Endprodukt; Hersteller spezifizieren oft leicht unterschiedliche Legierungschemien zur Kontrolle von Schmelzqualität und Oberflächenfinish.
Die Wahl der Produktform richtet sich häufig nach Geometrie und Oberflächenanforderungen: Strangpressprofile ermöglichen komplexe Querschnitte und integrierte Verstrebungen, Platten bieten einfachere Formen bei größeren Dicken, und Bleche balancieren Umformbarkeit und Oberflächenqualität für lackierte oder eloxierte Bauteile.
Äquivalente Werkstoffe
| Norm | Werkstoff | Region | Hinweise |
|---|---|---|---|
| AA | 6020 | USA/International | Anerkannte Legierungsbezeichnung in vielen Lieferantenlisten |
| EN AW | 6020 | Europa | EN AW‑6020 verwendet für Strangpressprofile und gezogene Produkte |
| JIS | A6020 | Japan | JIS-Varianten mit ähnlicher Chemie und Eigenschaften vorhanden |
| GB/T | 6020 | China | Chinesische Standardvarianten meist an EN/AA-Chemien angelehnt |
Äquivalente Werkstoffbezeichnungen ähneln oft regional, jedoch können Verarbeitungsanforderungen und zulässige Toleranzen je nach Norm und Walzwerkpraktik variieren. Feine Unterschiede bei Verunreinigungsgrenzen oder Mikrolegierungselementen (Zr, V) können Rekristallisationsverhalten, Oberflächenqualität und Auslagerungskinetik beeinflussen, daher ist die Gegenüberstellung von Werkstoffzeugnissen bei Lieferantenwechsel unerlässlich.
Bei geforderter exakter Austauschbarkeit für qualifizierte Bauteile sollten Walzzeugnisse und Wärmebehandlungsnachweise angefordert werden, um die Einhaltung der mechanischen und chemischen Grenzwerte der Empfängernorm zu bestätigen.
Korrosionsbeständigkeit
Die atmosphärische Korrosionsbeständigkeit von 6020 ist für eine Legierung der 6xxx-Serie generell gut, bedingt durch relativ niedrigen Kupferanteil und kontrollierten Eisenanteil; sie widersteht allgemeiner atmosphärischer Beanspruchung und bildet eine schützende Oxidschicht vergleichbar zu 6060/6063. Oberflächenbeschaffenheit und Eloxalqualität sind günstig, wodurch sich 6020 für architektonische und Außenanwendungen eignet, bei denen Optik und Langlebigkeit wichtig sind.
In maritimen oder chloridreichen Umgebungen liefert 6020 akzeptable Leistungen für viele konstruktive Anwendungen, ist jedoch weniger korrosionsbeständig als bestimmte 5xxx (Al-Mg) Legierungen; galvanische Kopplungen und schützende Beschichtungen sind für einen langen Einsatz nahe Salzwasser besonders zu beachten. Die Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion (SCC) ist moderat: höhere Festigkeitszustände und Zugspannungen in Kombination mit korrosiver Umgebung erhöhen das Risiko. Daher müssen Konstruktion und Zustandswahl Chlorideinwirkung und Eigenspannungen berücksichtigen.
Galvanische Wechselwirkungen entsprechen dem üblichen Aluminiumverhalten: 6020 in Kontakt mit edleren Metallen (Edelstahl, Kupfer) korrodiert bevorzugt, sofern nicht elektrisch isoliert. Im Vergleich zur 1xxx-Serie tauscht 6020 etwas reduzierte Reinstleitfähigkeit gegen verbesserte Festigkeit und vergleichbare Korrosionsbeständigkeit; im Vergleich zur 5xxx-Serie opfert sie teils SCC-Beständigkeit zugunsten besserer Lackierbarkeit und Strangpressqualität.
Fertigungseigenschaften
Schweißbarkeit
6020 lässt sich gut mit gebräuchlichen Schmelzverfahren (TIG/MIG) schweißen, wenn Standardverfahren eingehalten werden; Vorreinigung und geeignete Füllwerkstoffe minimieren Porosität und Rissbildung. Empfohlene Füllstoffe sind Al-Si-Typen (z. B. 4043) für gute Benetzung und niedrige Heißrissanfälligkeit oder Al-Mg-Si-Füller (z. B. 5356/5183 Varianten) bei Priorisierung mechanischer Schweißnahtfestigkeit, wobei Post-Schweiß-Korrosionsverhalten zu berücksichtigen ist.
