Aluminium 2011: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungen
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Umfassender Überblick
Die Legierung 2011 gehört zur 2xxx-Reihe der warmverformbaren Aluminium-Kupfer-Legierungen und wird häufig als zerspanungsoptimierte Variante der kupferhaltigen Familie bezeichnet. Die Chemie basiert auf einem hohen Kupferanteil, ergänzt durch geringe gezielte Zusätze von Blei und/oder Wismut, um den Spanbruch und eine außergewöhnliche Zerspanbarkeit zu fördern. Der Festigkeitsmechanismus beruht hauptsächlich auf wärmevergütbarer Ausscheidungshärtung (Lösungswärmebehandlung gefolgt von Abschrecken und künstlichem Altern), obwohl auch der Raumtemperaturzustand und Kaltverfestigungszustände weit verbreitet für Umform- und Zerspanungsprozesse verwendet werden.
Wesentliche Merkmale von 2011 sind hohe Zerspanbarkeit, eine für eine gängige warmverformbare Legierung angemessen hohe Festigkeit nach geeigneter Wärmebehandlung, mäßige Korrosionsbeständigkeit im Vergleich zu reinem Aluminium sowie eingeschränkte Schweißbarkeit unter vielen Bedingungen wegen niedrigschmelzender Einschlüsse. Typische Branchen, die 2011 nutzen, sind die Automobilindustrie, elektrische/elektronische Steckverbinder, präzisionsbearbeitete Komponenten und Konsumgüter, bei denen hohe Stückzahlen gezeichnet werden müssen. Ingenieure wählen 2011, wenn der Produktionsprozess schnelle, stabile Zerspanungszyklen und ein gutes Festigkeits-Kosten-Verhältnis priorisiert, wobei Abstriche bei Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit im Vergleich zu anderen Aluminiumfamilien in Kauf genommen werden.
Die Wahl von 2011 wird oft durch Fertigungskostengesichtspunkte und den Wunsch motiviert, komplexe gedrehte oder gefräste Teile mit langer Werkzeugstandzeit und vorhersagbarer Spanzerlegung herzustellen. In Anwendungen, in denen nach der Bearbeitung hohe Festigkeit erforderlich ist, kann die Legierung durch Wärmebehandlung auf T3/T6-Zustände gebracht werden, um Streckgrenze und Zugfestigkeit zu erhöhen. Für Bauteile, die umfangreiche Umformungen oder Schweißprozesse erfordern, werden üblicherweise alternative Legierungen der 5xxx- oder 6xxx-Reihe bevorzugt.
Ausführungszustände
| Ausführungszustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch | Ausgezeichnet | Mittel | Vollständig geglüht; beste Umformbarkeit und Spannungsabbau für Zerspanungseinrichtungen |
| H12 | Mittel-niedrig | Mittel | Gut | Mittel | Teilweise kaltverfestigt zur Erhöhung der Stabilität während der Zerspanung |
| H14 | Mittel | Mittel-niedrig | Mäßig | Mittel | Gängiger Ziehzustand mit guter Maßhaltigkeit |
| H16 | Mittel | Niedrig | Begrenzt | Mittel | Stärkere Kaltverfestigung; eingesetzt für steife Drehteile |
| T3 | Mittel-hoch | Niedrig | Begrenzt | Schlecht | Lösungsgehandhabt, kaltverformt und natürlich gealtert; Balance zwischen Festigkeit und Stabilität |
| T4 | Mittel-hoch | Niedrig | Begrenzt | Schlecht | Lösungsglühen und natürlich gealtert; verwendet wenn Umformen gefolgt von Zerspanung nötig ist |
| T6 | Hoch | Niedrig | Begrenzt | Schlecht | Lösungsgehandhabt und künstlich gealtert; höchste kommerzielle Festigkeit für 2011 |
Der Ausführungszustand hat einen starken Einfluss auf die Leistung von 2011, indem er Festigkeit und Duktilität gegen Zerspan- und Umformbarkeit abwägt. Das geglühte (O) Material bietet die besten Umformeigenschaften und kann anschließend für Zerspanungseinrichtungen kaltverfestigt werden, während die T‑Zustände die Festigkeit auf Kosten von Dehnung und Biegeumformbarkeit maximieren.
