Aluminium 5456: Zusammensetzung, Eigenschaften, Zustandsübersicht & Anwendungsbereiche
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Umfassender Überblick
5456 ist ein Mitglied der 5xxx-Serie der Aluminium-Magnesium-Legierungen, die sich durch einen moderaten bis hohen Magnesiumgehalt und eine nicht wärmebehandelbare Festigkeitssteigerung auszeichnen. Die Legierung gehört zu den Varianten mit höherem Magnesiumanteil, die dort eingesetzt werden, wo Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit mit guter Schweißbarkeit und angemessener Umformbarkeit in Einklang gebracht werden müssen.
Das primäre Legierungselement ist Magnesium im Bereich von ca. 4,7–5,7 Gew.-%, ergänzt durch gezielte Zusatz von Mangan und Chrom zur Kornfeinung sowie zur Verbesserung von Festigkeit und Widerstand gegen Rekristallisation. Die Festigkeit wird hauptsächlich durch Lösungshärtung durch Mg und durch Kaltverfestigung erzielt; es erfolgt keine Ansprechbarkeit auf ausscheidungshärtende Wärmebehandlungen wie bei Legierungen der 6xxx- oder 7xxx-Serie.
Wesentliche Merkmale sind höhere Streck- und Zugfestigkeit gegenüber Legierungen der 5xxx-Serie mit niedrigerem Mg-Gehalt, sehr gute Beständigkeit gegen allgemeine und lokalisierte Korrosion in maritimen Atmosphären bei entsprechender Verarbeitung sowie gute Schweißbarkeit mit geeigneten Zusatzwerkstoffen. Die Umformbarkeit ist im weichgeglühten Zustand (O-Zustand) gut, nimmt jedoch mit zunehmender Kaltverfestigung ab; dieser Kompromiss beeinflusst die Auswahl des Zustandes für Umform- gegenüber Strukturanwendungen.
Typische Anwendungsbereiche sind der Schiffbau, Offshore-Strukturen, Druckbehälter, Schienenfahrzeuge und Automobilprofile, wo die Kombination von Festigkeit zu Gewicht und Korrosionsbeständigkeit gefordert ist. Ingenieure wählen 5456 gegenüber anderen Legierungen, wenn eine nicht wärmebehandelbare Legierung mit höherer intrinsischer Festigkeit und maritimem Korrosionsschutz ohne den Aufwand der Wärmebehandlung benötigt wird.
Zustandsvarianten
| Zustand | Festigkeitsniveau | Dehnung | Umformbarkeit | Schweißbarkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| O | Niedrig | Hoch (≥20–30%) | Ausgezeichnet | Ausgezeichnet | Vollständig geglüht, ideal für Tiefziehen und Umformen |
| H111 | Mittel | Moderat (≈15–25%) | Gut | Ausgezeichnet | Leicht kaltverfestigt, nicht stabilisiert, universell anwendbar |
| H112 | Mittel | Moderat | Gut | Ausgezeichnet | Kommerziell hergestellt mit Steuerung der Richtungsfestigkeit |
| H32 | Hoch | Niedriger (≈8–15%) | Reduziert | Ausgezeichnet | Kaltverfestigt und stabilisiert, häufig für Strukturbauteile verwendet |
| H34 | Hoch | Niedriger | Reduziert | Ausgezeichnet | Stärker gekaltverfestigt für stark beanspruchte Bauteile |
| H116 | Hoch | Moderat | Gut | Ausgezeichnet | Stabilisiert für verbesserte Beständigkeit gegen marine Spannungsrisskorrosion und interkristalline Korrosion |
| H321 | Mittel-Hoch | Moderat | Gut | Ausgezeichnet | Thermisch stabilisiert nach Kaltumformung, um Sensibilisierung zu verhindern |
Der Zustand bestimmt wesentlich die Balance zwischen Festigkeit, Duktilität und Umformbarkeit bei 5456. Der weichgeglühte Zustand (O) wird verwendet, wenn Umformprozesse dominieren und keine Höchstfestigkeit erforderlich ist, während die Zustände der Reihen H3x/H1xx durch Kaltverfestigung eine progressive Erhöhung der Festigkeit bei gleichzeitig reduzierter Dehnung und Streckbiegefähigkeit bieten.
