Aluminium 1N30: Zusammensetzung, Eigenschaften, Härtegrad-Anleitung & Anwendungsbereiche

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Umfassende Übersicht

1N30 ist eine nahezu reine, warmgewalzte Aluminiumlegierung aus der 1xxx-Gruppe der Aluminiumlegierungen. Sie wurde als kommerziell-reine Aluminiumvariante mit kontrollierten geringen Legierungszusätzen entwickelt, um Leitfähigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Umformbarkeit zu optimieren und dabei eine leicht höhere Festigkeit als Labor-Reinaluminium zu bieten.

Die wesentlichen Legierungselemente sind bewusst minimal gehalten und beschränken sich in der Regel auf Spuren von Silizium, Eisen sowie geringe Mengen Mangan und Titan zur Kornstrukturstabilisierung und Verbesserung der Kaltumformbarkeit. Der Festigkeitsmechanismus beruht hauptsächlich auf Kaltverfestigung (Verfestigung durch Verformen) und nicht auf Ausscheidungshärtung, weshalb 1N30 als nicht wärmebehandelbar eingestuft wird und Festigkeitsanpassungen durch Kaltverformung und kontrollierte Rekristallisation erfolgen.

Wesentliche Eigenschaften sind hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit, ausgezeichnete atmosphärische und chemische Korrosionsbeständigkeit, hervorragende Umformbarkeit in weichen Zuständen sowie gut vorhersagbare Schweißbarkeit; die maximale Festigkeit ist im Vergleich zu wärmebehandelbaren Legierungen begrenzt. Typische Anwendungsgebiete für 1N30 sind elektrische Verteilung und Sammelschienen, Geräte zur chemischen Verarbeitung, architektonische Bauteile sowie Anwendungen, die hohe Leitfähigkeit bei einem ausgewogenen Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht erfordern.

Konstrukteure wählen 1N30, wenn Leitfähigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Tiefziehfähigkeit wichtiger sind als maximale mechanische Festigkeit. Die Legierung wird gegenüber höherfesten, wärmebehandelbaren Legierungen bevorzugt, wenn Verbindbarkeit, Leitfähigkeit und einfache Umformung wichtiger sind als hohe Streck- oder Zugfestigkeiten.

Ausführungszustände (Tempers)

Ausführungszustand Festigkeitsniveau Dehnung Umformbarkeit Schweißbarkeit Bemerkungen
O Niedrig Hoch Ausgezeichnet Ausgezeichnet Vollständig geglüht; maximale Duktilität und Umformbarkeit
H12 Niedrig-Mittel Mittel Sehr gut Sehr gut Viertelgehärtet; moderate Festigkeitssteigerung bei erhaltener Umformbarkeit
H14 Mittel Mittel-Niedrig Gut Sehr gut Halbgehärtet; häufig für mittelstarke Blechanwendungen genutzt
H16 Mittel-Hoch Niedrig-Mittel Mäßig Gut Dreiviertelgehärtet; nützlich bei höherem Steifigkeitsbedarf
H18 Hoch Niedrig Begrenzt Gut Volle Gehärtung; verwendet wo maximale Kaltumformfestigkeit erforderlich ist

Die Ausführungszustände von 1N30 steuern maßgeblich den Kompromiss zwischen Umformbarkeit und Festigkeit, da die Legierung nicht wärmebehandelbar ist. Der Übergang vom O- in die zunehmend härteren H-Zustände steigert Streck- und Zugfestigkeit durch Kaltverformung, reduziert jedoch Dehnung und Tiefziehfähigkeit.

Die Historie des Ausführungszustands beeinflusst zudem den Oberflächenzustand und nachfolgende Bearbeitungsschritte: stark verarbeitete Zustände weisen höhere Eigenspannungen auf und können Zwischenglühen für komplexe Umformprozesse erfordern, während der O-Zustand die besten Ergebnisse beim Tiefziehen und Drehen liefert.

