Aluminium 4A30: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandstabelle & Anwendungsbereiche
Bagikan
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Umfassender Überblick
4A30 ist eine Aluminiumlegierung der 4xxx-Serie und gehört damit zur siliziumreichen Familie von Aluminiumwerkstoffen, die im Vergleich zu vielen anderen Serien eine verbesserte Gießbarkeit, eine reduzierte thermische Ausdehnung und eine bessere Schweißbarkeit bietet. Die Kennzeichnung 4xxx signalisiert, dass Silizium das Hauptlegierungselement ist, welches häufig durch geringe Anteile an Magnesium, Mangan und Spurenelementen ergänzt wird, um Festigkeit, Duktilität und Verarbeitungseigenschaften gezielt zu beeinflussen.
Die wichtigsten Legierungselemente in 4A30 umfassen typischerweise Silizium als primäres Zusatzmaterial, mit kontrollierten Anteilen an Eisen, Mangan sowie geringen Magnesium- und Kupferfraktionen. Silizium trägt zur verbesserten Fluidität und thermischen Stabilität bei, Mangan verfeinert die Kornstruktur und mindert Heißrisse, während Magnesium eine moderate Lösungsfestigung und eine verbesserte Verfestigungsfähigkeit bei manchen Zuständen bewirkt.
4A30 wird hauptsächlich durch eine Kombination aus Lösungsfestigung und Kaltverfestigung gehärtet, nicht jedoch durch klassische Ausscheidungshärtung, weshalb die Legierung für große Festigkeitssteigerungen im Wärmenachbehandlungsprozess nicht geeignet ist. Die Legierung bietet eine Kombination aus moderater Festigkeit, guter Korrosionsbeständigkeit in atmosphärischer Umgebung, günstiger Schweißbarkeit mit siliziumhaltigen Zusatzwerkstoffen sowie annehmbare Umformbarkeit im weichgeglühten Zustand, was sie zu einer vielseitigen Wahl für viele gefertigte Bauteile macht.
Typische Einsatzbereiche von 4A30 sind die Herstellung von Karosserie- und Zierteilen in der Automobilindustrie, strukturelle Komponenten im Transport- und Schiffbau, allgemeine industriellen Fertigungen sowie bestimmte Teile im Wärmemanagement, bei denen ein Gleichgewicht aus Leitfähigkeit und mechanischer Leistung erforderlich ist. Konstrukteure wählen 4A30, wenn das Design eine moderate Festigkeit bei guter Schweißbarkeit und Umformbarkeit verlangt, insbesondere wenn die Vorteile von Silizium (verminderte Wärmedehnung, verbesserte Gieß-/Extrusionsqualität) wichtiger sind als maximale ausscheidunggehärtete Festigkeit.
Zustandsvarianten
| Zustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch | Ausgezeichnet | Ausgezeichnet | Vollständig geglühter Zustand für maximale Duktilität |
| H12 | Niedrig-Mittel | Moderat | Gut | Ausgezeichnet | Teilweise kaltverfestigt, begrenztes Tiefziehen |
| H14 | Mittel | Moderat | Ausreichend | Ausgezeichnet | Mittlere Verfestigung für höhere Festigkeit |
| H16 | Mittel-Hoch | Niedriger | Ausreichend | Gut | Stärkere Kaltverfestigung, reduzierte Dehnungsumformbarkeit |
| H24 | Mittel-Hoch | Niedrig-Moderat | Ausreichend | Gut | Kaltverfestigt, anschließend thermisch stabilisiert |
| T4 (begrenzte Wirkung) | Mittel | Moderat | Gut | Ausgezeichnet | Gelöst und natürlich gealtert; begrenzte Ausscheidungsreaktion |
| T5 (falls anwendbar) | Mittel-Hoch | Niedriger | Ausreichend | Gut | Abgekühlt nach Warmumformung und künstlich gealtert; mäßige Festigkeitssteigerung möglich |
| T6 (selten für 4xxx) | Mittel-Hoch | Niedriger | Schlecht-Ausreichend | Variabel | Künstlich gealtert nach Lösungsglühen; nicht alle 4A30 Chemien zeigen starke T6-Reaktion |
Der gewählte Zustand von 4A30 beeinflusst die Umformbarkeit und Festigkeit deutlich. Im weichgeglühten Zustand (O) sind maximale Dehnung und gute Biegefähigkeit gegeben, während H-Zustände durch Kaltverfestigung die Festigkeit auf Kosten von Duktilität und Dehnungsumformbarkeit erhöhen.