Stabilisierte Zustände (H116, H321) nutzen eine enge Kontrolle der Legierungsbestandteile und/oder eine leichte Wärmebehandlung zur Verringerung der Anfälligkeit für lokalisierte Korrosion und Spannungsrisskorrosion in chloridbelasteten Umgebungen. Die Auswahl des Zustands muss Geometrie, geforderte Festigkeitsreserven und Anforderungen nach dem Schweißen berücksichtigen.
Chemische Zusammensetzung
| Element | Gew.-% Bereich | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Si | ≤ 0,25 | Verunreinigungskontrolle; höherer Si-Gehalt reduziert Duktilität und kann spröde Intermetallische Verbindungen bilden |
| Fe | ≤ 0,40 | Häufige Verunreinigung; Überschuss fördert Intermetallische Partikel, die Festigkeit und Korrosionsverhalten beeinflussen können |
| Mn | 0,20–0,70 | Kornbildner und Festigungselement; verbessert Duktilität und Widerstand gegen Rekristallisation |
| Mg | 4,7–5,7 | Primäres Festigungselement; erhöht Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit, kann jedoch bei unkontrolliertem Gehalt Risiko für Spannungsrisskorrosion erhöhen |
| Cu | ≤ 0,10 | Wird niedrig gehalten zur Erhaltung der Korrosionsbeständigkeit; höherer Cu-Gehalt erhöht Festigkeit, reduziert aber maritime Leistungsfähigkeit |
| Zn | ≤ 0,25 | Geringer Anteil; übermäßiges Zn kann Korrosionsbeständigkeit mindern |
| Cr | 0,05–0,25 | Steuert Kornwachstum und verbessert Widerstand gegen Rekristallisation und Spannungsrisskorrosion |
| Ti | ≤ 0,10 | Kornbildner bei geringen Mengen |
| Sonstige (jeweils) | ≤ 0,05 | Gesamt sonstige ≤ 0,15; niedrig gehalten zur Vermeidung schädlicher Phasen |
Magnesium ist der dominante Mikrolegierungsbestandteil, der durch Lösungshärtung die Festigkeit verbessert und das Festigkeits-Gewichts-Verhältnis optimiert. Mangan und Chrom dienen als gezielte Mikrolegierungselemente zur Kornverfeinerung während thermomechanischer Verarbeitung und stabilisieren die Mikrostruktur gegen übermäßige Textur und Rekristallisation.
Eine strenge Kontrolle von Kupfer, Eisen und Silizium ist für maritimes Leistungsniveau unerlässlich; Spurenelemente und intermetallische Partikel beeinflussen die Entstehung von Lochkorrosionsstellen und das lokal elektrochemische Verhalten. Die endgültige Leistung hängt somit von der nominalen Zusammensetzung und dem Verarbeitungsverlauf ab, einschließlich Walzen, Lösungsglühen (falls angewendet) und Stabilisierung.
Mechanische Eigenschaften
Das Zugverhalten von 5456 ist stark zustandsabhängig: weichgeglühte Werkstoffe zeigen hohe Dehnung und moderate Zugfestigkeit, während H3x/H1xx-Zustände erheblich erhöhte Streck- und Zugfestigkeiten durch Kaltverfestigung aufweisen. Das Verhältnis von Streck- zu Zugfestigkeit ist bei kaltverfestigten Zuständen typischerweise enger, was die Auslegung dünnwandiger Strukturen erleichtert, jedoch das Umformfenster verkleinert und eine sorgfältige Steuerung der Biegeradien erfordert.
