Aluminium 3010: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungen
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Umfassender Überblick
3010 ist ein Mitglied der 3xxx-Aluminiumlegierungen, die allgemein als manganverstärkte, nicht wärmebehandelbare Legierungen eingestuft werden und ihre Festigkeit durch Lösungsreifung und Kaltverfestigung (Kaltumformung) erhalten. Die Legierungschemie basiert hauptsächlich auf Aluminium mit Mangan als primärem gezieltem Legierungselement; Spuren von Silizium, Eisen, Kupfer und Zink sind typischerweise als kontrollierte Verunreinigungen oder geringe Zusatzmengen zur Anpassung des Verarbeitungsverhaltens enthalten.
Die Festigkeitssteigerung bei 3010 erfolgt überwiegend durch Kaltumformung (Verfestigung) und Lösungsstärkung durch Mangan sowie andere kleine Elemente; sie spricht nicht auf herkömmliche Ausscheidungshärtungen wie die 6xxx- oder 7xxx-Legierungen an. Wichtige Merkmale sind eine moderate Festigkeit, sehr gute Korrosionsbeständigkeit in den meisten Atmosphären, hervorragende Umformbarkeit im geglühten Zustand sowie allgemein einfache Schweißbarkeit mit gängigen Aluminiumverfahren.
Typische Einsatzbereiche für 3010 sind architektonische Bleche und Gebäudehüllsysteme, allgemeine Karosserieteile im Automobilbau, bei denen Umformbarkeit und Oberflächenqualität im Vordergrund stehen, Konsumgüter sowie einige Anwendungen für elektrische Gehäuse. Die Legierung wird gewählt, wenn ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Duktilität, Korrosionsbeständigkeit und Wirtschaftlichkeit erforderlich ist und das Design auf Umformen statt auf nachträgliche Wärmebehandlung zur Erzielung mechanischer Eigenschaften setzt.
Ingenieure entscheiden sich für 3010 gegenüber anderen Legierungen, wenn eine Kombination aus Tiefziehfähigkeit und vernünftiger Festigkeit ohne Alterungshärtung gefordert ist. Sie wird bevorzugt gegenüber reinerem, weicherem Industriealuminium gewählt, wenn zusätzliche Streck- und Zugfestigkeit benötigt wird, aber wärmebehandelbare, teurere Legierungen entweder unnötig oder nachteilig für Umformbarkeit und Oberflächenqualität wären.
Ausführungszustände
| Ausführungszustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch (30–40%) | Hervorragend | Hervorragend | Vollständig geglüht, maximale Duktilität für Umformungen |
| H12 | Niedrig bis Mittel | Moderat (20–30%) | Sehr gut | Hervorragend | Leichte Kaltverfestigung, erhaltene Umformbarkeit |
| H14 | Mittel | Moderat (10–20%) | Gut | Hervorragend | Gängiger kommerzieller Zustand für Tiefziehen und leichte Umformung |
| H16 | Mittel | Niedriger (8–15%) | Ausreichend | Hervorragend | Höhere Kaltverfestigung für Steifigkeit |
| H18 | Hoch | Niedrig (5–10%) | Begrenzt | Hervorragend | Stark umgeformt für maximale Festigkeit ohne Wärmebehandlung |
| H24 | Mittel | Moderat (10–20%) | Gut | Hervorragend | Umgeformt, dann teilweise geglüht zur Anpassung der Duktilität |
| H32 | Mittel bis Hoch | Moderat (8–15%) | Gut | Hervorragend | Stabilisiert durch kontrollierte Kaltverfestigung und natürliche Alterung (wenn zutreffend) |
| T4 (falls verwendet) | Mittel | Moderat | Gut | Hervorragend | Gelöst wärmebehandelt und natürlich gealtert (selten bei 3xxx, aber gelegentlich spezifiziert) |
| T6 (nicht typisch) | Nicht anwendbar | Nicht anwendbar | Schlecht | Hervorragend | 3xxx-Legierungen sind konventionell nicht ausscheidungshärtbar; T6 bringt keine typischen 6xxx-Zuwächse |
Der Ausführungszustand hat einen entscheidenden Einfluss auf den funktionalen Kompromiss zwischen Duktilität und Festigkeit bei 3010. Der geglühte O-Zustand wird verwendet, wenn umfangreiche Umformungen oder Tiefziehen erforderlich sind, während die H-Zustände für schrittweise Steigerungen der Streck- und Zugfestigkeit auf Kosten der Umformbarkeit ausgewählt werden.