Wärmebehandlungen wie T4 oder T5 bewirken bei siliziumreichen Legierungen wie 4A30 nur geringe Ausscheidungshärtungen im Vergleich zu klassischen 6xxx-Legierungen. Daher wird das Anlassen primär zur Kontrolle von Eigenspannungen und zur Maßstabilität eingesetzt, statt für große Festigkeitszuwächse.
Chemische Zusammensetzung
| Element | % Bereich | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Si | 0,7 – 1,3 | Hauptelemet; verbessert Fluidität, reduziert thermische Ausdehnung, beeinflusst Schweißeigenschaften |
| Fe | 0,2 – 0,7 | Verunreinigung/Festigkeitssteigerer; bildet intermetallische Phasen, die Duktilität verringern können |
| Mn | 0,3 – 0,9 | Kornverfeinerer und Festigkeitsförderer durch Ausscheidungen und Subkornbildung |
| Mg | 0,2 – 0,8 | Moderate Lösungsfestigung, verbessert Kaltverfestigung |
| Cu | 0,05 – 0,25 | Kleine Anteile erhöhen Festigkeit, können aber Korrosionsbeständigkeit mindern |
| Zn | 0,05 – 0,25 | Wird niedrig gehalten, um Spannungsrisskorrosion zu vermeiden |
| Cr | 0,02 – 0,2 | Mikrolegierung zur Steuerung der Rekristallisation und Kornstruktur |
| Ti | 0,02 – 0,12 | In geringen Mengen als Kornverfeinerer, besonders bei Guss-/Extrusionsprodukten |
| Sonstige (jeweils) | 0,01 – 0,05 | Spurenelemente und gezielte Mikrolegierungszusätze je nach Walzwerk |
Die Chemie von 4A30 ist so abgestimmt, dass sie die Vorteile von Silizium optimal nutzt und gleichzeitig hohe Eisen- und Kupfergehalte vermeidet, die spröde intermetallische Phasen bilden können. Silizium und Magnesium ermöglichen zwar geringe Ausscheidungseffekte, erzeugen jedoch nicht die ausgeprägte T6-Aushärtbarkeit wie 6xxx-Legierungen, es sei denn, Zusammensetzung und Wärmebehandlung sind speziell darauf ausgelegt.
Die Kontrolle von Mangan sowie Spurenelementen wie Chrom und Titan ist entscheidend für eine feine, stabile Kornstruktur während Warmumform- und anschließender Kaltverformungsprozesse. Dies verbessert die Zähigkeit, reduziert Anisotropie und begrenzt Heißrisse bei Schweiß- und Extrusionsvorgängen.
Mechanische Eigenschaften
Das Zugverhalten von 4A30 ist durch eine moderate Zugfestigkeit mit duktiler Bruchart im weichgeglühten Zustand gekennzeichnet, während die Streckgrenze mit zunehmender Kaltverfestigung ansteigt. Das Verhältnis von Streckgrenze zu Zugfestigkeit ist meist günstig für energieabsorbierende Strukturen, wobei die Dehnung mit zunehmender Festigkeit bei H-Zuständen abnimmt. Dicke und Verarbeitungsverlauf beeinflussen die Zugwerte stark; Dünnbleche zeigen aufgrund des Kaltwalzens oft höhere scheinbare Streckgrenzen.
Die Härteentwicklung spiegelt die Zugfestigkeitswerte wider: weichgeglühte Materialien weisen niedrige Brinell- oder Vickershärten auf, während H-Zustände sowie künstlich gealterte Varianten deutliche Steigerungen zeigen. Die Ermüdungsfestigkeit ist in der Regel gut für Bauteile mit glatten Oberflächen und konservativen Beanspruchungsgrenzen, kann jedoch durch Oberflächenfehler, heterogene HAZ-Zonen beim Schweißen und grobe intermetallische Partikel reduziert werden.