Die Härte korreliert mit dem Zustand und Magnesiumgehalt; der Härtebereich erstreckt sich vom niedrigen Vickers-Wert im O-Zustand bis zu deutlich höheren Werten bei H32/H34. Die Dauerfestigkeit ist für Aluminiumlegierungen dieser Klasse in der Regel gut, doch kann die Ermüdungsrissinitiierung sensitiv auf Oberflächenbeschaffenheit, Eigenspannungen durch Umformung oder Schweißen und das Vorhandensein intermetallischer Partikel reagieren.
Dicke und Querschnittsgröße beeinflussen die Eigenschaften durch Kaltverfestigungsverhalten und Kornstrukturkontrolle; dicke Bleche zeigen bei ähnlich nominalem Zustand leicht höhere Streckgrenzen aufgrund der Walzkonstraint. Das Schweißen verursacht eine Wärmebeeinflusste Zone mit teilweiser Erweichung bei stark kaltverfestigtem Zustand, weshalb Konstrukteure die Festigkeitsminderung der WAZ berücksichtigen müssen.
| Eigenschaft | O/Weichgeglüht | Wichtiger Zustand (H32 / H116) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Zugfestigkeit (UTS) | ~140–190 MPa | ~270–340 MPa | Spannweite abhängig von Dicke und genauem Zustand; Kaltverfestigung steigert UTS deutlich |
| Streckgrenze (0,2 % Rp0,2) | ~35–80 MPa | ~200–300 MPa | H32/H116 bieten deutlich höhere Streckgrenzen, nützlich für Strukturdesign; Werte schwanken mit Blechdicke |
| Dehnung (auf 50 mm) | ~20–35% | ~8–18% | Duktilität wird durch Kaltverfestigung reduziert; geglüht optimal für Umformen |
| Härte (HV) | ~30–45 HV | ~75–110 HV | Indikative Werte; Härte korreliert mit Zustand und Kaltverfestigungsgrad |
Physikalische Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Dichte | 2,66 g/cm³ | Typische Dichte einer Aluminiumlegierung; Grundlage für Masse- und Festigkeits-Gewichts-Berechnungen |
| Schmelzbereich | ~570–640 °C | Festus-zu-Liquidus-Temperaturspanne variiert leicht mit Legierung; Einsatz nahe Schmelzbereich vermeiden |
| Wärmeleitfähigkeit | ~120–140 W/(m·K) | Niedriger als reines Aluminium, aber weiterhin hoch; vorteilhaft für Anwendungen mit Wärmeabfuhr |
| Elektrische Leitfähigkeit | ~28–34 % IACS | Reduziert gegenüber reinem Al; Leitfähigkeit nimmt mit Mg- und Legierungszusätzen ab |
| Spezifische Wärme | ~900 J/(kg·K) | Typisch für Aluminiumlegierungen bei Raumtemperatur |
| Thermische Ausdehnung | ~23–24 µm/(m·K) | Ähnlicher Koeffizient wie bei den meisten Aluminiumlegierungen; wichtig für thermische Zyklusauslegung |
Dichte und thermische Eigenschaften machen 5456 attraktiv, wenn Gewicht und Wärmeabfuhr entscheidende Designparameter sind. Die Wärmeleitfähigkeit und spezifische Wärme bleiben im Vergleich zu Eisenwerkstoffen hoch und ermöglichen eine effiziente passive Kühlung bei konstruktiven Wärmesenkenanwendungen.
Die elektrische Leitfähigkeit ist niedriger als bei technisch reinem Aluminium, aber für viele elektrische und thermische Leitungsfunktionen ausreichend; bei der Auslegung ist die Leitfähigkeitsminderung durch Legierung als Bestandteil von EMI- und Wärmeleitungsberechnungen zu berücksichtigen. Die thermische Ausdehnung entspricht dem Standard für Aluminium und muss bei Baugruppen aus verschiedenen Werkstoffen eingeplant werden.