Chemische Zusammensetzung

Element % Bereich Bemerkungen
Si ≤ 0.40 Kontrolliert zur Begrenzung der eutektischen Sprödigkeit; geringe Si-Anteile verbessern die Gießbarkeit und reduzieren Sprödhärte beim Erhitzen.
Fe ≤ 0.70 Häufige Verunreinigung; höherer Fe-Gehalt mindert leicht Duktilität und Leitfähigkeit, stabilisiert aber das Kornwachstum.
Mn ≤ 0.10 Spurenzusätze verfeinern das Korn und verbessern geringfügig die Ansprechbarkeit auf Ofenhärtung/Tempereffekte.
Mg ≤ 0.05 Niedrig gehalten, um elektrische Leitfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit zu erhalten.
Cu ≤ 0.05 Minimiert, um Spannungsrisskorrosion zu vermeiden und Leitfähigkeit zu gewährleisten.
Zn ≤ 0.10 Geringer Zn-Gehalt vermeidet übermäßige Festigkeit/Sprödigkeit und galvanische Wechselwirkungen in maritimen Umgebungen.
Cr ≤ 0.05 Spur Cr kann Kornwachstum hemmen und die Rekristallisationsverhalten verbessern.
Ti ≤ 0.05 Dient als Kornfeinungsmittel, vorteilhaft bei Walzprodukten und Strangpressprofilen.
Andere Rest (Al ≥ 99,0%) Der Rest ist Aluminium mit kleinen zulässigen Verunreinigungen entsprechend den Standards der 1xxx-Serie.

Der chemische Ansatz für 1N30 setzt auf aluminiumhohe Reinheit mit strikt kontrollierten Verunreinigungen. Geringe Mengen Mangan, Titan sowie kontrolliertes Eisen und Silizium erzeugen vorteilhafte mikrostrukturelle Effekte – Kornverfeinerung, verbesserte Kaltumformreaktion und konsistentere mechanische Eigenschaften – ohne die klassisch hohe Leitfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit von kommerziell reinem Aluminium zu beeinträchtigen.

Mechanische Eigenschaften

Das Zugverhalten von 1N30 entspricht dem nahezu reinen Aluminium: Die Legierung zeigt im geglühten Zustand geringe absolute Festigkeiten, aber eine breite, vorhersagbare Verfestigungskurve bei Kaltverformung. Im O-Zustand ist die Spannungs-Dehnungs-Kurve glatt mit langer gleichmäßiger Dehnung; bei H-Zuständen nehmen Streck- und Zugfestigkeit zu, während Duktilität und Energieaufnahme abnehmen.

Streck- und Zugfestigkeit hängen stark vom Ausführungszustand und der Blechdicke ab; dünnere Blechdicken werden durch Kaltverfestigung effizienter erhöht und erreichen in H-Zuständen höhere Festigkeiten bei der gleichen nominalen Verformung. Härte korreliert mit Ausführungszustand und Kaltverfestigung; Härteprüfungen (HB oder Vickers) werden häufig als praktische Qualitätskontrolle zur Bestimmung des Zustands und der relativen Festigkeit eingesetzt.

Die Ermüdungsfestigkeit von 1N30 hängt von Oberflächenzustand, Eigenspannungen und makroskopischen Defekten ab; die vergleichsweise geringe Festigkeit begrenzt die Lebensdauer bei hohen zyklischen Belastungen im Vergleich zu Legierungen der 6xxx- oder 7xxx-Serie. Dickenabhängige Effekte sind ausgeprägt, da wärmeabgeführte Kaltverfestigung und Kornstruktur mit Querschnitt variieren. Daher sollten Eigenschaftstabellen für kritische Bauteile auf dickenspezifischen Daten basieren.

Eigenschaft O/Geglüht Wichtiger Zustand (H14) Bemerkungen
Zugfestigkeit 60–100 MPa 110–140 MPa Zugwerte variieren mit Blechdicke und Kaltreduzierung; H14 wird häufig als Basis für moderate Festigkeit verwendet.
Streckgrenze 30–45 MPa 80–110 MPa Streckgrenze steigt signifikant mit Kaltverfestigung; O-Zustände sind niedrigfest und sehr duktil.
Dehnung 30–45 % 8–20 % Die Dehnung nimmt mit zunehmendem Härtezustand ab; O bietet die beste Streck- und Tiefziehfähigkeit.
Härte 20–35 HB 40–60 HB Härteskala ist ein praktischer Prüfwert für Ausführungszustand; stärker kaltverfestigte Zustände zeigen entsprechend höhere Härten.

