Aluminium 8111: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungsgebiete
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Umfassender Überblick
Legierung 8111 gehört zur breiten 8xxx-Serie von Aluminiumlegierungen, einer Familie, die mehrere nicht-traditionelle kommerzielle Aluminiumchemien umfasst, die oft für Automobil- und industrielle Blechanwendungen maßgeschneidert sind. In der Industrie wird 8111 als hochfeste, wärmebehandelbare Blechlegierung positioniert, die für Karosseriebleche (Body-in-White) und Verschlussbleche entwickelt wurde, bei denen ein ausgewogenes Verhältnis von Umformbarkeit, Bake-Härte-Ansprechverhalten und Korrosionsbeständigkeit erforderlich ist.
Die Hauptlegierungselemente in typischen 8111-Varianten sind Kupfer, Magnesium und Silizium mit kontrollierten Gehalten an Eisen und Mangan; Spurenelemente wie Titan und Chrom werden zur Kornfeinung eingesetzt. Der Festigkeitsmechanismus beruht überwiegend auf dem Alterungshärten (Ausscheidungshärten) nach Lösungsglühen und künstlicher Alterung, ergänzt durch kontrollierte Kaltumformung in bestimmten Zuständen, um die Streckgrenze und das Bake-Härte-Verhalten einzustellen.
Wesentliche Eigenschaften von 8111 sind eine erhöhte Höchstfestigkeit im Vergleich zu üblichen 1xxx–5xxx-Blechen, gute Umformbarkeit bei weicheren Zuständen und eine konstruktive Betonung der Stabilität der Lackbackhärtung für die Automobilfertigung. Die Korrosionsbeständigkeit ist für atmosphärische Einflüsse im Allgemeinen gut, hängt jedoch von der Oberflächenvorbereitung und Nachbehandlungen nach dem Umformen ab; die Schweißbarkeit ist akzeptabel, wenn Standard-Aluminium-Fülldrähte und Verfahren verwendet werden, wobei jedoch eine Erweichung der Wärmeeinflusszone (WEZ) auftreten kann.
Typische Anwendungsbranchen für 8111 sind die Automobilindustrie (äußere Karosseriebleche und Verschlüsse), Transportaufbauten und ausgewählte Gerätebleche, bei denen das Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht und Lackierbarkeit wichtig ist. Ingenieure wählen 8111 gegenüber Legierungen mit geringerer Festigkeit, wenn ein Fertigungsweg eine Kombination aus Umformbarkeit beim Stanzen, Bake-Härtung und höherer Einsatzfestigkeit ohne Umstieg auf schwerere oder teurere Serien wie 7xxx erfordert.
Temperzustände
| Temperzustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch (20–35%) | Ausgezeichnet | Ausgezeichnet | Vollständig geglüht; am einfachsten zu formen. |
| H14 | Mittel | Mittel (12–20%) | Gut | Gut | Kaltverfestigt; verwendet für moderate Festigkeit beim Stanzen. |
| T4 | Mittel-Hoch | Mittel (10–18%) | Gut | Gut | Lösungsglühen und natürliche Alterung; gute Bake-Reaktion. |
| T6 | Hoch | Niedrig-Mittel (8–14%) | Befriedigend | Gut | Lösungsglühen und künstliche Alterung für Höchstfestigkeit. |
| T8 | Hoch | Niedriger (6–12%) | Begrenzt | Gut | Lösungsglühen, kaltverfestigt und künstlich gealtert; höhere Streckgrenze/Zähigkeit. |
| T351 / T651 | Hoch | Mittel-Niedrig (8–15%) | Befriedigend | Gut | Spannungsarmgeglühte Zustände für verbesserte Stabilität nach Abschrecken und Dehnen. |
Der Temperzustand hat einen starken, vorhersagbaren Einfluss auf die Leistung von 8111, da die Legierung wärmebehandelbar ist und auf kombinierte thermische und mechanische Verarbeitung reagiert. Konstrukteure wählen weichere Zustände (O, T4) zum Tiefziehen und Strecken, und wechseln zu T6/T8 bei Bedarf nach höherer statischer Festigkeit und reduzierter Rückstellung.
Fertigungsabläufe nutzen Temperübergänge: Bauteile können in T4 oder O geformt und während der Lackbackzyklen gealtert werden, um höhere Einsatzfestigkeit zu erreichen. Diese Bake-Härte-Fähigkeit ist ein Hauptgrund für die Verwendung von 8111 bei äußeren Karosserieblechen, wo Umformen gefolgt von Aushärtung Standard ist.