Produktformen
| Form | Typische Dicke/Größe | Festigkeitsverhalten | Übliche Zustände | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Blech | 0,5–6,0 mm | Festigkeit variiert stark mit dem Zustand; dünnere Stärken lassen sich leichter kaltverformen | O, H111, H32, H116 | Weit verbreitet für Verkleidungen und geformte Bauteile |
| Platte | 6–200 mm | Dicke Platten weisen leicht höhere Festigkeiten quer zur Dicke auf; Walzverlauf ist wichtig | H32, H116 | Baustahl- und Schiffsbaubleche; dickes Material erfordert kontrolliertes Walzen |
| Strangpressprofil | Variable Querschnitte | Festigkeit hängt von nachgelagertem Lagerungsprozess und Kaltverformung ab; Profile können spannungsarm geglüht werden | O, H112, H32 | Komplexe Profile für Fahrgestelle und Strukturrahmen |
| Rohr | Durchmesser bis mehrere hundert mm | Festigkeit und Kollapsbeständigkeit werden durch Wandstärke und Zustand gesteuert | O, H32 | Druck- und Strukturrohre; Schweiß- und Biegeverhalten wird berücksichtigt |
| Stab/Rundstahl | Bis zu mehreren Zoll Durchmesser | Wird oft in teils kaltverfestigten Zuständen geliefert; Zerspanbarkeit variiert | O, H111 | Verbindungselemente, Bolzen und bearbeitete Bauteile; Querschnittsgröße beeinflusst Endeigenschaften |
Blech und Platten werden durch Walzen hergestellt und können in vielen Zuständen geliefert werden, um Umform- oder Strukturanforderungen gerecht zu werden; die Steuerung des Walzverlaufs und der Kühlung ist entscheidend, um die angestrebten mechanischen Eigenschaften zu erreichen. Strangpressprofile und Rohre basieren auf nachgelagerten Prozessen sowie Lagerungs- bzw. Stabilisierungsschritten, um spätere dimensionsbedingte Instabilität zu vermeiden und Anisotropie zu kontrollieren.
Geformte Bauteile beginnen typischerweise im Zustand O oder in leicht verfestigten H1xx-Zuständen, wenn umfangreiche Umformungen erforderlich sind, und können anschließend kaltverfestigt oder stabilisiert werden, um die endgültigen mechanischen Anforderungen zu erfüllen. Platten für den Schiffs- oder Anlagenbau werden häufig im stabilisierten Zustand H116 gefertigt, um die Anfälligkeit gegenüber lokaler Korrosion und spannungsrissförmiger Korrosion (SCC) zu minimieren.
Äquivalente Güten
| Norm | Güte | Region | Hinweise |
|---|---|---|---|
| AA | 5456 | USA | Original Aluminum Association Bezeichnung, häufig in technischen Datenblättern verwendet |
| EN AW | 5456 | Europa | EN AW-5456 existiert in europäischen Normen mit derselben Nennzusammensetzung und regionalen Toleranzen |
| JIS | A5456 (oder ähnlich) | Japan | Lokale Normbezeichnung für äquivalente 5xxx Hoch-Mg-Legierungen; genaue Übereinstimmung im JIS-Katalog prüfen |
| GB/T | 5456 | China | Chinesische GB/T-Bezeichnung entspricht normalerweise AA 5456, aber Fertigungstoleranzen und Zustände können abweichen |
Die Normen-Äquivalenz gilt im Allgemeinen auf Niveau der Nennzusammensetzung, jedoch gibt es Unterschiede bei zulässigen Verunreinigungen, geforderten mechanischen Prüfdicken und Zustandsbezeichnungen. Regionale Normen können außerdem abweichende zulässige Zustände oder zusätzliche Stabilisierungsvoraussetzungen für den maritimen Einsatz definieren.