Das Weichwerden im Wärmeeinflussbereich (HAZ) ist typisch bei ausscheidungshärtbaren Legierungen: Lokale Festigkeitsminderung tritt neben der Schweißnaht durch Auflösung oder Überglühen der Ausscheidungen auf. Nachbehandlung durch Lösungsglühen und Auslagern ist bei großen Baugruppen selten praktikabel; übliche Maßnahmen sind konstruktive Kompensation und Schweißreihenfolge-Steuerung.
Zerspanbarkeit
Die Zerspanbarkeit von 6020 ist moderat; sie lässt sich besser bearbeiten als viele hochfeste Legierungen, aber schlechter als bestimmte frei zerspanbare Aluminium-Werkstoffe. Hartmetallwerkzeuge mit TiN- oder AlTiN-Beschichtungen sowie stabile Aufspannungen liefern die besten Ergebnisse, mit konservativen Vorschüben und Schnittgeschwindigkeiten bei größeren Querschnitten, um Aufbauschneiden zu vermeiden. Kühlung und scharfe Werkzeuge minimieren Oberflächenschmierung und verbessern das Finish; Späneabfuhr ist mit empfohlenen Nutgeometrien gut beherrschbar.
Typische Zerspanbarkeitsindizes ordnen 6xxx-Legierungen in den mittleren Bereich ein; Vorschub- und Drehzahlwahl sollten temper- und produktformabhängig erfolgen, wobei härtere Zustände langsamere Schnitte und robustere Werkzeuge erfordern.
Umformbarkeit
Die Umformbarkeit ist in geglühten (O) und T4-Zuständen ausgezeichnet, ermöglicht enge Biegeradien und tiefes Ziehen bei geringem Rissrisiko. In T6/T5-Zuständen steigen Mindestbiegeradien und Federkraft; übliche interne Biegeradius-Empfehlungen liegen bei 1–2× Blechdicke für geglühte Zustände und 2–3× Blechdicke für ausgehärtete Zustände bei Blechumformungen.
Die Kaltverfestigung verläuft vorhersagbar: Kaltverfestigung erhöht die Festigkeit, senkt jedoch die Duktilität. Bei intensiver Umformung wird empfohlen, in O oder T4 zu formen und anschließend Lösungsglühen und Auslagern zum gewünschten Endzustand durchzuführen, sofern möglich.
Wärmebehandlungsverhalten
6020 ist eine wärmebehandelbare Al-Mg-Si-Legierung und folgt den üblichen Wärmebehandlungsverfahren der 6xxx-Serie: Lösungsglühen, Abschrecken und künstliches Auslagern sind die primären thermischen Prozesse zur Festigkeitssteuerung. Typische Lösungsglühtemperaturen liegen bei 510–540 °C (abhängig von Querschnitt und Lieferantenempfehlungen) mit schneller Abschreckung, um einen übersättigten Festlösungszustand zu sichern.
Das künstliche Altern (T6/T5) erfolgt typischerweise bei 160–200 °C über mehrere Stunden zur Ausbildung der Mg2Si-Ausscheidungen; die Auslagerpläne steuern das Verhältnis zwischen Höchstfestigkeit sowie Zähigkeit und Spannungsrisskorrosionsbeständigkeit. Überglühen verringert die Festigkeit, kann jedoch Duktilität und SCC-Widerstand verbessern; somit ist das Auslagern ein Regelparameter basierend auf den erwarteten Einsatzbedingungen.
Temperzustandsbezeichnungen folgen der Standardnomenklatur: T4 (gelöst + natürliche Auslagerung) wird verwendet, wenn Umformung nach Lösungsglühen erforderlich ist, während T6 (gelöst + künstliches Auslagern) für Höchstfestigkeit steht. Für nicht wärmebehandelbare Bearbeitungsschritte wie Kaltverfestigung dient das Weichglühen zum Zustand O zur Wiederherstellung der Duktilität.
Verhalten bei hohen Temperaturen
Oberhalb der Raumtemperatur nimmt die Festigkeit von 6020 durch Vergröberung der Ausscheidungen und veränderte Löslichkeitskinetik progressiv ab; ab etwa 150 °C zeigt sich eine deutliche Festigkeitsminderung bei längerer Beanspruchung. Kurzzeitige Belastung bis etwa 200 °C wird ohne katastrophalen Eigenschaftsverlust toleriert, langfristige Kriechdehnung und Erweichung schließen jedoch einen dauerhaften Hochtemperatureinsatz für Tragwerksanwendungen aus.