Physikalische Eigenschaften

Eigenschaft Wert Bemerkungen
Dichte 2,70 g/cm³ Typisch für Aluminiumlegierungen; wichtig für Masse- und Steifigkeitsberechnungen.
Schmelzbereich ≈ 660 °C (Solidus/Liquidus nahe beieinander) Nahezu reines Aluminium schmilzt nahe reinem Al; enger Schmelzbereich im Vergleich zu stärker legierten Typen.
Wärmeleitfähigkeit ~200–230 W/m·K Hohe Wärmeleitfähigkeit macht 1N30 attraktiv für Wärmesenken und thermische Sammelschienen.
Elektrische Leitfähigkeit ~55–65 % IACS Hohe Leitfähigkeit im Vergleich zu den meisten Konstruktionslegierungen; genaue Werte variieren mit Ausführungszustand und Verunreinigungen.
Spezifische Wärme ~0,90 J/g·K (900 J/kg·K) Standardwert für Auslegung von thermischen Speichern und transienten Erwärmungsszenarien.
Thermische Ausdehnung ~23–25 µm/m·K (20–100 °C) Typische isotrope Wärmeausdehnung für Aluminium; bei der Konstruktion von Verbindungen mit Stahl und Verbundwerkstoffen ist die unterschiedliche Ausdehnung zu berücksichtigen.

Die hohe thermische und elektrische Leitfähigkeit sind charakteristische physikalische Vorteile von 1N30 und erklären seinen häufigen Einsatz in Sammelschienen, Wärmetauschern und elektrischen Bauteilen. Die Dichte und spezifische Wärme sind ebenfalls vorteilhaft, wenn Gewicht reduziert und gleichzeitig thermische Masse erhalten werden soll.

Thermische Ausdehnung und Leitfähigkeit müssen in verbundenen Baugruppen (z. B. Aluminium-Stahl- oder Aluminium-Kupfer-Verbindungen) berücksichtigt werden, um unterschiedliche Ausdehnungen, Ermüdung durch thermisches Wechselspiel und galvanische Korrosion zu kontrollieren.

Produktformen

Form Typische Dicke/Größe Festigkeitsverhalten Übliche Zustände Bemerkungen
Blech 0,2–6,0 mm Festigkeit nimmt durch Kaltwalzen zu (H-Zustände) O, H12, H14, H16 Häufigste Form; verwendet für Tiefziehen und architektonische Fassadenpaneele.
Platte 6–50 mm Dickere Platten sind meist weicher, sofern nicht stark umgeformt O, H14, H18 Plattenherstellung erfordert starkes Walzen und eventuell Zwischenglühen.
Extrusion Profile bis 300 mm Querschnitt Festigkeit hängt vom Legierungsvorrat und Nachstrecken ab O, H112 Extrusionen nutzen Kornkontrolle und sind oft leicht überaltert zur Maßstabilität.
Rohr 0,5–12 mm Wandstärke Kaltziehen und Maßrichtarbeiten erhöhen die Festigkeit O, H14 Nahtlose und geschweißte Rohre verfügbar; Kaltumformung beeinflusst den Endzustand.
Stab/Rundstahl 2–100 mm Kaltziehen steigert Streckgrenze und Härte O, H12, H14 Verwendung dort, wo Leitfähigkeit und Umformbarkeit in kleinen Querschnitten erforderlich sind.

Verarbeitungsunterschiede sind deutlich: Blechproduktion basiert auf kontrolliertem Walzen und Glühzyklen, um das gewünschte Verhältnis von Festigkeit zu Umformbarkeit zu erreichen, während Extrusionen von der Legierungskonstitution und Kühl-/Alterungskontrolle zur Maßstabilität abhängen. Dickere Produktformen zeigen im Allgemeinen geringere Festigkeiten im as-produzierten Zustand, sofern sie nicht durch zusätzl. Kaltumformung oder Streckprozesse nachbehandelt wurden.

Anwendungen bestimmen die Wahl des Zustands: Blech und Rohr für Tiefziehanwendungen werden überwiegend im O-Zustand geliefert, während tragende oder versteifende Bauteile häufig in H14–H18 angeboten werden, um höhere Streckgrenzen und Steifigkeiten ohne Wärmebehandlung zu erzielen.