Die Wahl des Ausführungszustands ist daher sowohl eine Fertigungs- als auch eine Konstruktionsentscheidung: Wählen Sie O/H‑Zustände bei erforderlicher Umformung oder Tiefziehen und T‑Zustände bei kritischer Maßhaltigkeit und höherer statischer Festigkeit nach der Bearbeitung.
Chemische Zusammensetzung
| Element | % Bereich | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Si | 0,4–0,9 | Kontrolliert Gieß-/Erstarrungsverhalten; geringer Einfluss auf Festigkeit |
| Fe | 0,4–0,9 | Häufiges Verunreinigungselement; bildet intermetallische Phasen, die Zerspanbarkeit und Bruch beeinflussen können |
| Mn | 0,4–1,0 | Modifiziert die Kornstruktur; verbessert Festigkeit und Zähigkeit |
| Mg | 0,05–0,20 | Geringe Mengen; geringer Festigkeitsbeitrag |
| Cu | 4,0–6,0 | Hauptfestigungselement durch Ausscheidungshärtung |
| Zn | 0,25–0,50 | Geringer Anteil; kann Festigkeit leicht erhöhen |
| Cr | 0,05–0,20 | Reguliert Kornstruktur und Rekristallisationsverhalten |
| Ti | 0,05–0,20 | Kornfeiner für Guss- und Warmverformungsprodukte |
| Andere (Pb, Bi) | Pb: 0,4–1,6; Bi: 0,4–1,2 | Geplante zerspanungsverbessernde Elemente; erzeugen weiche Einschlüsse, die den Spanbruch fördern |
Der hohe Kupfergehalt treibt das wärmebehandelbare Verhalten von 2011 maßgeblich an, da während des künstlichen Alterns Al2Cu (θ') Ausscheidungen gebildet werden, die eine deutlich höhere Festigkeit als reine oder auf Mn/Mg basierende Legierungen bewirken. Blei und Wismut werden gezielt in kontrollierten Mengen beigemischt, um diskrete niederschmelzende, weiche Einschlüsse zu erzeugen, die die Zerspanbarkeit durch Förderung der Spansegmentierung verbessern; diese Einschlüsse schränken jedoch die Schweißbarkeit ein und können die Korrosionsbeständigkeit negativ beeinflussen. Spurenelemente wie Mn, Ti und Cr steuern die Korngröße und Rekristallisation, um mechanische Gleichmäßigkeit und Umformbarkeit zu optimieren.
Mechanische Eigenschaften
Die Legierung 2011 zeigt ein breites Spektrum mechanischer Eigenschaften, abhängig von Ausführungszustand, Dicke und Nachbearbeitung. Im geglühten (O) Zustand weist die Legierung gute Duktilität und moderate Festigkeit auf, was sie für Umformoperationen und anschließende Zerspanung geeignet macht. Nach Lösungsglühen und künstlichem Altern (T6-ähnliche Zustände) entwickelt 2011 deutlich höhere Streck- und Zugfestigkeiten durch kupferreiche Ausscheidungen, allerdings auf Kosten reduzierter Dehnung und geringerer Biegeumformbarkeit.
Die Dauerfestigkeit von 2011 ist mittelmäßig und sehr empfindlich gegenüber Oberflächenbeschaffenheit, Bearbeitungsmarkierungen und Eigenspannungen; bearbeitete und polierte Oberflächen verlängern die Dauerfestigkeit erheblich. Das Verhalten dicker Querschnitte kann im Vergleich zu dünnen Abschnitten reduziert sein, bedingt durch langsamere Abschreckgeschwindigkeiten und nicht gleichmäßig stattfindendes Altern; Querschnitte oberhalb typischer Stab- oder Rundstahl-Durchmesser können niedrigere Festigkeit und Zähigkeit zeigen, wenn Abschrecken und Altern nicht optimiert werden.
