Aluminium 5083: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungen

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Umfassender Überblick

5083 gehört zur 5xxx-Reihe der gewalzten Aluminiumlegierungen, die durch Magnesium als Hauptelement der Legierung charakterisiert sind. Es handelt sich um eine nicht wärmebehandelte, durch Kaltverfestigung gehärtete Legierung, deren Festigkeit hauptsächlich durch die Lösungshärtung des Magnesiums und die Kaltverfestigung während der Bearbeitung erzielt wird.

Die wichtigsten Legierungsbestandteile sind Magnesium (nominell etwa 4–4,9 %) mit geringen Zusätzen von Mangan und Chrom, die die Kornstruktur verfeinern sowie Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit verbessern. Typische Eigenschaften sind ein hohes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis für eine nicht wärmebehandelte Legierung, hervorragende Beständigkeit gegenüber Meerwasser und mariner Atmosphäre, gute Schweißbarkeit sowie eine je nach Zustand und Blechdicke mäßige Umformbarkeit.

Industrien, die 5083 häufig spezifizieren, sind der Schiffbau und Marinekonstruktionen, kryogene Behälter, Druckbehälter, Schwerlastverkehr sowie einige Automobil- und Luftfahrtanwendungen, bei denen Korrosionsbeständigkeit und Schadensresistenz im Vordergrund stehen. Ingenieure wählen 5083, wenn eine Kombination aus hoher Korrosionsbeständigkeit in Umgebungen mit Salz- und Umgebungseinfluss, moderater bis hoher Festigkeit und ausgezeichneter Schweißbarkeit wichtiger ist als die höheren Spitzenfestigkeiten wärmebehandelter Legierungen.

Im Vergleich zu anderen Aluminiumgruppen wird 5083 bevorzugt, wenn lange Umweltbeständigkeit und Zähigkeit entscheidend sind. Es wird gegenüber vielen 6xxx- und 7xxx-Legierungen für geschweißte Großstrukturen im maritimen oder kryogenen Bereich bevorzugt, da es nicht unter den gleichen Schweißzonenversprödungen oder einem signifikanten Korrosionsbeständigkeitsverlust nach dem Schweißen leidet.

Temperzustände

Temperzustand Festigkeitsniveau Dehnung Umformbarkeit Schweißbarkeit Bemerkungen
O Niedrig Hoch Ausgezeichnet Ausgezeichnet Vollständig geglüht, maximale Duktilität für die Umformung
H111 Niedrig-Mittel Hoch Sehr gut Ausgezeichnet Minimale Kaltverfestigung durch Herstellung, universell verwendbar
H112 Mittel Mäßig Gut Ausgezeichnet Standardmäßiger kommerzieller kaltverfestigter Zustand
H32 Mittel-Hoch Mäßig Ausreichend Ausgezeichnet Kaltverfestigt und stabilisiert; höhere bleibende Festigkeit
H116 Mittel-Hoch Mäßig Ausreichend Ausgezeichnet Stabilisiert für verbesserte Beständigkeit gegen Abschuppungskorrosion im Marineeinsatz
H321 Mittel Mäßig Gut Ausgezeichnet Durch Antipräzipitationstherapie stabilisiert zur Kontrolle der Korngrenzenphasen

Die Härtung bei 5083 erfolgt durch mechanische Bearbeitung (H-Reihe) oder durch Glühen (O). Die Wahl des Temperzustands bestimmt das Verhältnis von Festigkeit zu Duktilität: Mehr Kaltverfestigung erhöht Streck- und Zugfestigkeit, reduziert aber Dehnung und Umformbarkeit; stabilisierte Zustände (H116/H321) opfern etwas Duktilität zugunsten verbesserter Korrosionsbeständigkeit in aggressiven Umgebungen.

Die Wahl des Temperzustands beeinflusst auch das Umform- und Nachschweißverhalten, da kaltverfestigte Zustände durch erhöhte Temperaturen beim Schweißen oder begrenztes Glühen teilweise erweicht werden können, was lokale mechanische Eigenschaften und die Verteilung der Eigenspannungen verändert.