Äquivalente Werkstoffgüten

Norm Güte Region Bemerkungen
AA 1N30 USA Bezeichnung für diese nahezu reine Aluminiumvariante; folgt der 1xxx-Familienpraxis.
EN AW ≈ EN AW-1050 / EN AW-1100 Europa Näherungsweise industrielle Äquivalente sind EN AW-1050A und EN AW-1100 mit ähnlicher Reinheit und Eigenschaften; geringfügige Unterschiede in der Zusammensetzung.
JIS A1050 / A1100 Japan JIS-Güten A1050/A1100 sind die nächsten Entsprechungen; Unterschiede bestehen bei Oberflächenqualität und Verunreinigungsgrenzen.
GB/T 1060 / 1100 China GB/T 1060/1100 gelten als übliche Entsprechungen für das kommerziell reine Aluminium mit vergleichbaren Leistungseigenschaften.

Die Gleichwertigkeit ist nur näherungsweise, da 1N30 möglicherweise proprietäre Reinheitsgrenzen oder Spurzugaben (z. B. Ti-Körnungsverfeinerer) enthält, die in anderen Normen nicht identisch sind. Unterschiede zeigen sich vor allem in zulässigen Fe/Si-Maximalwerten, Spurenelementzusätzen und Oberflächen-/Verunreinigungskontrolle zur Erfüllung von Leitfähigkeits- oder Umformeigenschaften.

Bei der Substitution von werkstoffübergreifenden Güten sollten Lieferantenzertifikate und Prüfberichte hinsichtlich Leitfähigkeit, Zugfestigkeit bei der vorgesehenen Blechdicke und Oberflächenbeschaffenheit geprüft werden, um Austauschbarkeit für elektrische oder umgeformte Bauteile sicherzustellen.

Korrosionsbeständigkeit

Die atmosphärische Korrosionsbeständigkeit von 1N30 ist ausgezeichnet dank der Bildung einer stabilen, haftfähigen Aluminiumoxidschicht, die das Grundmaterial in vielfältigen städtischen und ländlichen Umgebungen schützt. In moderaten Industrieatmosphären ohne hohe Chloridbelastung verhält sich die Legierung ähnlich gut wie andere 1xxx-Serie Legierungen und oft besser als stärker legierte Strukturqualitäten, die gegenüber galvanischer oder Lochfraßkorrosion empfindlicher sind.

In maritimen oder chloridreichen Umgebungen zeigt die Legierung eine gute allgemeine Korrosionsbeständigkeit, wobei jedoch – wie bei allen Aluminiumlegierungen – lokale Lochfraßstellen auf stehenden, feuchten Flächen oder unter Ablagerungen auftreten können. Schutzbeschichtungen, Eloxieren oder Konstruktion zur Vermeidung von Spalten und stehenden Wasseransammlungen sind Standardmaßnahmen für langzeitige Einsatzdauer im maritimen Bereich.

Die Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion ist im Vergleich zu hochfesten, wärmebehandelbaren Legierungen gering; da 1N30 nicht wärmebehandelbar ist und keine ausscheidungshärtenden Phasen enthält, fehlen mikrostukturbedingte Schwachstellen für SCC wie bei 2xxx- und 7xxx-Serie Legierungen. Galvanische Reaktionen können gegenüber edleren Metallen (Kupfer, Edelstahl) auftreten; deshalb sind Kontaktflächen, Isolationsschichten und relative Oberflächenverhältnisse in der Konstruktion so zu gestalten, dass beschleunigte Korrosion verhindert wird.

Im Vergleich zu 3xxx/5xxx-Familien tauscht 1N30 etwas Opferschutz (bedingt durch höheren Mg-Gehalt in 5xxx) gegen höhere Leitfähigkeit und mitunter bessere Umformbarkeit aus, was es für elektrische und einige chemische Verwendungen gegenüber tragenden maritimen Anwendungen bevorzugt.