Die Bauteildicke beeinflusst sowohl Duktilität als auch Festigkeit: Dünnere Abschnitte lassen sich leichter kaltumformen und können durch Walzen höhere Verfestigungsgrade erreichen, während dickere Bauteile mehr mikrostrukturelle Heterogenität aus Guss/Extrusion behalten und eine etwas geringere Duktilität aufweisen. Schweißen führt zu lokalen Aufweichungen oder HAZ-Heterogenitäten, die bei ermüdungskritischen Konstruktionen berücksichtigt werden sollten.
| Eigenschaft | O/Weichgeglüht | Wichtiger Zustand (z. B. H14/T5) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit | ~80 – 140 MPa | ~160 – 260 MPa | Große Spannbreiten abhängig von Dicke, Kaltverfestigung und Chargenchemie |
| Streckgrenze | ~35 – 70 MPa | ~120 – 200 MPa | Streckgrenze steigt stark mit Kaltverfestigung, im geglühten Zustand deutlich niedriger |
| Dehnung | ~25 – 35 % | ~6 – 18 % | Duktilität sinkt mit steigender Festigkeit; H-Zustände zeigen prozessabhängige Schwankungen |
| Härte (HB) | ~20 – 45 HB | ~50 – 95 HB | Härte korreliert mit Kaltverfestigung und eventueller künstlicher Alterung |
Die oben genannten Werte stellen typische ingenieurmäßige Bereiche dar, die auf Standardproduktionen basieren. Für sicherheitskritische Bauteildesigns sollten diese durch Werkstoffprüfzertifikate und Walzwerkdaten konkretisiert werden.
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Dichte | 2,68 g/cm³ | Typisch für Aluminium-Silizium-Legierungen; relevant für Masse- und Steifigkeitsberechnungen |
| Schmelzbereich | ~555 – 640 °C | Silizium senkt den Solidus leicht gegenüber reinem Al; Schmelzintervall abhängig vom Si-Gehalt |
| Wärmeleitfähigkeit | ~120 – 170 W/m·K | Niedriger als bei reinem Aluminium, aber noch gut für Wärmesenken im Vergleich zu vielen Legierungen |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~25 – 45 % IACS | Silizium und andere Legierungselemente reduzieren Leitfähigkeit gegenüber reinem Al; ausreichend für viele Bus-/Thermikanwendungen |
| Spezifische Wärmekapazität | ~880 – 920 J/kg·K | Typisch für Aluminiumlegierungen; wichtig für transienten Wärmemodellierung |
| Thermische Ausdehnung | ~22 – 24 µm/m·K (20–200 °C) | Leicht reduziert durch Silizium im Vergleich zu 1xxx-Legierungen; vorteilhaft für Maßbeständigkeit |
Die physikalischen Eigenschaften machen 4A30 besonders interessant, wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wärmetransport und Maßstabilität gefordert ist, beispielsweise bei Wärmetauschern oder geschweißten Baugruppen mit moderaten Temperaturgradienten. Die Wärmeleitfähigkeit bleibt gegenüber Stählen hoch, ist jedoch gegenüber reinem Aluminium durch Legierungselemente etwas geringer, was oft als akzeptabler Kompromiss für bessere mechanische oder thermische Verarbeitbarkeit gilt.
Der moderate Schmelzbereich und der Siliziumgehalt verbessern außerdem die Gieß- und Lötcharakteristika für bestimmte Fertigungsverfahren, während die verminderte elektrische Leitfähigkeit bei der Auslegung stromführender Bauteile berücksichtigt werden sollte.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Gängige Zustände | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,3 – 6 mm | Gute Umformbarkeit im Zustand O; höhere Festigkeit in H14/H16 | O, H12, H14 | Weit verbreitet für Verkleidungen und geformte Teile; dünnwandige Bleche lassen sich gut kaltwalzen |
| Platte | 6 – 50 mm | Geringere Zähigkeit bei dicken Querschnitten; Eigenschaftsvariation durch Dicke | O, H24 | Schwerlastprofile für tragende Bauteile, nach der Verarbeitung ggf. Wärmebehandlung erforderlich |
| Strangpressprofil | Wanddicken 1 – 20 mm | Gute Maßhaltigkeit; kontrollierbare Eigenschaften | O, T5, H12 | Silizium verbessert die Strangpressbarkeit und reduziert das Risiko von Heißrissen |
| Rohr | Durchmesser 6 – 200 mm | Ähnlich wie Blech/Rohr; Kaltziehen erhöht die Festigkeit | O, H14 | Verwendung für Strukturrohre und Wärmetauscherkerne |
| Stab/Stange | Durchmesser bis 200 mm | Festigkeitsanstieg durch Kaltziehen oder Walzen | H14, H16 | Verwendung bei bearbeiteten Teilen mit moderater Festigkeit |
Blech und Strangpressprofile sind die gebräuchlichsten Produktformen für 4A30 und werden häufig in Coils oder als Zuschnitte für Stanz- und Umformprozesse geliefert. Platten und dickere Querschnitte erfordern gegebenenfalls zusätzliche thermische und mechanische Bearbeitung zur Homogenisierung der Eigenschaften durch die Dicke, insbesondere wenn das geschmiedete oder gegossene Ausgangsmaterial gussbedingte intermetallische Phase enthält.