Ingenieure sollten beim Austausch zwischen Normen stets den vollständigen Normtext zu chemischen und mechanischen Toleranzen, vereinbarten Prüfverfahren und vorgeschriebener Zertifizierung (z. B. Werkszeugnisse) vergleichen, um funktionale Gleichwertigkeit sicherzustellen.
Korrosionsbeständigkeit
5456 zeigt im Vergleich zu vielen wärmebehandelbaren Aluminiumlegierungen eine sehr gute Beständigkeit gegen allgemeine atmosphärische und Meerwasserkorrosion, was vor allem auf die positive Wirkung von Magnesium zurückzuführen ist, das schützende Oberflächenfilme fördert. In mild korrosiven Atmosphären weist die Legierung gute Leistungen auf und ist mit kontrollierten Verunreinigungen und stabilisierten Zuständen weit verbreitet für Schiffsbaubleche und Offshore-Strukturen anerkannt.
Der hohe Magnesiumgehalt erhöht jedoch die Anfälligkeit für lokalen Angriff und spannungsrissförmige Korrosion (SCC) in chloridhaltigen Umgebungen, sofern die Legierung nicht speziell für den maritimen Einsatz hergestellt und stabilisiert wird. Stabilisierte Zustände (H116, H321) und Cu-arme Chemien vermindern SCC-Risiken durch Einschränkung intermetallischer Phasen und Sensibilisierung.
Galvanische Wechselwirkungen mit kathodischen Werkstoffen wie Edelstahl oder Kupfer müssen durch Isolationsschichten oder kompatible Verbindungselemente beherrscht werden; Aluminiumlegierungen wie 5456 sind in vielen Bimetallpaarungen anodisch und können bei elektrischem Kontakt in einem Elektrolyten bevorzugt korrodieren. Im Vergleich zu 6xxx- (Al–Mg–Si) oder 7xxx-Reihen (Al–Zn) bietet 5456 eine bessere allgemeine und marine Korrosionsbeständigkeit, ist jedoch gegenüber chloridinduzierter SCC anfälliger als 5xxx-Legierungen mit geringerem Mg-Gehalt und engeren Verunreinigungslimits.
Fertigungseigenschaften
Schweißbarkeit
5456 lässt sich gut mit gängigen Lichtbogen-Fusionsverfahren wie GTAW (TIG) und GMAW (MIG) schweißen und toleriert hohe Wärmebelastungen ohne Heißrisse, wenn geeignete Zusatzwerkstoffe verwendet werden. Aluminium–Magnesium-Schweißzusätze wie ER5356 oder ER5183 werden empfohlen, um Festigkeit anzupassen und Korrosionsbeständigkeit im Schweißnaht- und Wärmeeinflussbereich zu erhalten. Der Wärmeeinflussbereich kann bei kaltverfestigtem Grundwerkstoff eine Erweichung erfahren; mechanische Nachprüfung und gegebenenfalls lokale Anlassmaßnahmen oder konstruktive Anpassungen sind ratsam.
Zerspanbarkeit
Die Zerspanbarkeit von 5456 ist moderat im Vergleich zu besser zerspanbaren Legierungen; der relativ hohe Mg-Gehalt erhöht Festigkeit und Kaltverfestigung, wodurch Schneidkanten schneller abstumpfen als bei nahezu reinen Legierungen. Hartmetallwerkzeuge mit positivem Spanwinkel, ausreichende Kühlung und kontrollierter Spanabfuhr werden empfohlen, um Schneidkantenaufbauschneiden zu reduzieren und Kaltverfestigungseffekte zu begrenzen. Vorschub- und Drehzahlen sollten auf Querschnitt und Zustand abgestimmt werden; leichtere Schnitte und unterbrochene Schnittstrategien helfen bei dickeren, kaltverfestigten Bereichen.