In der Praxis wird die Wahl des Ausführungszustands oft durch die Umformfolge und die späteren Einsatzbelastungen bestimmt; Bauteile mit komplexen Umformschritten werden in O oder H12 umgeformt und können anschließend teilweise verfestigt oder stabilisiert werden, um die Zielwerte ohne Wärmebehandlung zu erreichen.
Chemische Zusammensetzung
| Element | % Bereich | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Si | ≤ 0,6 | Typische Verunreinigung; hoher Si-Gehalt kann Festigkeit leicht erhöhen, aber Duktilität verringern |
| Fe | ≤ 0,7 | Häufige Verunreinigung, die intermetallische Phase bildet und leicht Korrosionsbeständigkeit mindert |
| Mn | 0,6–1,5 | Hauptlegierungselement, sorgt für Lösungshärtung und verbessert die Kornstruktur |
| Mg | ≤ 0,10 | Gering oder Spuren; niedrige Werte beeinflussen Kaltverfestigung und Korrosionsverhalten |
| Cu | ≤ 0,20 | Gering gehalten, um Anfälligkeit für interkristalline Korrosion zu begrenzen und Umformbarkeit zu erhalten |
| Zn | ≤ 0,25 | Gering; höhere Werte würden Legierung zu 7xxx-ähnlichen Eigenschaften treiben |
| Cr | ≤ 0,10 | Geringe Zusätze steuern Rekristallisation und Kornstruktur in manchen Produktformen |
| Ti | ≤ 0,05 | Kornfeinungsmittel bei gegossenen oder speziellen gewalzten Produkten |
| Andere | Rest Al; jedes ≤ 0,05 | Restverunreinigungen und beabsichtigte Spurenelemente für Verarbeitungsanforderungen |
Der Mangananteil ist der wesentliche chemische Treiber für das mechanische Verhalten von 3010: Mn löst sich begrenzt in der Aluminium-Matrix und hemmt die Versetzungsbewegung, wodurch die Festigkeit ohne starke Beeinträchtigung der Duktilität erhöht wird. Silizium und Eisen sind relativ unlöslich und bilden intermetallische Partikel, die als Rissinitiatoren wirken oder die Oberflächenqualität beeinflussen können; deren Gehalte werden daher kontrolliert. Spurenelemente wie Cr und Ti werden sparsam eingesetzt, um die Korngröße zu kontrollieren und Eigenschaften während Walz- und Glühzyklen zu stabilisieren.
Mechanische Eigenschaften
3010 zeigt das typische Zugverhalten nicht wärmebehandelbarer Legierungen: Streck- und Zugfestigkeit sind vor allem Funktionen der Kaltverfestigung (Ausführungszustand) und Blechdicke, während die Dehnung umgekehrt proportional zum Verfestigungsgrad ist. Im geglühten Zustand weist die Legierung hohe Duktilität auf, geeignet für Tiefziehen und Umformen, mit duktiler Bruchart unter Zugbelastung. Mit zunehmender Kaltverfestigung (H-Zustände) steigen Zug- und Streckfestigkeit deutlich, während Dehnung und Bruchdehnung abnehmen.
Die Härte steigt mit dem Ausführungszustand und korreliert mit der Streckfestigkeit; Brinell- oder Vickershärtewerte nehmen mit der Kaltverfestigung zu und dienen als schnelle Indikatoren für den Werkstattzustand. Die Ermüdungsfestigkeit von 3010 ist moderat und wird stark durch Oberflächenbeschaffenheit, Eigenspannungen aus der Umformung sowie durch intermetallische Partikel oder Kratzer beeinflusst. Platten- und Blechdicke beeinflussen Streck- und Zugfestigkeit aufgrund von Kaltverfestigung, Korngrößeneffekten und dem Anteil an durch Verarbeitung erhaltenem Kaltverfestigungsgrad.