| Eigenschaft | O/Geglüht | Wichtiger Zustand (T6/T3) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit | 95–160 MPa | 310–380 MPa | Zugwerte variieren mit Bauteildicke und Alterungsprozess |
| Streckgrenze | 50–110 MPa | 240–330 MPa | Streckgrenze steigt nach Lösungsglühen + Altern deutlich an |
| Dehnung | 18–30 % | 6–12 % | Duktilität nimmt mit zunehmendem Ausführungszustand/Festigkeit ab |
| Härte (HB) | 30–60 HB | 100–140 HB | Brinell-Härte steigt in wärmebehandelten Zuständen; Härte korreliert mit Zugfestigkeit |
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Dichte | 2,78 g/cm³ | Etwas höher als bei einigen Aluminium-Magnesium-Legierungen aufgrund des Kupfergehalts |
| Schmelzbereich | ~500–640 °C | Eutektikum und lokale Schmelzbereiche beeinflusst durch Pb/Bi-Einschlüsse und kupferreiche Phasen |
| Wärmeleitfähigkeit | 100–140 W/m·K | Niedriger als reines Al durch Legierungselemente und Einschlüsse; variiert mit Ausführungszustand |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~30–40 % IACS | Deutlich reduziert im Vergleich zu kommerziell reinem Aluminium durch Cu und Pb/Bi |
| Spezifische Wärmekapazität | ~0,88–0,92 J/g·K | Typisch für Aluminiumlegierungen bei Raumtemperatur |
| Thermische Ausdehnung | 23–24 µm/m·K | Typischer Ausdehnungskoeffizient für warmverformbare Aluminiumlegierungen |
Physikalisch verhält sich 2011 wie andere mittelstarke Aluminiumlegierungen, jedoch sind Wärme- und elektrische Leitfähigkeit durch Legierungselemente und zerspanungsverbessernde Zusätze reduziert. Die Dichte ist leicht höher als bei vielen 5xxx/6xxx-Legierungen aufgrund des Kupferanteils; Konstrukteure sollten dies bei gewichtskritischen Anwendungen berücksichtigen. Die Wärmebehandlung muss sorgfältig gesteuert werden, um lokales Schmelzen der Pb/Bi-Phasen während Wärmebehandlung oder Schweißprozessen zu vermeiden und eine gleichmäßige mechanische Eigenschaft über die Bauteildicke sicherzustellen.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Übliche Zustände | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,5–6,0 mm | Festigkeit durch Dicke begrenzt; gute Umformbarkeit im Zustand O | O, H14, H16 | Verwendet für flachgezogene Teile und Zuschnittskomponenten |
| Platte | 6–25 mm | Dickere Abschnitte zeigen geringere Abschreckempfindlichkeit | O, T3 | Weniger gebräuchlich; erfordert sorgfältige Wärmebehandlung |
| Strangpressprofil | 4–80 mm (Profile) | Eigenschaften abhängig von Querschnitt und Abschreckung | O, T4, T6 | Profile für bearbeitete Komponenten und Strukturteile |
| Rohr | 1–20 mm Wandstärke | Gute Maßhaltigkeit; Bearbeitbarkeit erhalten | O, H14 | Verwendet für Armaturen und Drehteile |
| Stange/Rundstahl | 3–100 mm Durchmesser | Häufigste Form für Hochgeschwindigkeitszerspanung | O, H12, H14, T3/T6 | Bevorzugt für Schraubendrehteile und Drehteile wegen konstanter Spanbildung |
Blech und Platte werden hauptsächlich für Umformteile und leichte Strukturbauteile verarbeitet, während Stange und Rundstahl die dominierende Form für automatisierte Massenbearbeitung darstellen, da die spanabhebenden Eigenschaften von 2011 am besten bei Dreh- oder Frästeilen genutzt werden. Strangpressprofile bieten komplexe Querschnitte, erfordern jedoch sorgfältige Abschreck- und Alterungsvorgänge, um einheitliche T-Zustände zu erzielen. Dicke Querschnitte verlangen langsameres Abkühlen oder modifizierte Alterungszyklen, um weiche Zonen zu vermeiden und reproduzierbare mechanische Eigenschaften zu gewährleisten.