Umformbarkeit
Die Umformbarkeit ist im geglühten Zustand sehr gut, nimmt jedoch mit zunehmender Kaltverfestigung ab; minimale Biegeradien im Innenbereich bei Blechen werden typischerweise durch Zustand und Dicke bestimmt und sollten durch Umformversuche überprüft werden. Für Streckziehen und Tiefziehen sind O-Zustand oder sehr leichte H1xx-Zustände bevorzugt, während H32/H34-Bauteile besser für Anwendungen geeignet sind, die endgültige dimensionsstabile Teile mit weniger Umformung erfordern. Rückfederung ist bei höherfesten Zuständen ausgeprägter und muss bei Werkzeug- und Matrizenkonstruktion berücksichtigt werden.
Wärmebehandlungsverhalten
Als nicht wärmeverfestigbare Legierung reagiert 5456 nicht auf Ausscheidungshärtung zur Erhöhung der Festigkeit; die Festigkeitssteigerung erfolgt durch Kaltverfestigung und plastische Verformung. Das Glühen (Zustand O) erfolgt bei erhöhten Temperaturen zur Wiederherstellung der Umformbarkeit durch Rekristallisation; Prozessparameter variieren je nach Dicke, liegen aber typischerweise im Bereich von 300–400 °C mit kontrollierter Abkühlung.
Thermische Stabilisierung (praktisch unter den Zuständen H116/H321 geführt) nutzt moderate thermische Behandlung oder enge chemische Steuerung, um Anfälligkeit für interkristalline Korrosion und spannungsrissförmige Korrosion zu minimieren. Diese Stabilisierung zielt nicht auf Festigkeitssteigerung ab, sondern auf Einstellung einer korrosionsstabileren Mikrostruktur und Spannungsabbaueffekte nach Kaltverformung.
Da kein T6-ähnlicher Härtungsweg existiert, setzen Konstrukteure bei höherer Festigkeit auf thermo-mechanische Behandlung, kontrollierte Kaltverfestigung und die Wahl des höchstmöglichen H3x-Zustands, der mit Umformbarkeit und Schweißanforderungen vereinbar ist. Übermäßiges Anlassen oder Temperaturbelastungen im Einsatz bzw. beim Schweißen können die kaltverfestigte Festigkeit durch Rekristallisation und Erholung verringern.
Hochtemperatureinsatz
5456 behält bei moderat erhöhten Temperaturen nützliche mechanische Eigenschaften, verliert jedoch mit steigender Temperatur über Umgebungstemperatur kontinuierlich an Festigkeit, wobei signifikante Abnahmen typischerweise über 150–200 °C auftreten. Die Kriechbeständigkeit ist begrenzt im Vergleich zu spezialisierten Hochtemperaturlegierungen; Langzeitbelastungen bei hohen Temperaturen sind ohne spezifische Prüfungen nicht empfehlenswert.
Oxidation an der Luft bleibt gering aufgrund der Ausbildung schützender Oxidschichten; erhöhte Temperaturen können jedoch Diffusionsprozesse beschleunigen, die Kaltverfestigung reduzieren und Oberfläche bzw. Dimensionsstabilität verändern. In geschweißten Bauteilen ist der Wärmeeinflussbereich häufig die kritischste Stelle bei hohen Temperaturen, da Mikrostrukturwiederherstellung und Erweichung durch nachfolgende thermische Zyklen beschleunigt werden können.
Konstrukteure sollten Dauerbetriebstemperaturen begrenzen und thermische Zykluseffekte auf Ermüdung und Spannungsumlagerung berücksichtigen. Für kurzzeitige Temperaturbelastungen ist 5456 akzeptabel, für langfristige Hochtemperatureinsätze sind jedoch Alternativlegierungen oder Schutzmaßnahmen erforderlich.