Korrosionsstellen oder Kerben reduzieren die Ermüdungsfestigkeit stärker als gleichmäßiges Fließen; daher sind Oberflächenbearbeitung und eine konstruktive Vermeidung scharfer Kerben für zyklisch beanspruchte Bauteile wichtig. Dicke Querschnitte werden typischerweise in weicheren Zuständen verarbeitet und geliefert, um die Umformbarkeit zu gewährleisten; dünne Bleche erreichen nach Walzen und leichter Zustandsanpassung oft höhere wirksame Festigkeiten.
| Eigenschaft | O/Geglüht | Wichtiger Ausführungszustand (z. B. H14/H18) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit (UTS) | ~110–140 MPa | ~150–230 MPa | Werte abhängig von Ausführungszustand und Dicke; H18 am oberen Bereich |
| Streckgrenze (0,2 % Dehngrenze) | ~35–70 MPa | ~90–170 MPa | Streckgrenze variiert stark mit Kaltverfestigungsgrad |
| Dehnung (gleichmäßig) | ~30–40% | ~5–20% | Höher im O-Zustand; H18 zeigt begrenzte Dehnung |
| Härte (HB) | ~25–40 HB | ~45–80 HB | Härte steigt mit Kaltverfestigung; Indikator für Ausführungszustand |
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Dichte | ~2,70 g/cm³ | Typisch für gewalzte Aluminiumlegierungen; nützlich zur Massenermittlung |
| Schmelzbereich | ~645–660 °C | Legierung verschiebt Solidus/Liquidus leicht gegenüber reinem Aluminium |
| Wärmeleitfähigkeit | ~120–135 W/m·K | Etwas geringer als bei reinem Aluminium aufgrund der Legierungselemente |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~30–45 % IACS | Reduziert im Vergleich zu reinem Industriealuminium wegen Mn und Verunreinigungen |
| Spezifische Wärmekapazität | ~0,90 J/g·K | Ähnlich reinem Aluminium; nützlich für thermische Berechnungen |
| Wärmeausdehnung | ~23–24 µm/m·K (20–100 °C) | Typischer linearer Ausdehnungskoeffizient für Aluminiumlegierungen dieser Klasse |
Die Dichte und thermischen Eigenschaften machen 3010 attraktiv, wenn Leichtbau und Wärmeverwaltung gefragt sind, allerdings sollten Konstrukteure die reduzierte thermische und elektrische Leitfähigkeit im Vergleich zu hochreinem Aluminium berücksichtigen. Die Wärmeleitfähigkeit ist für allgemeine Wärmeableitungsaufgaben gut, jedoch nicht optimal, wenn maximale elektrische Leitfähigkeit erforderlich ist.
Die thermische Ausdehnung hat konstruktive Bedeutung für Baugruppen aus unterschiedlichen Werkstoffen; Ingenieure müssen differenzielle Ausdehnungen in Verbindungen und Befestigungen berücksichtigen. Der Schmelzbereich begrenzt Fertigungsverfahren wie Löten und sollte zusammen mit der Auswahl von Zusatzwerkstoffen beim Schweißen beachtet werden.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Übliche Zustände | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,2–6,0 mm | Höhere effektive Festigkeit bei dünneren Dicken nach dem Walzen | O, H12, H14, H16 | Weit verbreitet für architektonische Verkleidungen und geformte Bauteile |
| Platte | 6–25 mm | Geringere Umformbarkeit; dickere Sektionen werden oft weicher geliefert | O, H112 | Verwendet für Strukturteile mit mittlerer Festigkeit |
| Strangpressprofil | Variable Querschnitte | Festigkeit abhängig von Abkühlung nach dem Strangpressen und anschließender Kaltumformung | O, H32 | Begrenzte Legierungswahl für komplexe Profile, aber mit Prozesskontrolle realisierbar |
| Rohr | Wandstärke 0,5–6 mm | Leistung ähnlich wie Blech; geschweißte und nahtlose Varianten | O, H14 | Häufig für leichte Gehäusegestelle und Fluidleitungen |
| Stab/Rundstahl | Ø3–50 mm | Festigkeit durch Ziehen oder Kaltumformung eingestellt | H18, H14 | Verwendet für Verbindungselemente, Formteile und bearbeitete Bauteile |
Blech ist die dominierende Produktform für 3010 aufgrund seiner günstigen Oberflächenbeschaffenheit, Beschichtungsverträglichkeit und Tiefzieh-Eigenschaften. Dicke Platten sind seltener, werden jedoch dort gefertigt, wo geringere Umformanforderungen bestehen und die statische Tragfähigkeit ausreichend ist.