Chemische Zusammensetzung
| Element | % Bereich | Hinweise |
|---|---|---|
| Si | 0.2–1.0 | Si verbindet sich mit Mg und bildet während der Alterung Mg2Si-Ausscheidungen. |
| Fe | 0.2–1.0 | Fe ist weitgehend ein Verunreinigungsstoff, der Intermetallische bildet und bei hohen Gehalten die Verformbarkeit reduziert. |
| Mn | 0.00–0.50 | Mn verfeinert die Korngröße und verbessert Festigkeit und Zähigkeit geringfügig. |
| Mg | 0.3–1.2 | Mg ist ein zentrales Alterungselement, das mit Si zur Ausscheidungsverstärkung kombiniert wird. |
| Cu | 0.2–1.5 | Cu erhöht Festigkeit und Bake-Härte-Antwort, kann allerdings die Korrosionsbeständigkeit verringern. |
| Zn | 0.00–0.5 | Zn ist meist niedrig; höhere Gehalte verstärken das Verhalten in Richtung 7xxx-Serie und werden vermieden. |
| Cr | 0.00–0.20 | Cr kann die Rekristallisation kontrollieren und trägt zur Stabilität der Kornstruktur bei. |
| Ti | 0.00–0.15 | Ti wird zur Kornfeinung in Guss- und gewalzten Produkten eingesetzt. |
| Sonstige (einschl. Al Rest) | Rest | Kleine Zusätze (z.B. Zr, Li in Spezialvarianten) können vorhanden sein; Al bildet den Rest. |
Das Gleichgewicht zwischen Mg, Si und Cu steuert die Ausscheidungsfolge, die Höchsthärte und das Bake-Härte-Verhalten von 8111. Kleine Mengen Fe und Mn beeinflussen die Intermetall-Morphologie und die Verarbeitbarkeit, während Spurenelemente wie Ti/Cr beabsichtigte Mikrolegierungszusätze zur Kornstabilisierung während Walzen und Glühen sind.
Mechanische Eigenschaften
Das Zugverhalten von 8111 zeigt nach Lösungsglühen und künstlicher Alterung einen ausgeprägten Anstieg, wobei Streckgrenze und Zugfestigkeit im Vergleich zum geglühten Zustand deutlich steigen. In weicheren Zuständen zeigt 8111 eine ausgezeichnete gleichmäßige Dehnung und gute Umformgrenzen, geeignet für komplexe Umformteile, während Spitzenzustände höhere Rm/Rp0,2-Verhältnisse, aber reduzierte Gesamtdehnung und Biegsamkeit liefern.
Die Härte folgt dem gleichen Muster: Das geglühte Blech ist relativ weich und bearbeitbar, während T6- und T8-Zustände deutlich höhere Härte und bessere Ermüdungsfestigkeit unter statischer Belastung erzeugen. Das Ermüdungsverhalten wird beeinflusst durch Oberflächenbeschaffenheit, Restspannungszustand nach Umformen/Schweißen und Temperzustand; WEZ-Erweichung neben Schweißnähten kann eine Ermüdungsinitiierung darstellen, weshalb Konstruktion und Nachbehandlung wichtig sind.
| Eigenschaft | O/Geglüht | Schlüsseltemper (T6 / T4) | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit (MPa) | 100–140 | 240–320 | Abhängig von Lieferant und Blechdicke; Automobilbleche zielen auf obere Bereich nach Backen. |
| Streckgrenze (MPa) | 30–70 | 120–240 | Bake-Härtung und Kaltverfestigung erhöhen die Streckgrenze erheblich. |
| Dehnung (%) | 20–35 | 8–18 | Dehnung nimmt mit zunehmender Festigkeit ab; Dickenabhängigkeiten vorhanden. |
| Härte (HB) | 20–40 | 60–110 | Härte korreliert mit Ausscheidungsverteilung; gemessene Werte abhängig von Prüfmethode. |
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Hinweise |
|---|---|---|
| Dichte | 2,69–2,71 g/cm³ | Typische Aluminiumlegierungsdichte; leichte Schwankungen durch Legierungselemente. |
| Schmelzbereich | ~555–650 °C | Solidus–Liquidus abhängig von genauer Zusammensetzung und Verunreinigungen. |
| Wärmeleitfähigkeit | ~140–170 W/m·K | Niedriger als bei reinem Al aufgrund der Legierungselemente; dennoch gut zur Wärmeableitung. |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~28–44 %IACS | Leitfähigkeit reduziert gegenüber 1xxx-Serie; variiert mit Temper und Kupfergehalt. |
| Spezifische Wärme | ~0,90 J/g·K | Typisch für gewalzte Aluminiumlegierungen bei Raumtemperatur. |
| Wärmeausdehnung | ~23–24 µm/m·K (20–100 °C) | Ähnlich wie bei anderen Al-Legierungen; wichtig für Verbundstrukturen mit unterschiedlichen Metallen. |
Das physikalische Eigenschaftsprofil macht 8111 attraktiv, wo geringes Gewicht mit angemessener thermischer und elektrischer Leitfähigkeit kombiniert werden soll. Wärmeausdehnung und Leitfähigkeit sind wichtige Aspekte für Mehrmaterialbaugruppen, insbesondere bei Verklebungen oder Befestigungen an Stählen oder Verbundwerkstoffen.