Anwendungen
| Branche | Beispielkomponente | Warum 5456 verwendet wird |
|---|---|---|
| Maritime Industrie | Schiffswandplatten, Aufbauten | Hohe Korrosionsbeständigkeit in Meerwasser und gute Festigkeit für geschweißte Konstruktionen |
| Offshore / Energie | Plattformkomponenten, Rohrleitungsstützen | Festigkeit und Schweißbarkeit in großen Bauteilen bei Chloridexposition |
| Automobil / Transport | Anhängerplatten, Strukturbauteile | Hoher Festigkeits-zu-Gewicht-Wert und gute Dellenbeständigkeit für Karosserie- und Fahrwerkskomponenten |
| Luft- und Raumfahrt | Sekundärstrukturen, Beschläge | Festigkeit und Bruchfestigkeit, wenn nicht wärmebehandelbare Legierungen bevorzugt werden |
| Elektronik / Thermik | Wärmeverteiler, Rahmen | Hohe Wärmeleitfähigkeit und geringe Dichte für passive Kühlung |
5456 wird häufig spezifiziert, wenn eine Kombination aus der durch Mg gesteigerten Festigkeit, guter Schweißbarkeit und mariner Korrosionsbeständigkeit in strukturellen Formen erforderlich ist. Sein ausgewogenes Eigenschaftsprofil macht es zur gängigen Wahl für dickwandige Bleche, geschweißte Strukturen und Bauteile, die korrosionsbeständig bleiben müssen, ohne dass eine Ausscheidungshärtung notwendig ist.
Auswahlhinweise
5456 ist eine gute Wahl, wenn Ingenieure eine nicht wärmebehandelbare Aluminiumlegierung mit höherer Festigkeit als handelsübliche Reinaluminiumlegierungen benötigen, dabei aber exzellente marine Korrosionsbeständigkeit erhalten wollen. Im Vergleich zu 1100 nimmt 5456 eine gewisse Einbuße bei elektrischer Leitfähigkeit und Umformbarkeit zugunsten deutlich höherer Streck- und Zugfestigkeit in Kauf.
Im Vergleich zu durch Kaltumformung gehärteten Legierungen wie 3003 oder 5052 bietet 5456 in der Regel höhere Festigkeit und bessere Leistungen im Meerwasser, kann jedoch anfälliger für Chlorid-Spannungsrisskorrosion (SCC) sein, sofern es nicht in stabilisierten Zuständen wie H116 geliefert wird. Gegenüber wärmebehandelbaren Legierungen wie 6061 oder 6063 zeichnet sich 5456 durch überlegene Korrosionsbeständigkeit und einfachere Schweißbarkeit aus, weist jedoch eine geringere maximale Festigkeit auf; wählen Sie 5456, wenn Korrosionsschutz und Integrität der Schweißnaht wichtiger sind als die maximal erreichbare Festigkeit.
Bei Beschaffung und Konstruktion ist die Auswahl des richtigen Zustands (O vs. H32 vs. H116) unter Berücksichtigung der Umformbarkeit und Einsatzumgebung vorrangig, die Kompatibilität des Schweißzusatzes sollte geprüft und gegebenenfalls eine Stabilisierung gegen marine SCC spezifiziert werden. Kosten und Verfügbarkeit sind bei 5xxx-Legierungen meist günstig, dennoch sollten örtliche Lagervorräte bezüglich Zuständen und Plattenstärken frühzeitig abgeklärt werden.
Abschließende Zusammenfassung
5456 bleibt eine relevante technische Legierung, da sie hohe magnesiumbedingte Festigkeit mit starker mariner Korrosionsbeständigkeit und einfacher Schweißbarkeit vereint und damit strukturelle und maritime Anwendungen bedient, bei denen eine Wärmebehandlung nicht praktikabel ist. Sein vorhersehbares, zustandsabhängiges Verhalten und die Verfügbarkeit als Platte, Blech und Strangpressprofil machen es zu einer praxisgerechten Wahl für Konstrukteure, die Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Fertigbarkeit in Einklang bringen wollen.