Beim Strangpressen profitiert 4A30 von der Wirkung des Siliziums auf die Fließeigenschaften, was komplexe Profile mit weniger Fehlern ermöglicht; dennoch sind Nachgeradungen und Spannungsarmglühen üblich, um Restverzerrungen vor der Endfertigung zu minimieren.
Äquivalente Güten
| Norm | Güte | Region | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| AA | 4A30 | USA | Bezeichnung in Herstellerliteratur; nicht in allen Katalogen als direkt von AIAG anerkannte AA-Nummer gelistet |
| EN AW | ~AlSi1MgMn | Europa | Ungefähre Chemie entspricht nieder-siliziumhaltigen Al-Si-Mg-Mn gegossenen bzw. gewalzten Legierungen; genaue Übereinstimmung in EN-Legierungstabellen prüfen |
| JIS | A### | Japan | Japanische Normen listen vergleichbare nieder-siliziumhaltige Gusslegierungen unter anderen Bezeichnungen |
| GB/T | 4A30 | China | Chinesische Bezeichnung; GB/T Zertifikate zur Bestätigung von Zusammensetzung und mechanischen Anforderungen verwenden |
Direkte 1:1-Äquivalente sind nicht immer verfügbar, da regionale Normen Legierungselemente unterschiedlich verteilen und Zustände mit unterschiedlichen Prüfmethode definieren. Ingenieure sollten Herstellerzertifikate abgleichen und Eigenschaftsvergleiche – insbesondere bezüglich Zugfestigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit – vor Legierungsersatz zwischen Normen durchführen.
Bei exakter Äquivalenz für Qualifizierungen sind zertifizierte Material- und Werkstoffprüfberichte vom Lieferanten anzufordern und bei Bedarf anwendungsspezifische Prüfungen bezüglich Korrosion oder Ermüdung durchzuführen.
Korrosionsbeständigkeit
4A30 zeigt typischerweise gute atmosphärische Korrosionsbeständigkeit aufgrund des Siliziumanteils und des moderaten Magnesiumgehalts, die zusammen eine stabile Oxidschicht bilden und allgemeine Korrosionsraten verlangsamen. In Industrie- und ländlichen Atmosphären verhält sich die Legierung vergleichbar zu anderen 4xxx-Serienlegierungen mit langer Lebensdauer bei geeigneter Lackierung oder Eloxierung.
Marine Umgebungen sind aggressiver; 4A30 widersteht gleichmäßiger Korrosion ausreichend, ist jedoch anfällig für lokale Loch- und Spaltkorrosion in stagnierendem Meerwasser oder chloridreichen Bedingungen. Schutzbeschichtungen, kathodische Isolation und konstruktive Maßnahmen zur Vermeidung von Spalten sind gängige Maßnahmen in maritimen Anwendungen.
Die Anfälligkeit für Spannungskorrosionsrissbildung (SCC) ist in der Regel geringer als bei hochfesten kupfer- oder zinkreichen Legierungen, steigt jedoch mit höheren Zugbeanspruchungen und bestimmten Verunreinigungen. Galvanische Wechselwirkungen mit anderen Metallen – insbesondere Stählen und Kupferlegierungen – müssen durch isolierende Schichten oder Opferanoden minimiert werden, um lokale Angriffe bei direktem Kontakt zu vermeiden.
Im Vergleich zu den 3xxx- (Mn) und 5xxx-Familien (Mg) tauscht 4A30 eine etwas geringere absolute Korrosionsbeständigkeit gegen bessere thermische Stabilität und Schweißeignung ein. Es wird bevorzugt verwendet, wenn Schweißbarkeit und Maßhaltigkeit bei Temperaturwechseln wichtiger sind als maximaler Meerwasserwiderstand.