Chemische Zusammensetzung

Element Prozentbereich Bemerkungen
Si ≤ 0,40 Verunreinigung, die bei Überschuss spröde Intermetallische Phasen bilden kann
Fe ≤ 0,40 Wenig Festigkeitsbeitrag; zu viel Fe mindert die Korrosionsbeständigkeit
Mn 0,40–1,00 Kornverfeinerung und Festigkeit, unterstützt Widerstand gegen Rekristallisation
Mg 4,0–4,9 Hauptstärkelement, sorgt für Lösungshärtung und Korrosionsbeständigkeit
Cu ≤ 0,10 Niedrig gehalten zur Erhaltung der Korrosionsbeständigkeit, geringe Mengen erhöhen Festigkeit
Zn ≤ 0,25 Geringe Verunreinigung; höherer Zn-Gehalt wird zur Begrenzung der Spannungsrisskorrosionsanfälligkeit vermieden
Cr 0,05–0,25 Steuert die Kornstruktur, verbessert Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit nach thermo-mechanischer Behandlung
Ti ≤ 0,15 Kornverfeinerer in kleinen Mengen bei Guss und Barrenherstellung
Andere Rest Al; Spuren von B, Zr möglich Aluminium-Balance; trace Mikrolegierungselemente zur Eigenschaftsanpassung möglich

Magnesium ist der entscheidende Leistungsträger: Es erhöht Streck- und Zugfestigkeit durch Lösungshärtung und fördert die Korrosionsbeständigkeit im Meerwasser durch Stabilisierung der Oxidschicht. Mangan und Chrom stabilisieren die Kornstruktur während des Walzens und der Wärmebelastung, erhöhen die Zähigkeit und hemmen die Rekristallisation. Niedriger Kupfer- sowie kontrollierter Eisen- und Siliziumgehalt erhalten die galvanische und Lochfraßbeständigkeit, was für Marineanwendungen entscheidend ist.

Mechanische Eigenschaften

5083 zeigt ein duktiles Zugverhalten mit deutlicher Kaltverfestigung; im geglühten Zustand weist das Material eine relativ niedrige Streckgrenze auf, kann aber große plastische Dehnungen aufnehmen, während in kaltverfestigten Zuständen Streck- und Zugfestigkeiten deutlich ansteigen, allerdings auf Kosten der Dehnung. Die Härte korreliert mit dem Temperzustand: geglühtes O ist am weichsten und am leichtesten umformbar, während H32/H116 höhere Brinell-/Vickers-Härtewerte zeigen, die mit der erhöhten Streckgrenze einhergehen. Die Ermüdungsfestigkeit ist für eine nicht wärmebehandelbare Legierung generell gut aufgrund der Duktilität und der Rissfortpflanzungsbeständigkeit, jedoch ist die Ermüdungslebensdauer empfindlich gegenüber Oberflächenbeschaffenheit, Schweißqualität und verbleibenden Zugspannungen an der Oberfläche.

Die Blechdicke hat einen ausgeprägten Einfluss: Dünnbleche erzielen meist eine höhere scheinbare Festigkeit durch walzbedingte Textur, während dickere Bleche weicher sein können und geringere Dehnungen aufweisen; dickere Abschnitte erfordern auch eine sorgfältige Kontrolle von Abschreck- und Nachschweißkühlung, um ein Erweichen der Wärmeeinflusszone (HAZ) oder Konzentration von Eigenspannungen zu vermeiden. Geschweißte Strukturen behalten eine gute statische Festigkeit, jedoch können lokal Wärmebereiche reduzierte Streckgrenzen im Vergleich zum Grundwerkstoff je nach Temperzustand und Schweißverbindung zeigen; geeignete Zusatzwerkstoffe und Schweißverfahren mildern gängige Probleme.

Für Konstruktionsdaten werden üblicherweise Bereiche von Zug- und Streckgrenzen angegeben, da die Werte mit Temperzustand, Materialstärke und Herstellungsprozess variieren. Ingenieure müssen für genaue zulässige Bemessungsfestigkeiten für statische Berechnungen und Sicherheitsfaktoren stets die Werkszeugnisse des Lieferanten und geltende Normen heranziehen.