Strangpressprofile und gezogene Erzeugnisse reagieren empfindlich auf die Chemie des Halbzeugs und den thermischen Verlauf; eine genaue Kontrolle von Homogenisierung und Vorheizung ist notwendig, um Oberflächenfehler zu vermeiden und eine gleichmäßige mechanische Eigenschaft über das Querschnittsprofil zu erzielen.
Äquivalente Legierungen
| Norm | Legierung | Region | Hinweise |
|---|---|---|---|
| AA | 3010 | USA | Bezeichnung für geschmiedete Legierungen im System der Aluminum Association (Anwendung je nach Walzwerk unterschiedlich) |
| EN AW | 3xxx-Serie (z. B. AW-3003) | Europa | Vergleichbare manganbasierte 3xxx-Legierungen; exakte Chemie kann leicht variieren |
| JIS | A3xxx (z. B. A3003) | Japan | JIS verwendet 3xxx-Bezeichnungen für ähnliche Mn-haltige Gesenkschmiedelegierungen |
| GB/T | 3Axx (z. B. 3A21/3003 Äquivalent) | China | Chinesische Normen besitzen enge Entsprechungen in der 3A21-Familie |
Die Bezeichnung „3010“ kann je nach Region und Walzwerk leicht unterschiedliche chemische Zusammensetzungen und Produktspezifikationen abdecken. Lieferanten bieten Legierungen unter dem Namen 3010 mit firmenspezifischen Grenzwerten (z. B. leicht erhöhter Mn-Gehalt oder kontrollierter Cu-Anteil) an, um Eigenschaften für bestimmte Umformverfahren gezielt anzupassen. Beim Austausch sollten Einkäufer chemische Grenzen, mechanische Vorgaben, Produktformgrenzen und Oberflächenbehandlungsverträglichkeit prüfen, um Austauschbarkeit sicherzustellen.
Korrosionsbeständigkeit
3010 zeigt eine allgemein gute atmosphärische Korrosionsbeständigkeit typischer 3xxx-Legierungen; eine natürlich gebildete Oxidschicht bietet in den meisten Umgebungen passiven Schutz. In ländlichen und urbanen Atmosphären verhält sich die Legierung gut und widersteht allgemeiner Lochkorrosion; Anodisieren und organische Beschichtungen verbessern Ästhetik und langfristige Witterungsbeständigkeit.
In mariner oder stark chloridhaltiger Umgebung ist 3010 mäßig beständig, jedoch weniger robust als die speziell für den maritimen Einsatz entwickelten 5xxx (Al–Mg)-Legierungen. Lokal begrenzte Lochfraßkorrosion kann auf blanken Oberflächen bei Spalten oder vorhandenem galvanischem Fremdstrom auftreten; bei aggressiven Einsatzbedingungen sind geeignete Materialpaarungen und Beschichtungen empfehlenswert.
Die Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion ist verglichen mit hochfesten, wärmebehandelbaren Legierungen gering, da 3010 moderate Festigkeit besitzt und die Mikrounterstruktur zur Ausscheidungsverfestigung fehlt, die häufig für Spannungsrisskorrosion verantwortlich ist. Galvanische Wechselwirkungen sollten vermieden werden, indem 3010 nicht direkt mit kathodischeren Metallen wie Kupfer oder rostfreiem Stahl ohne Isolierschichten kombiniert wird; in Verbindung mit edleren Metallen in feuchter Umgebung kann 3010 anodisch geschädigt werden.
Im Vergleich zu 1xxx-Reinheitsgraden tauscht 3010 leicht reduzierte elektrische Leitfähigkeit gegen verbesserte Festigkeit und vergleichbare allgemeine Korrosionsbeständigkeit ein. Gegenüber 5xxx-Legierungen ist 3010 oft weniger beständig gegen lokal begrenzte Korrosion in chloridhaltigen Medien, kann jedoch bevorzugt werden, wenn Umformbarkeit und Oberflächenqualität höher gewichtet werden als die geringfügigen Korrosionsvorteile von Al–Mg-Legierungen.