Fertigungseigenschaften

Schweißbarkeit

1N30 lässt sich gut mit gängigen Schmelzschweißverfahren (TIG, MIG/GMAW und Widerstandsschweißen) schweißen und ergibt bei sachgerechter Ausführung saubere, duktil schweißbare Verbindungen. Empfohlene Zusatzwerkstoffe für allgemeine Verbindungen sind 1100 oder Al-Silizium-Legierungen wie 4043, abhängig von Verbindungsausführung und geforderter Duktilität; Al-Mg-Zusatzwerkstoffe (5xxx-Familie) werden üblicherweise vermieden, wenn Leitfähigkeit und Korrosionsverhalten erhalten bleiben müssen. Die Neigung zu Heißrissen ist bei 1N30 aufgrund der einfachen Chemie gering; eine Schwächung im Wärmeeinflussgebiet (HAZ) ist minimal, da die Legierung nicht wärmebehandelbar ist. Allerdings kann schweißen bei kaltverfestigten H-Zuständen zur lokalen Rekristallisation und Festigkeitsabfall im Schweißnahtumfeld führen, weshalb örtliche Verstärkungen oder Nachkaltumformung ggf. einzuplanen sind.

Zerspanbarkeit

Die Zerspanbarkeit von 1N30 wird als moderat eingestuft: Die Legierung ist weicher als viele Strukturlegierungen, was die Schnittkräfte reduziert, jedoch entstehen lange, körnige Späne, die eine effektive Spanabfuhr erfordern. Hartmetallwerkzeuge mit positivem Freiwinkel und ausreichender Kühlschmierung bieten ein gutes Gleichgewicht aus Werkzeugstandzeit und Oberflächenqualität; hohe Schnittgeschwindigkeiten sind möglich, wenn Spanabfuhr und Werkzeugkühlung sichergestellt sind. Die Zerspanbarkeit liegt unter der von stark blei- oder weichgeführten Aluminiumsorten; Konstrukteure sollten Gratbildung an dünnen Querschnitten und mögliche Kaltverfestigung an Werkzeugeingriffen bei unterbrochenem Schnitt berücksichtigen.

Umformbarkeit

Die Umformbarkeit im weichen O-Zustand ist ausgezeichnet – 1N30 eignet sich für Tiefziehen, Drehen und komplexes Streckbiegen mit engen Biegeradien und begrenztem Rückfederverhalten. Empfohlene minimale Innenbogenradien liegen abhängig von Werkzeuggeometrie bei 0,5–1,0× Blechdicke im O-Zustand; H-Zustände erfordern größere Radien und höhere Umformkräfte. Kaltverfestigung erhöht die Festigkeit vorhersehbar, sodass bei mehrstufigen Umformprozessen Zwischenweichglühungen zur Wiederherstellung der Duktilität sinnvoll sind; für Bauteile, die später geschweißt oder eloxiert werden, sollte der Zustand so gewählt werden, dass Umformbarkeit und Folgeprozesse im Gleichgewicht stehen.

Wärmebehandlungsverhalten

1N30 ist eine nicht wärmebehandelbare Legierung, deren Festigkeit sich nicht durch Lösungsglühen und Auslagern erhöhen lässt. Stattdessen werden die mechanischen Eigenschaften durch Kaltumformung und kontrolliertes Glühen/Rekristallisation gesteuert. Das typische Glühen (vollständige Erweichung zum O-Zustand) erfolgt bei ca. 300–415 °C, abhängig von Produktform und vorangegangener Kaltumformung, mit Wärmehaltezeiten angepasst an Dicke und Produktionsdurchsatz, um Kornwachstum zu vermeiden.

Die Kaltverfestigungskurven sind stabil und reproduzierbar: Zugfestigkeit und Streckgrenze steigen mit dem Kaltumformungsgrad entsprechend klassischen Verfestigungsgesetzen, was eine Vorhersage der Endfestigkeit anhand der Umformsequenzen ermöglicht. Es gibt keine ausscheidungshärtenden T-Zustände wie bei 6xxx- oder 2xxx-Serie; anschließende Zustandsstabilisierung geschieht über kontrolliertes Strecken oder Niedertemperatur-Stabilisierungsgeglühte zur Minimierung von Eigenspannungen.

Hochtemperatureinsatz

Bei erhöhten Temperaturen zeigt 1N30 einen progressiven Festigkeitsverlust und Erweichung ab etwa 100–150 °C, mit einer deutlichen Reduzierung der Streckgrenze bis auf etwa ein Drittel der Raumtemperaturwerte bei 200–300 °C. Dauerbetriebstemperaturen liegen typischerweise im niedrigen bis mittleren Bereich um 100–150 °C; für dauerhafte mechanisch belastete Bauteile über 150 °C sind hochfeste Hochtemperaturelegierungen zu bevorzugen.