Der Wärmetransport bleibt wettbewerbsfähig gegenüber gängigen konstruktiven Aluminiumlegierungen und ermöglicht Sekundäranwendungen wie Wärmeverteiler in nicht-kritischen thermischen Funktionen. Die elektrische Leitfähigkeit ist ausreichend für Erdungs- und EMI-Anforderungen, wird jedoch nicht verwendet, wenn hohe IACS-Werte zwingend erforderlich sind.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Übliche Zustände | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,4–2,0 mm | Typische Blechfestigkeiten nach Bake-Härtung in T4/T6 | O, H14, T4, T6 | Hauptkommerzielle Form für äußere Karosseriebleche im Automobilbereich. |
| Platte | 2–10 mm | Ähnliches Ausscheidungshärtungsverhalten, aber dickere Querschnitte erfordern angepasste Wärmebehandlung | T4, T6 | Weniger gebräuchlich; verwendet, wenn dickere Bleche benötigt werden. |
| Strangprofil | Querschnittabhängig | Mechanische Eigenschaften variieren mit Strangpresszustand und Ausscheidungszustand | T4, T6 | Weniger häufig für tragende Strangprofile; verwendet in Spezialprofilen. |
| Rohr | Außendurchmesser/Wandstärke laut Spezifikation | Verhält sich vergleichbar mit Platte/Blech nach Alterungszyklen | O, T6 | Verwendet in Karosseriestrukturen und Fahrgestellrohren, sofern verfügbar. |
| Stab/Stange | Durchmesser laut Spezifikation | Größere Querschnittsdicke führt zu langsamerem Abschrecken und anderer Ausscheidungsverteilung | T4, T6 | Typischerweise von Speziallieferanten für Verbindungselemente und Beschläge hergestellt. |
Unterschiede zwischen Produktformen liegen vor allem in thermischer Masse und Abschreckbarkeit; dünnes Blech erreicht gewünschte Ausscheidungszustände schnell und einheitlich, während dickere Platten und Strangprofile längere Lösungsglühtemperaturen oder modifizierte Abschreck- und Alterungszyklen benötigen. Herstellungsverfahren sind darauf ausgelegt, das Blech in weicheren Zuständen zu formen und dann durch thermische Zyklen (Lackeinbrennvorgang oder künstliche Alterung) die Anforderungen an die Einsatzfestigkeit zu erreichen.
Walzprofilieren, Tiefziehen und Kanten sind dominierende Verfahren für Blech; Strangprofile und Rohre erfordern eher legierungs- und zustandsabhängige Auswahl, um Verzerrungen und mechanische Anisotropie zu kontrollieren.
Äquivalente Werkstoffgüten
| Norm | Güte | Region | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| AA | 8111 | USA | Anerkannte kommerzielle AA-Bezeichnung für Automobilblechvarianten. |
| EN AW | Kein direktes Äquivalent | Europa | Keine eins-zu-eins EN AW-Nummer; das Verhalten ähnelt oft hochfester 6xxx/8xxx Serien. |
| JIS | Kein direktes Äquivalent | Japan | Japanische Lieferanten verwenden oft firmenspezifische Bezeichnungen statt direkter JIS-Entsprechung. |
| GB/T | Kein direktes Äquivalent | China | Chinesische Sorten mit ähnlicher Chemie sind möglich, jedoch ohne genaue Entsprechung; Lieferanten-Abgleich erforderlich. |
Es existiert keine allgemein akzeptierte einheitliche Normäquivalenz für 8111, da die Legierung oft eine Familie eng kontrollierter Chemien ist, die von Lieferanten speziell auf Automobilanforderungen abgestimmt werden. Beim Austausch müssen Ingenieure Chemiebereiche, Zustandsverhalten sowie Lieferantendaten zu Bakehärtung und Umformbarkeit genau abgleichen und sich nicht auf eine einfache Gütebezeichnung verlassen.