Eigenschaft O/Geglüht Wichtiger Temperzustand (z. B. H116/H32) Bemerkungen
Zugfestigkeit (MPa) 220–270 320–370 Werte abhängig von Dicke und Kaltverfestigung; H116/H32 sind gängige Bauzustände
Streckgrenze (MPa) 35–90 200–260 Geglühte Streckgrenze niedrig; H-Zustände zeigen deutliche Steigerung
Dehnung (%) 20–30 10–16 Geglüht hohe Duktilität; kaltverfestigte Zustände reduzierte Dehnung
Härte (HB) ~30–50 ~70–95 Ungefähre Bereiche; Härte steigt mit Kaltverfestigung und Legierungsstabilisierung

Physikalische Eigenschaften

Eigenschaft Wert Bemerkungen
Dichte 2,66 g/cm³ Niedriger als Stahl; gutes Festigkeits-Gewichts-Verhältnis für tragende Anwendungen
Schmelzbereich ~570–645 °C Legierungsbedingter Schmelzbereich unterhalb des Schmelzpunkts von reinem Al, Solidus-Liquidus-Bereich variiert mit Verunreinigungen
Wärmeleitfähigkeit ~110–125 W/m·K (20 °C) Hohe Wärmeleitfähigkeit im Vergleich zu Stählen, nützlich für Wärmeableitung
Elektrische Leitfähigkeit ~30–38 % IACS Niedriger als bei reinem Aluminium durch Legierung; ausreichend für einige elektrische Anwendungen
Spezifische Wärme ~900 J/kg·K Typisch für Aluminiumlegierungen nahe Raumtemperatur
Thermische Ausdehnung ~23,5 ×10⁻⁶ /K Hohe thermische Ausdehnung; thermische Lastwechsel müssen bei Baugruppen mit unterschiedlichen Werkstoffen berücksichtigt werden

Die relativ hohe Wärmeleitfähigkeit und niedrige Dichte von 5083 machen die Legierung attraktiv für Anwendungen, bei denen Wärmeableitung und Leichtbau entscheidend sind, z. B. in Wärmetauschern und Fahrzeugstrukturen. Der hohe Wärmeausdehnungskoeffizient im Vergleich zu Stahl erfordert eine Berücksichtigung von thermischen Differenzspannungen und eine entsprechende Gestaltung der Verbindungen bei Kombinationen aus unterschiedlichen Metallwerkstoffen.

Das Schmelz- und Erweichungsverhalten bestimmt Schweißverfahren und thermische Verarbeitungsfenster; Temperaturen oberhalb von etwa 200–300 °C können kaltverfestigte Zustände durch partielle Rekristallisation und Erweichung beeinflussen, sodass thermische Beanspruchungen kontrolliert werden müssen, um die Einsatzfestigkeit zu erhalten.

Produktformen

Form Typische Dicke/Größe Festigkeitsverhalten Übliche Anlaszzustände Bemerkungen
Blech 0,5–6 mm Höhere scheinbare Festigkeit durch Kaltwalzen O, H111, H32, H116 Weit verbreitet; verwendet für Rumpfbleche, Verkleidungen und Gehäuse
Platte 6–200 mm Kann bei dicken Querschnitten weicher sein; Festigkeit abhängig vom Walzprozess H116, H32, H112 Schwerbleche für Schiffsrümpfe, Druckbehälter und kryogene Tanks
Strangpressprofil Komplexe Profile, bis zu mehreren Metern Länge Festigkeit variiert mit Profilstärke und Alterung H111, H112 Tragende Profile und Versteifungen; sorgfältige Kontrolle der Strangpresstemperatur erforderlich
Rohr Außendurchmesser und Wandstärke variabel Gute Druckbeständigkeit bei Kaltverfestigung O, H111 Wärmetauscher und maritimer Rohrleitungsbau; Schweißnahtqualität ist kritisch
Stab/Runddraht Durchmesser abhängig Homogene Festigkeit; mäßige Zerspanbarkeit O, H111 Fittings, Verbindungselemente und spanabhebend bearbeitete Bauteile

Bleche und Platten werden mit unterschiedlichen Walz- und Lösungsglühprozessen hergestellt; Bleche sind meist kaltgewalzt mit engen Toleranzen, was Textur erzeugt und Umformbarkeit sowie Anisotropie beeinflusst. Strangpressprofile und Stäbe gewinnen ihre Festigkeit und Mikrostruktur durch Warmumformung und anschließende Abkühlung; Querschnittsvariationen bedingen lokale Unterschiede der mechanischen Eigenschaften, die im Konstruktionsprozess berücksichtigt werden müssen.

Verarbeitungsunterschiede bestimmen die Auswahl: So wird für den Schiffbau oft Platte im Zustand H116 geliefert, um Korrosionsbeständigkeit und verbesserte Festigkeitserhaltung nach dem Schweißen sicherzustellen, während Bleche für komplexe Umformoperationen meist im Zustand O oder leichten H-Zuständen angeboten werden, um maximale Verformbarkeit zu gewährleisten.