Fertigungseigenschaften
Schweißbarkeit
3010 ist gut schweißbar mit konventionellen Schmelzverfahren wie TIG (GTAW) und MIG (GMAW). Übliche Zusatzwerkstoffe sind Al-4043 (Al–Si) oder Al-5356 (Al–Mg), abhängig von Grundwerkstoffzusammensetzung, gewünschter Verbindungsdehnung und Nachbearbeitung. Das Risiko von Heißrissen ist im Vergleich zu hochkupfer- oder hochfesten Legierungen gering, dennoch sind gute Schweißnahtgestaltung und Vorreinigung essenziell, um Porosität und Oxideinschlüsse zu vermeiden. Das Erweichen der Schweißwärmezone ist für 3xxx-Legierungen kein vorrangiges Problem, jedoch kann lokal ein Verlust der Kaltverfestigung bei H-Zuständen in der Nähe von Nähten auftreten.
Zerspanbarkeit
Die Zerspanbarkeit von 3010 ist mäßig bis ordentlich; sie lässt sich besser bearbeiten als viele hochfeste Aluminiumlegierungen, ist aber nicht so gut zerspanbar wie einige blei- oder hochsiliziumhaltige Legierungen. Werkzeuge mit Hartmetallschneiden und positivem Freiwinkel, kontrollierte Vorschübe und höhere Schnittgeschwindigkeiten erzeugen gute Oberflächen und lange Werkzeugstandzeiten. Bei optimalen Schnittparametern sind die Späne meist kurz bis mittelgroß; Anbackungen und Schneidkantenbildung lassen sich durch geeignete Kühlschmierstoffe und Schnittgeschwindigkeiten reduzieren.
Umformbarkeit
Die Umformbarkeit in O- und leichten H-Zuständen ist ausgezeichnet, ermöglicht Tiefziehen, Rollformen und komplexe Biegungen mit engen Radien. Empfohlene minimale Innenbiegeradien hängen vom Zustand und der Dicke ab, aber die übliche Auslegung bei tiefgezogenen Blechen verwendet r/t-Verhältnisse von 0,5–1,5 in geglühten Zuständen und größere Radien in H16–H18-Zuständen, um Risse zu vermeiden. Die Legierung spricht gut auf inkrementelle Umformverfahren und Streckumformen an, Federverhalten ist moderat und kann mit Standard-Aluminium-Modellen gut vorausberechnet werden.
Verhalten bei Wärmebehandlung
Als Legierung der 3xxx-Serie ist 3010 grundsätzlich nicht wärmebehandelbar zur Festigkeitssteigerung; es gewinnt keine nennenswerte Festigkeit durch konventionelle Lösungsglühen- und Alterungszyklen wie bei 6xxx- und 7xxx-Legierungen. Versuche mit T6-ähnlichen Wärmebehandlungen erzeugen nicht die charakteristische Ausscheidungshärtung dieser anderen Familien und werden selten spezifiziert.
Die Festigkeitssteuerung erfolgt über kontrollierte Kaltverfestigung und Glühen: Vollglühen (O) stellt Duktilität wieder her, während Teilglühungen oder Stabilisierungsglühen ein Zielgleichgewicht aus Duktilität und Festigkeit einstellen. Die Rekristallisation während des Glühens wird durch Mn und Spurenelemente beeinflusst; Prozesskontrolle von Ofentemperatur und -zeit ist notwendig, um eine gleichmäßige Mikrostruktur in gewalzten oder stranggepressten Produkten zu gewährleisten.
Leichte natürliche Alterungseffekte (z. B. H32-Stabilisierung) beruhen auf Spannungsabbau und geringfügiger Ausscheidungsclusterbildung, nicht auf echter Ausscheidungshärtung. Für die meisten technischen Anwendungen dienen thermische Prozesse der Spannungsarmung und Maßstabilisierung, nicht der Festigkeitssteigerung.
Hochtemperatureigenschaften
3010 verliert mit steigender Temperatur fortschreitend an Festigkeit, mit deutlichen Einbußen oberhalb von etwa 100–150 °C und erheblicher Erweichung in Richtung 200–300 °C. Die Kriechfestigkeit bei erhöhten Temperaturen ist mäßig, und die Legierung ist nicht für dauerhafte hochtemperaturbelastete Bauteile ausgelegt. Die Oxidation beschränkt sich auf eine dünne Al2O3-Schicht, die die Oberfläche schützt; katastrophale Oxidation ist bei üblichen Einsatztemperaturen nicht zu erwarten.