Äquivalente Werkstoffbezeichnungen
| Norm | Werkstoff | Region | Hinweise |
|---|---|---|---|
| AA | 2011 | USA | UNS A92011; häufig referenziert in nordamerikanischen Spezifikationen |
| EN AW | — | Europa | Kein direktes EN AW-Äquivalent aufgrund der blei-/wismutfreien Spanabhebchemie; Ersatzstoffe erfordern Prozessvalidierung |
| JIS | A2011 | Japan | Ähnliche Bezeichnung im JIS-Standard, aber Zusammensetzungskontrolle und Pb/Bi-Grenzwerte variieren je nach Spezifikation |
| GB/T | 2A01 | China | Lokale Normen listen vergleichbare spanabhebende Kupferlegierungen; sorgfältige Überprüfung der Zusammensetzung notwendig |
Ein perfektes internationales 1:1-Pendant zu 2011 gibt es nicht, da viele Standards wegen Umwelt- und Gesundheitsvorschriften die Zugaben von Blei und Wismut beschränken oder verbieten. Wo Ersatzstoffe nötig sind, wählen Ingenieure oft anders legierte spanabhebende Werkstoffe (z. B. blei-freie 2011A-Varianten oder andere Cu-haltige Legierungen) und prüfen deren Bearbeitbarkeit, Korrosionsverhalten und Wärmebehandlungsverhalten. Materialzertifikate und Werksprüfberichte sollten sorgfältig geprüft werden, wenn außerhalb der ursprünglichen Normregion eingekauft wird.
Korrosionsbeständigkeit
Die atmosphärische Korrosionsbeständigkeit von 2011 ist moderat und hängt vom Zustand und der Oberflächenbeschaffenheit ab; die Legierung bildet eine schützende Al2O3-Schicht, aber kupferreiche intermetallische Phasen sowie Pb/Bi-Einschlüsse erzeugen mikrogalvanische Stellen, die lokal verstärkte Angriffe begünstigen können. In typischen städtischen oder Innenraumumgebungen weist die Legierung akzeptables Verhalten auf, wenn sie durch Beschichtungen, Eloxieren oder Lack geschützt wird; unbehandelte Anwendungen zeigen hingegen eher Lochfraß und Spaltkorrosion als 5xxx- oder 6xxx-Serienlegierungen.
In marinen oder stark chloridhaltigen Umgebungen schneidet 2011 schlechter ab als Al-Mg (5xxx) und viele 6xxx Legierungen, mit beschleunigter Lochfraßbildung und potenzieller Schuppenbildung an beanspruchten Oberflächen. Salzsprühtests und längerdauernde Tauchversuche zeigen oft, dass Schutzmaßnahmen und Legierungsaustausch für Bauteile im Dauereinsatz im Meer sinnvoll sind.
Die Anfälligkeit für spannungsrisskorrosion ist im Vergleich zu niedrigkupferhaltigen Legierungen erhöht; zugbelastete Eigenspannungen in Verbindung mit korrosiven Medien können interkristalline Angriffe vor Rissspitzen verursachen, besonders in überalterten oder unsachgemäß behandelten Bereichen. Galvanisch ist 2011 anodisch zu gebräuchlichen rostfreien Stählen und Edelmetallen, daher werden Isolierung oder Opferanoden empfohlen, wenn Kontakt mit unterschiedlichen Metallen nicht vermieden werden kann.
Fertigungseigenschaften
Schweißbarkeit
Das Schweißen von 2011 ist generell anspruchsvoll wegen der Blei- und Wismuteinschlüsse, die Porosität und lokale Schmelzvorgänge beim Fusionsschweißen fördern. Übliche TIG-/MIG-Verfahren führen oft zu schwachen, porösen Schweißnähten und deutlicher Wärme-unterlagerung (HAZ) mit Verminderung der Festigkeit; deshalb wird Schweißen bei kritischen Verbindungen meist vermieden oder erfordert vorqualifizierte Zusatzwerkstoffe und Prozesskontrollen. Wo Schweißen unvermeidbar ist, können Verfahren mit geringem Wärmeeintrag, Rückgasabschirmung und spezielle Zusatzwerkstoffe (Al-Cu-Füller mit guter Verträglichkeit) Risiken von Rissbildung und Festigkeitsverlust mindern, aber nicht vollständig ausschließen.