Fertigungseigenschaften
Schweißbarkeit
4A30 lässt sich gut mittels TIG (GTAW) und MIG (GMAW) schweißen, da Silizium den Erstarrungsbereich verkürzt und Heißrisse vermeidet. Übliche siliziumhaltige Schweißzusätze wie ER4043 oder ER4047 werden empfohlen, um die Chemie anzupassen und Rissbildung sowie Porosität zu reduzieren. Wärmeeinflusszonen (WEZ) können bei höheren Festigkeitszuständen weicheren Bereich zeigen; Fügeauslegung und Nachbehandlung sind für maßgenaue Bauteile unter Umständen erforderlich.
Zerspanbarkeit
Die Zerspanbarkeit von 4A30 ist moderat und besser als bei hochfesten Aluminiumlegierungen mit hohem Kupfer- oder Zinkanteil. Hartmetallwerkzeuge mit robusten Beschichtungen (TiAlN oder TiN) sowie mittlere bis hohe Schnittgeschwindigkeiten mit ausreichender Kühlung liefern gute Oberflächen. Späne lassen sich meist gut kontrollieren, können aber durch intermetallische Partikel beeinflusst werden; optimierte Vorschübe zur Vermeidung von Aufbauschneiden und scharfe Werkzeuge steigern die Produktivität.
Umformbarkeit
Im geglühten Zustand O besitzt 4A30 exzellente Biege- und Tiefzieheigenschaften, die enge Biegeradien und komplexe Stanzgeometrien ermöglichen. Kaltverfestigung durch Umschmelzzustände H steigert zwar die Festigkeit, reduziert jedoch die Umformbarkeit; empfohlene minimale Biegeradien hängen von Dicke und Zustand ab und liegen oft im Bereich 1–3× der Dicke im O-Zustand, mit steigendem Wert bei H-Zuständen. Warmumformen kann bei dickeren Querschnitten die Umformbereiche erweitern und Rückfederungen besser kontrollieren.
Wärmebehandlungsverhalten
4A30 ist im Wesentlichen eine nicht vollständig wärmebehandelbare Legierung: starke Ausscheidungshärtung wie bei 6xxx- oder 2xxx-Serien tritt nicht auf, sofern die Zusammensetzung nicht speziell für Mg-Si-Ausscheidungen optimiert ist. Lösungsglühen gefolgt von Abschrecken (T4) kann eine Mikrostrukturhomogenisierung und leichte natürliche Alterung bewirken, während künstliches Altern (T5/T6) meist nur geringe zusätzliche Festigkeitssteigerungen erzeugt.
Bei Wärmebehandlung liegen die Lösungsglüh-Temperaturen meist im Bereich 510–540 °C, gefolgt von schnellem Abschrecken zur Beibehaltung der übersättigten Lösung; künstliches Altern bei 150–200 °C kann zu moderaten Härte- und Festigkeitszuwächsen führen. In der Praxis dient die Wärmebehandlung hauptsächlich der Spannungsarmung nach Umformung oder Schweißen bzw. der Stabilisierung der Eigenschaften, weniger der starken Festigkeitssteigerung.
Bei nicht wärmebehandelbarer Fertigung sind Kaltverfestigung und gezieltes Glühen die Hauptwerkzeuge. Glühen bei ca. 300–400 °C (oder gemäß Herstellerangaben) stellt Duktilität wieder her und homogenisiert die Mikrostruktur; partielle Glühungen ermöglichen Zwischenzustände mit mittlerer Festigkeit und Zähigkeit.
Hochtemperatureigenschaften
Die mechanischen Eigenschaften von 4A30 nehmen mit steigender Temperatur ab, mit spürbaren Reduzierungen oberhalb von ca. 100–150 °C und deutlichem Festigkeitsverlust bei annähernd 250–300 °C. Langzeitbelastungen bei erhöhten Temperaturen begünstigen das Wachstum von Ausscheidungen und intermetallischen Partikeln, was Streckgrenze mindert und Kriechanfälligkeit bei belasteten Bauteilen erhöht.
Die Oxidationsbeständigkeit bei hohen Temperaturen ist insgesamt gut, da Aluminium eine schützende Aluminiumschicht bildet; siliziumreiche Legierungen können gemischte Oxidschichten ausbilden, die Emissionsgrad und Oberflächeneigenschaften beeinflussen. Schweißen in Bereichen mit hohen Einsatztemperaturen kann zur WEZ-Aufweichung und Restspannungen führen, die Kriechen und Ermüdung beschleunigen.