Entsprechende Werkstoffbezeichnungen

Norm Werkstoff Region Bemerkungen
AA 5083 USA Gängige Bezeichnung der Aluminum Association in Nordamerika
EN AW 5083 Europa EN AW-5083 entspricht AA 5083; europäische Spezifikationen legen besonderen Wert auf Exfoliationskorrosionsklassen
JIS A5083 Japan JIS-Bezeichnung entspricht weitgehend, kann aber abweichende Reinheitsgrenzen und Prüfverfahren haben
GB/T 5083 China Chinesische Norm verwendet ähnliche Nummer, jedoch können Unterschiede in Zusammensetzung und Toleranzen bestehen

Feine Abweichungen zwischen den Normen können zulässige Verunreinigungsgrenzen, Prüfmethoden sowie Qualifikation von Anlaszzuständen und Produktformen beeinflussen. Einkäufer sollten sicherstellen, dass Abnahmeprüfzeugnisse den jeweiligen regionalen Spezifikationen und projektspezifischen Anforderungen entsprechen, insbesondere bei kritischen maritimen oder kryogenen Anwendungen mit abweichenden Kriterien zur Exfoliationskorrosion oder Zähigkeit.

Korrosionsbeständigkeit

5083 zeigt ausgezeichnete atmosphärische Korrosionsbeständigkeit und ist besonders für maritime Einsatzbedingungen geeignet, da die magnesiumbasierte Matrix eine schützende, haftfähige Oxidschicht bildet. In Meerwasser und Spritzwasserzonen widersteht die Legierung Loch- und allgemeiner Korrosion deutlich besser als viele wärmebehandelbare 6xxx- und 7xxx-Legierungen, vorausgesetzt, Kupfer- und Zinkgehalte sind niedrig und geeignete Anlaszzustände (z. B. H116) werden verwendet.

Die Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion (SCC) ist bei 5083 wesentlich geringer als bei hochfesten, wärmebehandelbaren Legierungen, allerdings kann lokal begrenzte SCC unter hohen Zugspannungen und bestimmten Umweltbedingungen auftreten. Das galvanische Verhalten ist im Vergleich zu rostfreien Stählen und Kupferlegierungen günstig aufgrund des relativ edlen Potentials unter Aluminiumlegierungen, dennoch muss direkter Kontakt mit kathodischeren Werkstoffen ohne Isolierung und Drainage vermieden werden.

Verglichen mit 3xxx-Reihe kaltverfestigten Legierungen bietet 5083 höhere Festigkeit bei vergleichbarer Korrosionsbeständigkeit; gegenüber den 6xxx wärmebehandelbaren Legierungen liefert 5083 meist bessere langfristige marine Korrosionsbeständigkeit auf Kosten der erreichbaren Höchstfestigkeit. Oberflächenbehandlungen, Eloxieren und Schutzbeschichtungen werden häufig angewandt, wenn zusätzlicher Korrosionsschutz oder kosmetische Oberflächen gewünscht sind.

Fertigungseigenschaften

Schweißbarkeit

5083 ist hervorragend schweißbar mit gängigen Lichtbogenverfahren wie MIG (GMAW), TIG (GTAW) und Unterpulverschweißen. Es spricht gut auf Schweißverfahren an, wenn eine einwandfreie Passung, Reinigung sowie ordnungsgemäße Vor- und Nachbehandlung eingehalten werden. Empfohlene Zusatzwerkstoffe sind üblicherweise 5356 (Al–Mg) für gute Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit im Schweißgut; 5183 ist eine weitere Option bei dicken Querschnitten und kritischen maritimen Schweißverbindungen mit Anforderungen an die Eigenschaftsübereinstimmung.

Die Gefahr von Heißrissen ist im Vergleich zu hochkupferhaltigen Aluminiumlegierungen gering, dennoch sind Porenbildung und Schweißfehlstellen zu kontrollieren; Verunreinigungen und übermäßige Oxidfilme erhöhen die Porosität. Weichwerden der Wärmeeinflusszone (HAZ) kann im kaltverfestigten Grundmetall auftreten, wenn schweißbedingte Spitzentemperaturen lokale Rekristallisation verursachen; die Gestaltung und Reihenfolge der Schweißgänge sowie nachträgliche mechanische Behandlungen minimieren Verzug und Festigkeitsverluste.