Korrosionsbeständigkeit
Die atmosphärische Korrosionsbeständigkeit von 8111 ist in ländlichen und städtischen Umgebungen bei ordnungsgemäßer Lackierung oder Beschichtung generell gut. Das blanke Blech bildet einen schützenden Oxidfilm ähnlich anderen Al-Mg-Si-Legierungen, jedoch kann es in chloridreichen Umgebungen bei Beschädigung der Schutzschicht zu lokaler Lochkorrosion kommen.
Im maritimen Bereich ist das Verhalten anspruchsvoller: Chloridexposition beschleunigt Loch- und Spaltkorrosion, besonders wenn der Kupfergehalt am oberen Grenzwert liegt. Konstruktive Maßnahmen wie Opferanoden, Schutzbeschichtungen oder der Einsatz von Varianten mit niedrigem Kupferanteil vermindern das Risiko mariner Korrosion.
Die Anfälligkeit für Spannungsrisskorrosion (SCC) ist moderat und hängt stark von Zustand und lokalen Eigenspannungen ab; Hoch-Kupfer-Legierungen und überalterte Zustände zeigen erhöhte SCC-Sensitivität. In galvanischen Paarungen ist 8111 gegenüber Stahl anodisch und gegenüber Magnesiumlegierungen kathodisch, weshalb bei der Verbindungskonstruktion Isolierschichten zur Verhinderung beschleunigter Korrosion wichtig sind.
Farbeigenschaften
Schweißbarkeit
Das Schweißen von 8111 mittels MIG- und TIG-Verfahren ist üblicherweise möglich unter Verwendung gängiger Aluminium-Füllwerkstoffe wie ER4043 (Al-Si) oder ER5356 (Al-Mg), abhängig von der Grundwerkstoffchemie und den erforderlichen Nachbehandlungseigenschaften. Das Risiko von Heißrissen ist moderat und steigt mit Kupfer- und Siliziumgehalten; eine qualifizierte Schweißanweisung und gezielte Gestaltung der Naht sind entscheidend. Das Weichwerden der Wärmeeinflusszone (WEZ) ist besonders bei tragenden Blechen relevant und erfordert gegebenenfalls Berücksichtigung der Schweißnahtlage oder nachträgliche Wärmebehandlung.
Bearbeitbarkeit
Die Bearbeitbarkeit von 8111 in weicheren Zuständen ist mittel bis gut; Schneidwerkzeuge mit Hartmetallbestückung und passenden Beschichtungen werden für hochfrequente Endbearbeitung empfohlen. Späne sind bei duktilen Zuständen meist kontinuierlich und können Oberflächen verschmieren, falls Kühlschmierstoffe unzureichend sind; höhere Festigkeiten führen zu kürzeren und bröckeligeren Spänen. Werkzeuggeometrie und Vorschübe müssen für Aluminium angepasst werden, um Aufbauschneiden zu vermeiden und Oberflächengüte zu sichern.
Umformbarkeit
Die Umformbarkeit ist in O- und T4-Zuständen exzellent und ermöglicht Tiefziehen, Kanten/Biegen sowie komplexe Stanzteile mit engen Radien. Minimale Biegeradien hängen von Blechdicke und Zustand ab, wobei typische Konstruktionsrichtwerte Innenradien von 0,5–1,0× Blechdicke für geglühtes Blech und 1,5–3× Blechdicke für T6-ähnliche Zustände vorsehen. Kaltverfestigung erhöht die Streckgrenze und verringert die Bruchdehnung, weshalb Dehn- und Umformschritte oft in weicheren Zuständen erfolgen und anschließende Bakehärtung zur Endfestigkeit genutzt wird.
Verhalten bei Wärmebehandlung
Als wärmebehandelbare Legierung reagiert 8111 vorhersagbar auf Lösungsglühen, Abschrecken und künstliche Alterung. Typische Lösungsglühtemperaturen liegen zwischen 500–540 °C, abhängig von Querschnittsdicke und Legierungszusammensetzung, gefolgt von schnellem Abschrecken, um eine übersättigte feste Lösung für die anschließende Alterung zu erhalten.
Künstliche Alterungsverfahren (T6) sind auf maximale Festigkeit ausgelegt mit Temperaturen meist zwischen 150–200 °C und Zeiten von 2 bis 12 Stunden, je nach erforderlich balanciertem Verhältnis von Festigkeit und Zähigkeit. Zustandsübergänge T4 (natürliche Alterung) und T8 (Kaltverfestigung plus künstliche Alterung) werden in Herstellungsabläufen genutzt, um Formbarkeit und Festigkeit durch Zwischenalterung oder Lackeinbrennvorgänge zu kombinieren.