Oxidation ist auf die Bildung einer schützenden Aluminiumoxidschicht beschränkt und stellt in luftiger Umgebung meist keinen Korrosionslimitierungsfaktor dar; in aggressiven oxidierenden oder korrosiven Atmosphären sind Schutzbeschichtungen oder Legierungsersatz erforderlich. Wärmeeinflussbereiche (HAZ) oder lokal erhitzte Zonen beim Schweißen oder Löten erfahren lokale Rekristallisation und Erweichung, jedoch besteht bei der nicht wärmebehandelbaren Legierung keine Gefahr der Überalterung. Dennoch müssen Maßhaltigkeit und Zustand für Teile mit intermittierender Hochtemperatureinwirkung berücksichtigt werden.

Anwendungen

Branche Beispielkomponente Warum 1N30 verwendet wird
Automobilindustrie Abschirmungen und thermische Reflektoren Hohe thermische Leitfähigkeit und gute Umformbarkeit für gestanzte reflektierende Bauteile
Schifffahrt Nicht-strukturelle Gehäuse und Beschläge Gute atmosphärische Korrosionsbeständigkeit und einfache Fertigung
Luft- und Raumfahrt Nicht-kritische Beschläge, thermische Distanzstücke Hohe Leitfähigkeit, geringe Dichte und gute Umformbarkeit im O-Zustand
Elektrotechnik Sammelschienen, Stromabnehmer Hervorragende Leitfähigkeit und Schweißbarkeit; leicht in Profile formbar
Elektronik Kühlkörper und Gehäuse Hohe Wärmeleitfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit für den Langzeitbetrieb

1N30 findet seine Nische in Anwendungen, bei denen Leitfähigkeit und Umformbarkeit wichtiger sind als maximale Festigkeit. Es wird häufig dort eingesetzt, wo komplexe Umformung, Fügeverfahren und Oberflächenbearbeitung neben guter Korrosionsbeständigkeit sowie thermischer und elektrischer Leistung gefordert sind.

Auswahlhinweise

Bei der Materialauswahl sollte 1N30 gegenüber handelsüblichen Reinaluminium-Qualitäten wie 1100 bevorzugt werden, wenn eine geringfügig höhere Festigkeit durch kontrollierte Verunreinigungen und Kornkontrolle bei gleichzeitig hoher Leitfähigkeit und ausgezeichneter Umformbarkeit gewünscht wird. Man muss einen kleinen Kompromiss bei der reduzierten Leitfähigkeit und etwas geringeren Duktilität zugunsten höherer Streckgrenze und Steifigkeit eingehen.

Im Vergleich zu gängigen kaltverfestigten Legierungen wie 3003 oder 5052 liegt 1N30 eher am unteren Festigkeitsende, bietet aber oft überlegene elektrische und thermische Leitfähigkeit sowie gleiche oder bessere Korrosionsbeständigkeit in vielen Atmosphären. Wählen Sie 1N30, wenn Leitfähigkeit und Fügbarkeit wichtiger sind als die höhere Festigkeit und das magnesiumbedingte Korrosionsverhalten von 5xxx-Legierungen.

Im Vergleich zu wärmebehandelbaren Legierungen wie 6061 oder 6063 besitzt 1N30 deutlich geringere maximale Festigkeit, bietet jedoch bessere Leitfähigkeit, einfachere Fertigung (kein Wärmebehandlungsbedarf) und typischerweise bessere Umformbarkeit beim Tiefziehen. Verwenden Sie 1N30, wenn Fügen, elektrische/thermische Leistung und Umformanforderungen wichtiger sind als maximale strukturelle Festigkeit.

Abschließende Zusammenfassung

1N30 bleibt relevant, da es die charakteristischen Vorteile der 1xxx-Familie – hohe Leitfähigkeit, exzellente Korrosionsbeständigkeit und herausragende Umformbarkeit – mit kontrollierten Verunreinigungen und Kornmanagement kombiniert, um moderate Festigkeitsverbesserungen und konstantes Fertigungsverhalten zu erzielen. Dadurch ist es eine praktische Wahl für elektrische, thermische und chemisch exponierte Anwendungen, bei denen maximale Festigkeit nicht im Vordergrund steht.

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