Spanbarkeit
Die Spanbarkeit ist der wichtigste Fertigungsvorteil von 2011 und gehört zu den besten unter den kommerziellen Aluminiumlegierungen, bedingt durch Pb-/Bi-Zugaben, die kurze, kontrollierbare Späne und niedrige Schnittkräfte ermöglichen. Hartmetallwerkzeuge mit positivem Spanwinkel, Schnellarbeitsstahl für kleinere Losgrößen sowie moderne Beschichtungen (TiN/TiAlN) bieten ausgezeichnete Werkzeugstandzeiten bei hohen Schnittgeschwindigkeiten. Üblich sind hohe Vorschübe, moderate Schnitttiefen sowie Spanbrecher oder segmentierte Werkzeuggeometrien, um die Spanzerlegungseigenschaften der Legierung zu nutzen und Oberflächenverfestigung zu minimieren.
Umformbarkeit
Umformen gelingt am besten im weichgeglühten Zustand O, da hier Duktilität und Dehnung maximal sind; Biegeradien von 2–4× Blechdicke sind im Zustand O ohne Rissbildung erreichbar. Kaltumformung und T-Zustände verringern deutlich die Umformbarkeit und erhöhen den Rückfedereffekt, weshalb inkrementelles oder Warmumformen für komplexe Geometrien empfehlenswert sind. Tiefziehen und Streckumformen sind in O- und H-weichen Zuständen möglich, in T-Zuständen hingegen limitiert aufgrund erhöhter Rissgefahr und schlechter Biegeeigenschaften.
Wärmebehandlungsverhalten
Als wärmebehandelbare Cu-haltige Legierung reagiert 2011 auf konventionelles Lösungs- und Temperaturhärten, wobei Pb/Bi-Zugaben den Wärmeübergang und Schmelzpunktverlauf erschweren. Die Lösungsbehandlung erfolgt typischerweise bei ca. 495–520 °C, um Cu in feste Lösung zu bringen, gefolgt von schnellem Abschrecken zur Erhaltung der übersättigten Matrix; dabei ist zu vermeiden, dass lokal Schmelzphasen entstehen oder Verzug auftritt.
Künstliches Altern zur Erzielung von T6-ähnlichen Eigenschaften erfolgt meist bei 150–190 °C über mehrere Stunden, wobei feine Al2Cu-Ausscheidungen die Streckgrenze und Zugfestigkeit stark erhöhen. Natürliches Altern und T3-ähnliche Zustände (lösungsgeglüht, kaltverformt, natürlich gealtert) liefern Zwischeneigenschaften mit besserer Maßhaltigkeit. Überalterung reduziert den Spitzenfestigkeitswert, kann jedoch Spannungsrisskorrosion minimieren; aufgrund der spanabhebenden Bestandteile müssen Alterungszyklen gegenüber Standard-Al-Cu-Legierungen angepasst werden, um Versprödung der Einschlüsse zu verhindern.
Für nicht wärmebehandelbare Zustände (H-Zustände) wird Kaltverfestigung zur Erhöhung von Festigkeit und Stabilität eingesetzt; das Glühen zum Zustand O macht das Material wieder vollumfänglich weich für Umformung oder zur Spannungsrelaxierung vor der Präzisionsbearbeitung.
Hochtemperatureinsatz
2011 verliert bei erhöhten Temperaturen deutlich an Festigkeit, die mechanischen Eigenschaften verschlechtern sich schnell oberhalb von ca. 150–200 °C, da kupferbasierte Ausscheidungen größer werden und sich auflösen. Langfristiger Betrieb nahe oder über den typischen Alterungstemperaturen führt zu Überalterung, Erweichung und Maßinstabilität; daher wird Dauereinsatz bei hohen Temperaturen nicht empfohlen.
Die Oxidation wird durch den schützenden Aluminiumoxidschutz begrenzt, jedoch können bei hohen Temperaturen Kupferanteile zu aggressiveren Grenzflächenreaktionen und Schichtbildung bei zyklischer Erwärmung führen. Wärmeeinflussbereiche beim Schweißen oder lokalem Erhitzen sind besonders anfällig für Erweichung und mikrostrukturelle Inhomogenitäten, wodurch Kriech- und Ermüdungsbeständigkeit in diesen Zonen abnimmt.