Die Aluminiumoxidation beschränkt sich auf eine schützende Al2O3-Schicht und ist bis erhöhten Temperaturen in Luft kein typischer Limitierungsfaktor für 6020. In geschweißten Baugruppen sind HAZ-Bereiche besonders weichgesellschaftet bei Thermobelastungen, wobei die Nachbelastungseigenschaften von Maximaltemperatur und Verweilzeit abhängen.
Konstrukteure sollten Einsatztemperaturen über 100–120 °C mit Vorsicht behandeln und Legierungen für erhöhte Temperaturfestigkeit wählen oder mechanische Sicherheitszuschläge bei thermischer Belastung vorsehen.
Anwendungen
| Branche | Beispielbauteil | Grund für Verwendung von 6020 |
|---|---|---|
| Automobilindustrie | Fensterrahmen, strukturelle Strangpressprofile | Gute Strangpressbarkeit, Oberflächenqualität und moderate Festigkeit |
| Marine | Nicht-kritische Bauteile und Profile für Sekundärstrukturen | Korrosionsbeständigkeit und geringes Gewicht |
| Luft- und Raumfahrt | Innenausstattungen, nicht-tragende Bauteile | Gutes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis und exzellente Oberflächen |
| Elektronik | Gehäuse und Kühlkörper | Wärmeleitfähigkeit und gutes kosmetisches Finish |
| Architektur | Vorhangfassadenprofile, Zierleisten | Strangpressbarkeit, Eloxalqualität und Maßhaltigkeit |
6020 wird häufig eingesetzt, wenn eine Kombination aus Strangpressqualität, Oberflächenoptik und moderater mechanischer Leistung wichtiger ist als maximale Festigkeit. Das ausgewogene Eigenschaftsprofil macht die Legierung besonders wertvoll für sichtbare architektonische Zierleisten, komplexe Automobil-Strangpressprofile und leichte Tragwerksprofile.
Wenn Oberflächenqualität und Maßhaltigkeit Priorität haben, wird 6020 gegenüber bestimmten höherfesten 6xxx-Legierungen bevorzugt, da es eine verbesserte Extrusionsoberfläche und eine gleichmäßige Reaktionsweise beim Altern aufweist.
Auswahlhinweise
Bei der Auswahl von 6020 sollten Anwendungen bevorzugt werden, die gute Extrudierbarkeit, Oberflächenfinish und moderate Festigkeit durch Ausscheidungshärtung benötigen; es ist besonders attraktiv für komplexe Profile, die eloxiert oder lackiert werden sollen. Berücksichtigen Sie T4/O-Zustände, wenn Umformung erforderlich ist, und T5/T6, wenn eine erhöhte Festigkeit notwendig ist, wobei die Kompromisse bei Duktilität und Spannungsrisskorrosionsbeständigkeit beachtet werden sollten.
Im Vergleich zu handelsüblichem Rein-Aluminium (z. B. 1100) tauscht 6020 einen Teil der elektrischen und thermischen Leitfähigkeit sowie eine leicht reduzierte Umformbarkeit gegen deutlich höhere Festigkeit und bessere strukturelle Eigenschaften ein. Im Vergleich zu kaltverfestigten Legierungen wie 3003 oder 5052 bietet 6020 eine höhere Festigkeit durch Alterung mit vergleichbarer Lackierbarkeit, kann jedoch in gealterten Zuständen eine geringere Duktilität aufweisen; die Wahl hängt davon ab, ob nach der Umformung zusätzliche Festigkeitssteigerung oder maximale Duktilität Priorität haben.
Im Vergleich zu üblichen wärmebehandelbaren Legierungen wie 6061 oder 6063 wird 6020 häufig dort verwendet, wo die Extrusionsoberfläche oder spezifische Rohling-Produktionsausbeuten wichtiger sind als die Erzielung der absolut höchsten Höchstfestigkeit; 6061 kann eine höhere Höchstfestigkeit bieten, aber 6020 ermöglicht eine verbesserte Extrudierbarkeit und kosmetische Oberflächeneigenschaften für architektonische oder komplexe Profile.
Abschließende Zusammenfassung
Aluminium 6020 bleibt eine relevante Konstruktionslegierung, wenn ausgewogene Festigkeit, ausgezeichnete Extrudierbarkeit und hochwertige Oberflächenqualität gefordert sind; seine wärmebehandelbare Eigenschaft ermöglicht Designern die Anpassung der Eigenschaften durch Wahl des Zustands, was es zu einer praktischen Wahl für Automobil-, Architektur- und leichte Konstruktionsanwendungen macht.