Schweißnahtwärmezonen zeigen lokale Eigenschaftenänderungen, jedoch keine ausgeprägten Härtungs-/Erweichungseffekte wie bei ausscheidungshärtenden Legierungen. Für kurzzeitige Hochtemperaturbeanspruchungen (z. B. Lackierbackprozesse) toleriert 3010 typische Automobil- und Industrie-Backtemperaturen ohne dauerhaften Verlust der mechanischen Integrität, sofern die Einwirkzeiten und Spitzentemperaturen kontrolliert bleiben.
Konstrukteure sollten die Dauereinsatztemperatur so begrenzen, dass Dehngrenze und Steifigkeit für die Bauteilfunktion akzeptabel bleiben; Langzeiteinsatz oberhalb von ~150 °C erfordert Prüfungen bezüglich Kriechen und Maßhaltigkeit.
Anwendungsbereiche
| Branche | Beispielbauteil | Warum 3010 verwendet wird |
|---|---|---|
| Automobilindustrie | Karosseriebleche, Innenverkleidung | Ausgezeichnete Umformbarkeit und Oberflächenqualität; ausreichende Festigkeit für nicht tragende Bleche |
| Maritime Industrie | Kabinenbeschläge, Zierleisten | Gute atmosphärische Korrosionsbeständigkeit und einfache Fertigung |
| Luft- und Raumfahrt | Nicht-kritische Beschläge, Verkleidungen | Günstiges Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht für Sekundärstrukturen, bei denen Umformung und Kosten eine Rolle spielen |
| Haushaltsgeräte | Kühlschrankbleche, Gehäuse | Oberflächenqualität, Lackierbarkeit und Umformbarkeit |
| Elektronik | Gehäuse, Chassis | Leichtbau mit ausreichender thermischer Leitfähigkeit für passive Wärmeableitung |
3010 wird üblicherweise dort spezifiziert, wo Umformkomplexität, Oberflächenoptik und allgemeine Korrosionsbeständigkeit wichtig sind und wo hochfeste wärmebehandelbare Legierungen unnötig oder für die Umformprozesse nachteilig wären. Die Legierung findet wiederkehrend Anwendung in Branchen, die kostengünstiges, gut verformbares Blech mit akzeptabler struktureller Leistungsfähigkeit für nicht-kritische Einsatzfälle schätzen.
Auswahlhinweise
3010 liegt im praktischen Mittelbereich für Ingenieure, die sich zwischen Aluminium mit kommerzieller Reinheit und höherfesten Legierungen entscheiden. Im Vergleich zu 1100 geht 3010 zwar mit einem geringeren elektrischen und thermischen Leitwert einher, bietet jedoch deutlich höhere Streckgrenze und Zugfestigkeit bei gleichzeitig guter Umformbarkeit und ähnlicher allgemeiner Korrosionsbeständigkeit.
Im Vergleich zu gängigen, durch Kaltumformung gehärteten Legierungen wie 3003 oder 5052 bietet 3010 typischerweise eine vergleichbare Umformbarkeit und ähnliches Korrosionsverhalten; die Wahl richtet sich nach feinen Unterschieden in Festigkeit, Beschichtbarkeit und Verfügbarkeit im Walzwerk. Gegenüber wärme behandelbaren Legierungen wie 6061 oder 6063 weist 3010 eine geringere Höchstfestigkeit auf, stellt allerdings oft eine überlegene Umformbarkeit sowie geringere Kosten in den Vordergrund, was es für komplex geformte Bauteile und Fälle empfiehlt, bei denen die Endfestigkeit durch Kaltumformung statt durch Auslagern erzielt wird.
Wählen Sie 3010, wenn im Design Tiefziehen, Oberflächenqualität und Kosteneffizienz im Vordergrund stehen und eine höchste Festigkeit durch Alterung nicht erforderlich ist; für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Ermüdungsfestigkeit, Temperaturbeständigkeit oder maximale strukturelle Festigkeit sind alternative Legierungen zu spezifizieren.
Zusammenfassung
3010 bleibt eine relevante und praxisgerechte Aluminiumlegierung für den modernen Ingenieureinsatz, wenn eine ausgewogene Kombination aus Umformbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und mäßiger Festigkeit gefordert ist; seine nicht wärmebehandelbare, manganbasierte Legierungszusammensetzung ermöglicht eine vorhersehbare und wirtschaftliche Verarbeitung von Blechen, Platten und Tiefziehkomponenten in verschiedensten Industriezweigen.