Zerspanbarkeit

5083 verfügt über moderate Zerspanbarkeit; es lässt sich weniger leicht bearbeiten als reines Aluminium und einige andere geschmiedete Legierungen aufgrund höherer Festigkeit und Kaltverfestigungstendenz. Werkzeuge mit positiver Geometrie aus Hartmetall oder beschichtetem Schnellarbeitsstahl sind geeignet, und Schnittgeschwindigkeiten liegen typischerweise niedriger als bei 6xxx-Legierungen, um Kaltverfestigung im Span und Werkzeuganhaftung zu vermeiden.

Spanbruch ist besonders bei dünnwandigen Sektionen eine Herausforderung; der Einsatz scharfer Werkzeuge, effektiver Schmier-/Kühlmittel und kontrollierter Vorschubgeschwindigkeiten sorgt für akzeptable Oberflächengüte und Maßhaltigkeit. Genauigkeit und Oberfläche verschlechtern sich mit steigendem Mg-Gehalt und anlaszbedingter Anisotropie; daher sind Toleranzen und Bearbeitungsversuche bei kritischen Bauteilen zu empfehlen.

Umformbarkeit

Die Umformbarkeit ist stark von Anlaszzustand und Blechdicke abhängig; voll geglüht (O-Zustand) bietet ausgezeichnete Streck- und Tiefziehfähigkeit, während H32/H116 diese reduziert und größere Biegeradien erfordert. Minimale Biegeradien sind abhängig von Blechstärke und Anlaszzustand, aber generell größer als bei duktileren 1xxx- oder 3xxx-Legierungen; Federhärten müssen eingeplant und bei der Werkzeugkonstruktion berücksichtigt werden.

Kaltumformung erhöht durch Kaltverfestigung die Festigkeit, sodass Bauteile nach der Umformung in einem höherfesten Zustand eingesetzt werden können; mehrfache Umformschritte und lokale Erwärmungen (z. B. durch Schweißen) können jedoch uneinheitliche mechanische Eigenschaften erzeugen. Warmumformung und inkrementelle Umformverfahren erweitern die Umformbarkeit für komplexe Konturen ohne vollständiges Glühen.

Wärmebehandlungsverhalten

5083 ist eine nicht wärmebehandelbare Legierung, bei der die Festigkeit primär durch feste Lösungselemente und Kaltverfestigung erzielt wird, nicht durch Ausscheidungshärtung. Thermische Behandlungen zum Lösungsglühen und künstlichen Altern, wie sie bei 6xxx-/7xxx-Reihen üblich sind, wirken hier nicht, da das Mg in fester Lösung verbleibt und keine ausscheidungshärtenden Phasen bildet.

Glühen (Weichglühen) erfolgt durch Erhitzen im Bereich von Erholung und Rekristallisation, typischerweise zwischen 300 °C und 400 °C, abhängig von Blechdicke, wodurch die Versetzungsdichte reduziert und die Duktilität wiederhergestellt wird. Kaltumformung (Walzen, Biegen) steigert Streck- und Zugfestigkeit durch Versetzungsakkumulation; Stabilisierungsschritte und kontrolliertes natürliches Altern können zur Optimierung der Korrosionsbeständigkeit und Minimierung von spanungsinduziertem Exfoliationskorrosion beitragen.

Anlaszzustände wie H116 beinhalten Verfahren, die die Anfälligkeit für Exfoliationskorrosion durch Steuerung der Korngrenzenausscheidungen begrenzen und kontrollierte Lösungs- sowie natürliche Alterungsschritte während der Herstellung vorsehen. Konstrukteure müssen berücksichtigen, dass Schweißen lokale thermische Zyklen erzeugt, die als örtliches Glühen wirken und mechanische Eigenschaften sowie Korrosionsverhalten verändern können.

Verhalten bei hohen Temperaturen

Die mechanische Festigkeit von 5083 nimmt bei erhöhten Temperaturen im Vergleich zu Raumtemperaturwerten deutlich ab; oberhalb von etwa 150–200 °C kommt es zu starkem Erweichen und reduzierter Streckgrenze. Dauerhafte Hochtemperatureinwirkung vermindert die Kriechfestigkeit und erhöht die Neigung zur mikrostrukturellen Erholung; deshalb sind dauerhafte Einsatztemperaturen für tragende Bauteile typischerweise deutlich unter 200 °C begrenzt.