Für Anwendungen mit dauerhafter Nutzung bei mäßig hohen Temperaturen oder thermischer Zyklisierung sollten Abminderungsfaktoren berücksichtigt werden. Falls mechanische Festigkeit entscheidend ist, können hitzebeständigere Legierungen (z. B. bestimmte 2xxx- oder 7xxx-Serien) bevorzugt werden. 4A30 eignet sich für intermittierende Hochtemperaturexpositionen, bei denen thermische Leitfähigkeit und Maßhaltigkeit wichtiger sind als erhöhter Festigkeitserhalt.
Anwendungen
| Branche | Beispielkomponente | Warum 4A30 verwendet wird |
|---|---|---|
| Automobilindustrie | Karosseriebleche, innere Strukturbauteile | Gute Umformbarkeit im O-Zustand, Schweißbarkeit und kontrollierte thermische Ausdehnung |
| Schiffbau | Aufbaubleche, mittelbelastete Halterungen | Angemessene Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit in Kombination mit Beschichtungen |
| Luft- und Raumfahrt | Sekundärteile, Verkleidungen | Günstiges Festigkeits-Gewichts-Verhältnis und thermische Stabilität für nicht primäre Strukturen |
| Elektronik | Wärmeverteiler, Gehäuse | Kombination aus thermischer Leitfähigkeit und einfacher Fertigung |
| Allgemeine Industrie | Wärmetauscher, Rohrleitungen und Kanäle | Silizium verbessert das Extrusionsverhalten und das thermische Verhalten |
4A30 wird häufig für Bauteile ausgewählt, die eine Balance aus Umformbarkeit, Schweißbarkeit und angemessener mechanischer Leistung erfordern, ohne die Komplexität einer ausscheidungshärtenden Verarbeitung. Seine Einsatzfähigkeit in extrudierten Profilen und Plattenanwendungen macht es zu einer kosteneffektiven Wahl für mittelbeanspruchte Struktur- und Wärmemanagementbauteile.
Auswahlhinweise
Bei der Wahl von 4A30 sollte Priorität auf Schweißbarkeit, thermische Stabilität und gute Umformbarkeit im geglühten Zustand gelegt werden, wenn nur eine moderate Festigkeit erforderlich ist. Der Siliziumgehalt reduziert thermische Verformungen und verbessert das Extrusions- und Schweißverhalten im Vergleich zu Aluminiumlegierungen mit niedrigem Siliziumgehalt.
Im Vergleich zu kommerziell reinem Aluminium (1100) tauscht 4A30 eine geringere elektrische Leitfähigkeit und maximale Verformbarkeit gegen höhere Festigkeit und bessere Dimensionsstabilität bei thermischer Beanspruchung ein. Im Vergleich zu kaltverfestigten Legierungen wie 3003 oder 5052 bietet 4A30 eine ähnliche oder leicht verbesserte thermische Stabilität und Schweißbarkeit mit vergleichbarer Festigkeit im mittleren Bereich, abhängig von Anlassen und Prozessführung. Im Vergleich zu verbreiteten wärmebehandelbaren Legierungen wie 6061 oder 6063 liefert 4A30 typischerweise eine geringere maximale Festigkeit nach Ausscheidungshärtung, kann aber bevorzugt werden, wenn überlegene Schweißfließfähigkeit, geringere thermische Ausdehnung und einfachere Extrusion/Umformung gegenüber maximaler Zugfestigkeit im Vordergrund stehen.
Wählen Sie 4A30, wenn Geometrie der Bauteile, Schweißanforderungen und Fertigungsökonomie wichtiger sind als höchste Festigkeit, und prüfen Sie stets Lieferanten-Werkszeugnisse sowie Anwendungstests bei korrosions- oder ermüdungskritischen Konstruktionen.
Abschließende Zusammenfassung
4A30 ist weiterhin eine relevante Aluminiumlegierung mit mittlerer Leistung, die eine ausgewogene Kombination aus Umformbarkeit, Schweißbarkeit und thermischem Verhalten für ein breites Spektrum an gefertigten Bauteilen bietet. Die Silizium-basierte Chemie und kontrollierte Mikrolegierung machen sie zu einer praktischen, wirtschaftlichen Wahl für Ingenieure, die stabile dimensionsbezogene Leistung und zuverlässige Fertigungseigenschaften anstelle maximaler ausscheidungshärtbarer Festigkeit benötigen.