Konstrukteure sollten Langzeitbetriebstemperaturen unterhalb des Alterungsbereichs des jeweiligen Zustands halten und bei kurzzeitigen Heißzyklen oder intermittierend erhöhten Temperaturen anwendungsspezifische Prüfungen durchführen.
Anwendungen
| Branche | Beispielkomponente | Warum 2011 verwendet wird |
|---|---|---|
| Automobilindustrie | Befestigungselemente, kleine bearbeitete Fittings | Hervorragende Hochgeschwindigkeitsbearbeitung reduziert Zykluszeit und Kosten |
| Elektronik | Steckergehäuse, Anschlusskörper | Bearbeitbar, ausreichende elektrische Leitfähigkeit, mit Beschichtung für Leitfähigkeit/Kontaktfähigkeit geeignet |
| Haushaltsgeräte | Schrauben, Knöpfe, Zierleisten | Gute Oberflächenqualität und wirtschaftliche Fertigung bei Schnelldrehteilen |
| Werkzeug- & Maschinenbau | Buchsen, präzise gedrehte Bolzen | Maßstabilität und Erreichbarkeit enger Toleranzen nach der Bearbeitung |
2011 wird am häufigsten für Teile gewählt, die in großen Stückzahlen durch Drehen, Fräsen oder Bohren gefertigt werden, da die Bearbeitbarkeit die Stückkosten wesentlich beeinflusst. In beschichteten oder galvanisierten Ausführungen kann 2011 auch in elektrischen oder dekorativen Anwendungen eingesetzt werden, in denen Basisleistung ausreichend ist und die Oberflächenveredelung erforderlichen Korrosions- oder Leitfähigkeitschutz bietet.
Auswahlhinweise
Wählen Sie 2011, wenn bei der Herstellung besonders hohe Zerspanbarkeit, kurze Durchlaufzeiten und eine angemessene Festigkeit nach entsprechender Vergütung im Vordergrund stehen. Die Kosten- und Zerspanungsvorteile sind besonders überzeugend für serienmäßig hergestellte Drehteile und Gehäuse von elektrischen Steckverbindern, bei denen Beschichtungen oder Galvanisierung die Korrosionsbegrenzungen ausgleichen können.
Im Vergleich zu technisch reinem Aluminium (1100) bietet 2011 höhere Festigkeit und bessere Zerspanbarkeit, jedoch auf Kosten einer geringeren elektrischen/thermischen Leitfähigkeit und etwas eingeschränkter Umformbarkeit. Im Vergleich zu kaltverfestigten Legierungen wie 3003 oder 5052 erreicht 2011 nach Wärmebehandlung eine höhere Festigkeit, zeigt aber eine geringere Korrosionsbeständigkeit und schlechteres Schweißverhalten. Gegenüber wärmebehandelbaren 6xxx-Legierungen (6061/6063) wird 2011 bevorzugt, wenn die hervorragenden Zerspanungseigenschaften und wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen und die höheren Höchstfestigkeiten sowie die bessere Korrosionsbeständigkeit der 6xxx-Legierungen weniger wichtig sind.
Für Einkäufer und Ingenieure bestehen die wesentlichen Kompromisse in der Zerspanbarkeit gegenüber Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit; falls Schweißen oder ein Einsatz in aggressiven Umgebungen erforderlich ist, sollten alternative Legierungen in Betracht gezogen oder Schutzbeschichtungen und konstruktive Isolationsmaßnahmen angewendet werden.
Abschließende Zusammenfassung
Die Legierung 2011 bleibt ein Arbeitspferd für präzise, hochvolumige Zerspanungsanwendungen, bei denen ihre einzigartige zerspanoptimierte Chemie außergewöhnliche Fertigungseffizienz und ausreichende Festigkeit nach Wärmebehandlung ermöglicht. Obwohl Abstriche bei Korrosionsbeständigkeit und Schweißbarkeit gemacht werden müssen, sichern ihre wirtschaftlichen und produktiven Vorteile ihre Relevanz für viele Komponenten im Automobilbau, der Elektronik und Konsumgüterindustrie, vorausgesetzt, dass eine angemessene Konstruktion und Oberflächenbehandlung angewendet werden.