Oxidation ist im Vergleich zu Stählen gering, da Aluminium eine schützende Oxidschicht bildet, aber langfristige Hochtemperatureinwirkung kann die Oberflächenchemie verändern und Korngrenzprozesse beschleunigen, die die Zähigkeit beeinträchtigen können. In geschweißten Baugruppen kann die Wärmeeinflusszone ein Schwachpunkt für Festigkeitsverluste bei hohen Temperaturen sein, weswegen Auslegungssicherheiten und thermisches Management lokale Erweichung berücksichtigen müssen.

Anwendungsbereiche

Branche Beispielkomponente Warum 5083 verwendet wird
Marine Schiffsbewährung, Aufbauten, Schotten Exzellente Korrosionsbeständigkeit gegenüber Meerwasser und gutes Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht für große geschweißte Konstruktionen
Automobil/Transport Anhänger, Tankwagenbleche, Strukturrahmen Zähigkeit, Schweißbarkeit und Schadenstoleranz für den Schwerlastbereich
Luft- und Raumfahrt Sekundärstrukturen, Beschläge Hohe spezifische Festigkeit und gute Ermüdungsbeständigkeit für nicht primäre Bauteile
Kryogene Anwendungen LNG-Tanks, kryogene Behälter Behält Zähigkeit bei niedrigen Temperaturen und widersteht Spannungskorrosion in kryogenen Umgebungen
Energie/Druckbehälter Druckzylinder und Wärmetauscher Gute Schweißbarkeit und Korrosionsbeständigkeit für enthaltene Medien

5083 wird für Bauteile ausgewählt, bei denen eine robuste Kombination aus Korrosionsbeständigkeit, Schweißbarkeit und Zähigkeit erforderlich ist, insbesondere bei großen geschweißten Strukturen und kryogenen Anwendungen. Seine Zuverlässigkeit unter zyklischer Belastung und in aggressiven Umgebungen macht es zum bewährten Werkstoff für Schiffbauer und Industrien, die langlebige, wartungsarme Metallkonstruktionen benötigen.

Auswahlhinweise

Wählen Sie 5083, wenn Korrosionsbeständigkeit in mariner oder chemisch aggressiver Atmosphäre sowie gute Schweißbarkeit gestalterische Anforderungen sind und wenn eine moderate bis hohe Festigkeit ohne Wärmebehandlung akzeptabel ist. Es ist eine solide Wahl für geschweißte Konstruktionen, kryogene Tanks und Transportaufbauten, wenn Langzeitbeständigkeit wichtiger ist als maximale Zugfestigkeit.

Im Vergleich zu kommerziell reinem Aluminium wie 1100 bietet 5083 höhere Festigkeit und verbesserte Ermüdungsbeständigkeit bei geringfügig reduzierter elektrischer und thermischer Leitfähigkeit sowie etwas verringerter Umformbarkeit. Im Vergleich zu kaltverfestigten Legierungen wie 3003 oder 5052 erzielt 5083 in der Regel höhere Festigkeiten und vergleichbare oder bessere Korrosionsbeständigkeit im maritimen Umfeld, allerdings zu moderat höheren Materialkosten. Gegenüber wärmebehandelbaren Legierungen wie 6061 und 6063 bietet 5083 überlegene Korrosionsbeständigkeit und bessere Schweißbereichseigenschaften für marine und kryogene Anwendungen, erreicht jedoch nicht die Spitzenfestigkeiten von ausscheidungshärtbaren Legierungen.

Im Einkauf sollten Verfügbarkeit und Kosten gegenüber den Einsatzbedingungen abgewogen werden: Bei mariner Beanspruchung und hohen Anforderungen an Schweißqualität ist 5083 (H116 für marine Anwendungen) zu bevorzugen; wenn maximale Gewichtsersparnis und höchste Streck- bzw. Zugfestigkeiten benötigt werden und Schweißen nur eingeschränkt erfolgt, sind wärmebehandelbare 6xxx- oder 7xxx-Legierungen eine mögliche Alternative.

Abschließende Zusammenfassung

5083 bleibt aufgrund seiner einzigartigen Kombination aus mg-basierter Festigkeit durch Festlösungshärtung, exzellenter Meerwasserbeständigkeit und robuster Schweißbarkeit hoch relevant und ist ein bevorzugter Werkstoff für marine, kryogene und schwere Strukturbauteile, bei denen Langlebigkeit und Schadenstoleranz im Vordergrund stehen.

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