Nicht-wärmebehandelbares Verhalten ist begrenzt, da die Legierungsfamilie für Ausscheidungshärtung ausgelegt ist; vollständiges Glühen (O) und kontrollierte Spannungsarmglühzustände (T351/T651) werden für Formbarkeit und Maßhaltigkeit bei spezifischen Fertigungsanforderungen eingesetzt.
Verhalten bei hohen Temperaturen
Oberhalb von ca. 150–200 °C beginnt die Ausscheidungsstruktur, die 8111 stärkt, zu grobkörnigerem Wachstum und Auflösung, was allmählichen Festigkeitsverlust und Erweichung verursacht. Betriebstemperaturen über die typischen Bake- oder künstlichen Alterungsbedingungen hinaus reduzieren die Tragfähigkeit und können das Kriechverhalten in belasteten Bauteilen beschleunigen.
Die Aluminiumoxidation ist im Allgemeinen selbstbegrenzend, doch können bei hohen Temperaturen Oxidschichten und Oberflächenreaktionen Emissionsvermögen und Erscheinungsbild verändern. Das Verhalten der Wärmeeinflusszone beim Schweißen ist ebenfalls temperaturabhängig: übermäßige Wärmeeinbringung führt zu Überalterung mit Festigkeitsminderung; Kontrolle des Wärmeeintrags und gegebenenfalls Nachalterung können Teil der Maßnahmen sein.
Anwendungen
| Industrie | Beispielkomponente | Warum 8111 verwendet wird |
|---|---|---|
| Automobilindustrie | Außenbleche und Verschlussbleche | Kombiniert Umformbarkeit mit Bakehärtung und höherer Festigkeit im Einsatz. |
| Marine Transport | Strukturbleche im Innenraum | Gutes Verhältnis aus Festigkeit und Gewicht sowie angemessene Korrosionsbeständigkeit bei Beschichtung. |
| Luftfahrt (sekundär) | Innenausstattung und Verkleidungen | Leichte Bleche mit hoher Duktilität und Festigkeit nach Umformung. |
| Elektronik / Haushaltsgeräte | Strukturbleche und Gehäuse | Gute Umformbarkeit, Lackierbarkeit und Wärmeleitung für Gehäuse. |
Die Hauptanwendung von 8111 liegt in Bauteilen, bei denen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Umformbarkeit während der Herstellung und erhöhter Festigkeit nach thermischer Nachbehandlung gefordert ist. Besonders im Automobilbau ist die Legierung wertvoll, da sie ein Zusammenspiel aus Stanzprozessen und Bakehärtung ermöglicht, um Zielwerte zu erreichen.
Auswahlhinweise
Wählen Sie 8111, wenn ein Bauteil Tiefziehen oder komplexe Stanzformen sowie eine kontrollierte Erhöhung der Streckgrenze nach dem Umformen durch Bake- oder künstliche Alterung erfordert. Die Legierung ist vorteilhaft, wenn Leichtbau und Dellenresistenz (nach Alterung) Priorität haben und Lieferanten gleichbleibende, automobilgerechte Chemien liefern können.
Im Vergleich zu kommerziell reinem Aluminium (1100) tauscht 8111 etwas elektrische Leitfähigkeit und Umformbarkeit gegen deutlich höhere nach Alterung erreichbare Festigkeiten. Gegenüber üblichen kaltverfestigten Legierungen (3003, 5052) bietet 8111 meist höhere Spitzenfestigkeit und bessere Bakehärtungsantwort bei etwas geringerer natürlicher Korrosionsbeständigkeit in chloridreichen Umgebungen.
Im Vergleich zu üblichen wärmebehandelbaren Legierungen (6061, 6063) wird 8111 für Blechumformung und Bakehärtungsprozesse bevorzugt, obwohl die maximale Zugfestigkeit manchmal etwas geringer ist, da die Zustandsübergänge und Bake-Eigenschaften besser auf Automobil- und Haushaltsgeräteherstellung abgestimmt sind.
Abschließende Zusammenfassung
Legierung 8111 bleibt eine relevante Ingenieurswahl, wenn eine gut kontrollierte Kombination aus Umformbarkeit, Bake-Härteverhalten und erhöhter Festigkeit im Einsatz erforderlich ist, insbesondere bei äußeren Karosserieblechen und anderen Stanzblechanwendungen. Die angepasste Chemie und die verschiedenen Anarbeitungszustände ermöglichen es Herstellern, kosteneffiziente, leichte Bauteile zu entwickeln, die anspruchsvolle Produktions- und Leistungsanforderungen erfüllen.